Europa verschärft Tabakkontrollen, doch die Raucherquote bleibt hoch
Europäische Staaten verschärfen ihre Tabak- und Nikotinregeln mit generationenbezogenen Verkaufsverboten, höheren Altersgrenzen, Preisen und Aromaverboten. Dennoch rauchen 24 % der EU-Bürger, während Schweden die wachsende Bedeutung alternativer Nikotinprodukte zeigt.
Europa verfolgt das Ziel einer tabakfreien Generation
Fast ein Viertel der Bürger der Europäischen Union, nämlich 24 %, raucht, berichtet L’Express. Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt der Anteil trotz deutlicher Fortschritte in der Tabakkontrolle bei 29 %. Europas Plan gegen den Krebs unter Führung der Europäischen Kommission soll bis 2040 eine „tabakfreie Generation“ schaffen, doch die nationalen Regierungen verfolgen dafür sehr unterschiedliche Ansätze.
Die regulatorische Herausforderung reicht inzwischen über Zigaretten hinaus. E-Zigaretten, erhitzter Tabak und Nikotinbeutel schaffen zusätzliche Probleme für die öffentliche Gesundheit und erschweren die Regulierung. Die Regierungen müssen entscheiden, ob sie diese Produkte wie herkömmlichen Tabak behandeln, als eigene Kategorie regulieren oder als Mittel für den Ausstieg aus dem Rauchen einsetzen.
Frankreich, Irland und das Vereinigte Königreich verschärfen die Regeln
In Frankreich ist die Zahl der täglichen Raucher innerhalb von zehn Jahren um vier Millionen gesunken. Zugleich steigt das Einstiegsalter schneller als in den meisten europäischen Ländern. Die Strategie verbindet Prävention, Regulierung und Unterstützung bei der Entwöhnung. Dazu gehören Einheitsverpackungen, höhere Preise, mehr rauchfreie Bereiche und ein besserer Zugang zu Nikotinersatztherapien.
In Irland rauchten 2025 noch 17 % der Bevölkerung, dennoch führt das Land die europäische Rangliste der Tobacco Control Scale an. Irland verbot 2004 als erster EU-Mitgliedstaat das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen, hat die höchsten Tabakpreise Europas und reguliert erhitzte Tabakprodukte wie Zigaretten. Dublin bereitet eine Anhebung des Mindestalters für den Kauf von 18 auf 21 Jahre vor.
Das britische Parlament beschloss im April eine radikalere Maßnahme: Wer nach 2008 geboren wurde, soll dauerhaft keinen Tabak kaufen dürfen. Der legale Zugang wird damit für nachfolgende Generationen schrittweise geschlossen. Die praktische Durchsetzung bleibt jedoch unsicher, da die Nachfrage in weniger sichtbare oder illegale Kanäle abwandern könnte, statt zu verschwinden.
Schweden und Lettland nehmen Nikotinprodukte ins Visier
Schweden ist das erste europäische Land mit einer täglichen Raucherquote von weniger als 5 %. Dennoch konsumiert jeder vierte Schwede täglich Nikotin, was vor allem auf die Beliebtheit von Snus zurückzuführen ist. Diese kleinen Tabakbeutel werden unter die Oberlippe gelegt. Der Verkauf von Snus ist in der EU seit 1992 verboten, Schweden erhielt jedoch eine Ausnahmegenehmigung. Frankreich verbot im März weißen Snus, der Nikotin, aber keinen Tabak enthält.
Lettland führte am 1. Januar 2025 strengere Regeln für Tabak und Nikotin ein, insbesondere zur Senkung des Konsums unter Jugendlichen. Es ist das erste EU-Land, das das gesetzliche Kaufalter für Nikotinprodukte von 18 auf 20 Jahre erhöht hat. Händlern drohen Geldbußen zwischen 280 € und 700 €, während bei E-Zigaretten alle Aromen außer Tabak verboten wurden.
Bulgarien verdeutlicht die Lücke bei den Ergebnissen
Bulgarien steht am anderen Ende des europäischen Marktes. In den 1970er-Jahren war das Land der weltweit größte Tabakexporteur und belieferte den gesamten sowjetischen Block, obwohl die Produktion inzwischen stark zurückgegangen ist. 2024 wies Bulgarien mit 35 % dennoch die höchste Raucherquote in der EU auf.
L’Express bringt diese Quote mit dem starken Einfluss der Tabakindustrie, anhaltender politischer Instabilität und einer der niedrigsten Tabakbesteuerungen Europas in Verbindung. Eine Packung Zigaretten kostet im Durchschnitt weniger als 4 €. Europas Regierungen erproben damit unterschiedliche Eingriffe bei Preisen, Zugang, Produkteigenschaften und Konsumorten. Die erheblichen Unterschiede beim Tabak- und Nikotinkonsum lassen jedoch kein einzelnes Modell als eindeutige Vorlage erscheinen.
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