Europäischer Gaspreis steigt wegen LNG-Ausfällen über 56 € je MWh
Der europäische Referenzpreis für Gas stieg von rund 41 € je MWh Anfang Februar auf mehr als 56 € und damit um über 36 %. Störungen der LNG-Transporte durch die Straße von Hormus und eine langsame Speicherbefüllung erhöhen die Risiken für Europa und Rumänien.
TTF legt um mehr als 36 % zu
Der europäische Referenzpreis für Erdgas stieg am Freitag über 56 € je MWh. Der schnelle Anstieg verändert die Kostenperspektive für Versorger, Industriekunden und Speicherbetreiber. Nach Angaben von HotNews erreichten die niederländischen TTF-Notierungen am Freitagmorgen 56,14 € je MWh, verglichen mit rund 41 € je MWh Anfang Februar. Seit Monatsbeginn entspricht das einem Plus von mehr als 36 %.
Die Preise sind im Februar kontinuierlich gestiegen und spiegeln die Reaktion der Energiemärkte auf den erneuten Konflikt unter Beteiligung Irans wider. Laut HotNews hat sich europäisches Gas seit Kriegsbeginn um mehr als 70 % verteuert. Auch Rohöl legte zu: Brent notierte am Freitag mit einem Plus von 1 % bei 85,06 $ je Barrel, während die US-Sorte WTI um 1,2 % auf 79,88 $ stieg. Zu Wochenbeginn hatten die Brent-Futures 86 $ je Barrel überschritten.
Störungen in Hormus verknappen den LNG-Markt
Im Mittelpunkt steht für Gaskäufer die Störung des Verkehrs durch die Straße von Hormus. Über diese Route liefen rund 20 % der weltweiten Lieferungen von Flüssigerdgas. Den vorliegenden Informationen zufolge haben iranische Angriffe 17 % der LNG-Exportkapazität Katars außer Betrieb gesetzt. Die Geschwindigkeit, mit der Katar seine Ausfuhren durch die Meerenge wiederherstellen kann, bleibt damit die größte Unsicherheit am globalen LNG-Markt.
Schon vor der jüngsten Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und Iran rechnete der Markt damit, dass Katar mehrere Wochen für die Wiederaufnahme von Produktion und Lieferungen benötigen könnte. Mögliche zusätzliche Kapazitätsschäden waren darin nicht berücksichtigt. Eine längere Unterbrechung würde den Wettbewerb um verfügbare LNG-Ladungen verschärfen. Europäische Käufer müssen ihre laufende Versorgung sichern und zugleich Speicher auffüllen, was Versorger und gasintensive Industrieunternehmen höheren Beschaffungskosten aussetzt.
Europas Speicherbefüllung verläuft langsamer
Die Gasspeicher der Europäischen Union sind zu rund 52 % gefüllt. Das Wall Street Journal berichtet, dass die Einspeicherung sowohl hinter dem Vorjahrestempo als auch hinter dem Zehnjahresdurchschnitt für die Sommerperiode liegt. Europa hat die Hälfte der Füllsaison vom 1. April bis zum 1. November bereits überschritten. Für den Aufbau der Reserven bleiben damit rund dreieinhalb Monate.
Natasha Fielding, Leiterin der Gas- und LNG-Preisbewertung bei Argus, erklärte, Europa steuere auf die niedrigsten Winterreserven seit der Energiekrise von 2022 zu. Speicher decken einen Teil des Heizbedarfs im Winter und schützen vor Unterbrechungen bei Pipelinegas oder LNG. Wegen der schwierigen Marktbedingungen hat die EU ihre Vorgaben gelockert. Die Mitgliedstaaten können nun bis Anfang November eine Füllung von mindestens 80 % statt des üblichen Ziels von 90 % anstreben.
Rumänien besitzt einen kleinen Speichervorsprung
Die rumänischen Speicher waren am Freitag zu 54 % gefüllt, wie von HotNews ausgewertete Daten zeigen. Das liegt leicht über dem EU-Durchschnitt, schützt das Land jedoch nicht vor höheren regionalen Großhandelspreisen. Rumänische Lieferanten und Industriekunden sind Teil des europäischen Marktes, in dem TTF-Notierungen die Beschaffungskosten und Erwartungen für künftige Verträge prägen.
Die unmittelbaren Folgen für Haushalte hängen von den nationalen Preisregeln und den Einkaufszeitpunkten der Versorger ab. Für die Industrie würde ein dauerhaftes TTF-Niveau über 56 € je MWh jedoch die Kosten gasintensiver Produktion erhöhen und Winterbudgets unsicherer machen. Der rumänische Vorsprung von 2 Prozentpunkten bietet nur einen begrenzten Puffer. Entscheidend bleiben die Wiederaufnahme der katarischen Exporte, die Schifffahrt durch Hormus und Europas Fähigkeit, die Einspeicherung vor November zu beschleunigen.