Exportnachfrage verlagert Anbauflächen im Loukkos von Erdbeeren zu Avocados und Beeren
Im marokkanischen Loukkos-Becken bauen Erzeuger mehr Avocados, Heidelbeeren und Himbeeren an, während die Erdbeerfläche sinkt. Bessere Witterung, neue Packkapazitäten und die Nachfrage aus Europa und Kanada treiben den Wandel.
Erzeuger verlagern Flächen auf Exportkulturen
In der marokkanischen Provinz Larache verändert sich die landwirtschaftliche Struktur rasch. Die Erzeuger im Loukkos-Becken nutzen mehr Flächen für Avocados, Heidelbeeren und Himbeeren. Der Erdbeeranbau, der die exportorientierte Obstwirtschaft der Region über Jahrzehnte geprägt hat, geht dagegen zurück, weil die Betriebe Erträge, Arbeitskräftebedarf und Absatzchancen im Ausland neu bewerten.
Nach Angaben von Tanja24 bereiten sich Landwirtschafts-, Pack- und Sortierbetriebe auf eine Saison vor, in der die Avocadoproduktion voraussichtlich über dem Niveau der Vorsaison liegen wird. Gründe sind bessere klimatische Bedingungen und ein höherer Anteil an Früchten in den von ausländischen Käufern verlangten Größen. Konkrete Produktions- oder Flächenzahlen wurden nicht genannt.
Die Verlagerung verändert sowohl die Investitionen der Betriebe als auch die Infrastruktur rund um die Produktion. FreshPlaza berichtete laut Tanja24, dass parallel zur Ausweitung des Avocadogeschäfts neue Pack- und Sortieranlagen in Betrieb gehen. Mit diesen Kapazitäten kann die Region größere Mengen klassifizieren, bearbeiten und für den Export vorbereiten sowie die Wertschöpfung erhöhen.
Europa bleibt zentral, während Exporteure neue Märkte suchen
Zouhair El Dissouria, Direktor von Global First Greenland, erklärte, dass die Vermarktung grünschaliger Avocadosorten im September beginnen werde. Die Branche richtet sich vor allem auf europäische Märkte, will den Zugang zu weiteren Zielen einschließlich Kanada aber ebenfalls ausbauen. Soll das Angebot wie erwartet steigen, wird die Diversifizierung wichtiger, weil die Exporteure während der Saison größere Mengen absetzen müssen.
Loukkos liegt nahe den Häfen im Norden Marokkos. Dieser logistische Vorteil hat Larache in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der führenden Zentren des Landes für Erdbeeren und andere Beeren gemacht. Auch für die zunehmend vielfältige Produktion bleibt die Lage bedeutsam. Pack-, Kühl- und Exportkapazitäten wachsen nun vor allem für Kulturen, denen die Erzeuger eine stärkere Auslandsnachfrage und attraktivere Vermarktungsmargen zuschreiben.
Auch Heidelbeeren und Himbeeren gewinnen Fläche. Tanja24 führt die Expansion auf die Nachfrage im Ausland und die stärkere Stellung marokkanischer Erzeugnisse in europäischen Lieferketten zurück. Die Region ersetzt somit nicht lediglich eine Kultur durch eine andere. Loukkos baut ein breiteres Exportportfolio auf, in dem Avocados und höherwertige Beeren eine größere Rolle übernehmen.
Arbeitskosten schwächen die Position der Erdbeere
Erdbeeren verlieren auch deshalb Flächen, weil ihre Wirtschaftlichkeit für einige Betriebe nachgelassen hat. Die Kultur benötigt besonders während der Ernte viel Arbeitskraft und ist damit anfällig für höhere Produktionskosten und Schwierigkeiten bei der Suche nach Saisonarbeitern. Manche Erzeuger ersetzen Erdbeeren daher durch Kulturen, die sie wegen ihrer Wertschöpfung und Absatzchancen im Ausland für attraktiver halten.
Avocados und ausgewählte Beerensorten ziehen wegen der Exportnachfrage, der Vermarktungsmargen und des Ausbaus von Pack- und Kühlketten einen wachsenden Anteil der Agrarinvestitionen an. Diese Faktoren lenken Flächen und Kapital schrittweise von dem historisch auf Erdbeeren ausgerichteten Produktionsmodell weg.
Der Wandel erhöht jedoch die Abhängigkeit der Erzeuger und Exporteure von den Auslandsmärkten. Eine höhere Avocadoernte verlangt ausreichende Nachfrage, passende Fruchtgrößen und genügend Kapazität für eine effiziente Abwicklung. Europa bleibt entscheidend, während Kanada und weitere Märkte dazu beitragen können, die Abhängigkeit von einer kleinen Käufergruppe zu verringern.
Für Verarbeiter, Packbetriebe und Händler schafft die neue Produktmischung Bedarf an Anlagen, die unterschiedliche Anforderungen an Sortierung, Kühlung und Versand erfüllen. Für die Erzeuger hängt die Entscheidung davon ab, ob Exportpreise und Marktzugang die Kosten für neue Anlagen und die Produktionsrisiken ausgleichen. Loukkos entwickelt sich damit von einer vor allem für Erdbeeren bekannten Region zu einem diversifizierten Produktionszentrum, dessen Ausrichtung zunehmend von der Auslandsnachfrage bestimmt wird.