Ferrero plant erste Produktionsstätte in Rumänien
Ferrero steht vor dem Abschluss der Übernahme eines bestehenden Werks in Timișoara, das zur ersten Produktionsstätte des Konzerns in Rumänien werden soll. Bislang bediente Ferrero den Markt über Import und Vertrieb, während frühere Schokoladenkapazitäten aus Brașov nach Bulgarien verlagert wurden.
Ferrero wechselt vom Vertrieb zur Produktion
Der italienische Süßwarenkonzern Ferrero hat seine Pläne für die erste Produktionsstätte in Rumänien offiziell bestätigt. Nach Angaben von BizBrașov befindet sich das Unternehmen in der Schlussphase der Übernahme eines bestehenden Werks in Timișoara und erweitert damit sein Produktionsnetz in Mittel- und Südosteuropa.
Der Konzern, dessen weltweiter Umsatz sich 20 Milliarden Euro nähert, war in Rumänien bislang ausschließlich mit Import und Vertrieb tätig. Dieses Geschäft erzielt vor Ort einen Umsatz von fast 2 Milliarden Lei. Die Übernahme bedeutet somit den Wechsel von einer vollständig importgestützten Versorgung des rumänischen Marktes zu einer eigenen industriellen Präsenz im Land.
Ferrero will mit der Investition einen modernen Industriestandort schaffen, der von der Produktionstradition der Region, ihrer strategischen Lage und den verfügbaren Fachkräften profitiert. Kaufpreis, Verkäufer, künftige Beschäftigtenzahl und Produktportfolio wurden nicht veröffentlicht. Das regionale Management erklärte, eine dauerhafte und langfristige Partnerschaft mit den nationalen und lokalen Behörden Rumäniens aufbauen zu wollen.
Investition könnte das Handelsdefizit bei Süßwaren beeinflussen
Die lokale Produktion könnte Rumäniens Handelsdefizit bei Süßwaren und Snacks verringern. Der tatsächliche Effekt hängt jedoch von Kapazität, Produktmix und Beschaffung des Werks ab. BizBrașov beziffert das jährliche Defizit des Landes in dieser Kategorie auf rund 1 Milliarde Euro. Ein Ferrero-Werk könnte einen Teil der bislang benötigten Fertigwarenimporte ersetzen und später möglicherweise weitere Märkte beliefern. Produktionsmengen und Exportpläne wurden allerdings nicht angekündigt.
Mit dem Projekt würde Rumänien neben Polen zum zweiten Land der Region, in dem Ferrero in Produktionskapazitäten investiert. Timișoara bietet Zugang zum Westen Rumäniens und zu Verkehrswegen in andere Märkte der Europäischen Union. Ohne Angaben zu Kapazität und vorgesehenen Marken lässt sich die Stellung des Werks im europäischen Produktionsnetz des Konzerns noch nicht beurteilen.
Rumänische Schokoladenkapazitäten wanderten zuvor ab
Das Vorhaben steht im Kontrast zum früheren Abzug bedeutender Schokoladenproduktion aus Rumänien. Brașov war mehr als ein Jahrhundert lang ein Zentrum der rumänischen Schokoladen- und Zuckerwarenherstellung. Die 1899 als erste Bonbon- und Schokoladenfabrik Siebenbürgens gegründete Hess-Fabrik durchlief Fusionen, Verstaatlichung und mehrere Namenswechsel, darunter Dezrobirea und Cibo. In den 1960er-Jahren entstand dort Poiana, später Rumäniens meistverkaufte Schokoladenmarke.
Kraft Foods, später Teil von Mondelēz International, übernahm das Werk in Brașov 1994. Das Unternehmen modernisierte die Rezepturen und baute die Marke Poiana aus, kündigte jedoch 2008 die Schließung und Verlagerung der Produktionslinien in andere Länder an. Als Gründe wurden Kosteneffizienz und Logistikoptimierung genannt. Laut BizBrașov wird Poiana-Schokolade heute in Bulgarien hergestellt. Das frühere Fabrikgelände wurde verkauft und wird nun von einer Lidl-Filiale genutzt.
Das geplante Ferrero-Werk in Timișoara stellt das frühere Industriemodell von Brașov nicht wieder her; eine Verbindung zwischen den Standorten wurde nicht bekannt gegeben. Dennoch bringt das Projekt wieder eine große internationale Investition in die rumänische Süßwarenproduktion, nachdem ein wachsender Teil der heimischen Nachfrage aus ausländischen Werken versorgt worden war. Für Hersteller, Verpackungslieferanten und Logistikunternehmen wird die wirtschaftliche Bedeutung deutlicher, sobald Ferrero Produkte, Kapazität, Beschäftigung und Zeitplan nennt.