Europäische Getreidefutures erreichen Mehrjahreshochs, US-Weizen gibt nach
Mais- und Rapsterminkontrakte in Paris stiegen am Montag um mehr als 2 % und erreichten ihre höchsten Stände seit 2023. Europas Angebotsrisiken standen Erntedruck und schwachen Exportkontrollen bei US-Weizen gegenüber.
Mais und Raps steigen in Paris um mehr als 2 %
Europäische Getreide- und Ölsaatenfutures legten am Montag kräftig zu, während der US-Weizenmarkt schwächer tendierte. Laut Agronews stieg der Novemberkontrakt XBX26 für MATIF-Mais um 5,75 Euro beziehungsweise 2,33 % auf 252,75 Euro je Tonne. Das war der höchste Stand seit April 2023. Als Gründe gelten die angespannte europäische Bilanz, die begrenzte Verfügbarkeit von Getreide und das wachsende Kapitalinteresse an Agrarkontrakten.
Raps verzeichnete nominal einen noch größeren Anstieg. Der Kontrakt XRQ26 gewann 13,25 Euro beziehungsweise 2,44 % und erreichte 557,25 Euro je Tonne, den höchsten Preis seit Februar 2023. Agronews führte die Entwicklung auf die bessere Stimmung bei Ölsaaten, höhere Sojapreise und den Anstieg des Rohölpreises zurück. Teureres Öl kann die Nachfrage nach Rohstoffen für Biokraftstoffe stärken. Unsicherheiten über das europäische Saatenangebot und die Erntequalität dürften die Volatilität hoch halten.
MATIF-Weizen steigt langsamer
Pariser Weizen legte deutlich moderater zu. Der Kontrakt MLU26 stieg um 0,50 Euro beziehungsweise 0,21 % auf 235,25 Euro je Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar 2025. Sorgen über die verfügbare Getreidemenge, die Qualität der laufenden Ernte und die Exportlage in der Schwarzmeerregion stützten den europäischen Markt.
Die Futures-Rally garantiert keinen sofortigen, gleich hohen Anstieg der physischen Getreidepreise. Agronews zufolge bleiben das lokale Angebot, die Erntequalität, die Lagersituation, der Bedarf der Futtermittelhersteller und die Aktivität der Exporteure für die Ankaufspreise entscheidend. Für polnische Landwirte spielt zudem der Euro-Zloty-Kurs eine wichtige Rolle bei der Übertragung der Pariser Preisbewegung auf den Binnenmarkt.
Exporte und Ernte belasten Chicago-Weizen
An der CBOT fiel der Septemberkontrakt ZWU26 für Weizen um 8,6 Cent beziehungsweise 1,28 % auf 674 Cent je Bushel. Die wöchentlichen USDA-Exportinspektionen erfassten lediglich 213.900 Tonnen Weizen. Seit Beginn der Saison am 1. Juni liegen die US-Ausfuhren 29 % unter dem Vorjahresniveau, was auf eine schwächere Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt hinweist.
Das Angebot aus der neuen Ernte erhöhte den Druck. Laut USDA Crop Progress waren bereits 74 % der US-Winterweizenfläche abgeerntet, verglichen mit einem Durchschnitt von 71 % für diesen Zeitpunkt. Beim Sommerweizen war die Lage schwächer: 53 % der Bestände wurden als gut oder ausgezeichnet eingestuft, nach 54 % in der Vorwoche und 92 % vor einem Jahr.
US-Mais und Sojabohnen legen zu
Nicht alle Chicagoer Märkte gaben nach. Der Augustkontrakt ZSQ26 für Sojabohnen stieg nach Meldungen über neue Exportkäufe in den täglichen USDA-Berichten um 1,78 % auf 1.226 Cent je Bushel. Mais ZCU26 gewann 1,07 % auf 449,4 Cent je Bushel. Unterstützung kam vom höheren Rohölpreis und den daraus entstehenden Nachfrageaussichten für Bioethanol-Rohstoffe.
Die Entwicklung der US-Kulturen blieb dem üblichen Zeitplan voraus. Die Seidenbildung bei Mais erreichte 59 % der Fläche gegenüber einem Durchschnitt von 54 %. 67 % der Bestände galten als gut oder ausgezeichnet, nach 68 % in der Vorwoche. Bei Sojabohnen blühten 66 % der Flächen; auf 32 % hatten sich Hülsen gebildet, verglichen mit durchschnittlich 24 %. Der Anteil guter oder ausgezeichneter Sojabestände stieg um 1 Prozentpunkt auf 66 %. Die unterschiedlichen Signale aus Europa und den USA zeigen, dass regionales Angebot, Exportwettbewerb und Erntezustand derzeit stärker wirken als ein einheitlicher Weltmarkttrend.