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EU-Verhandlungsreform stärkt Litauens Milchbauern, garantiert aber keine höheren Preise

Neue EU-Regeln weiten schriftliche Verträge, Preisüberprüfungen und kollektive Verhandlungen im Milchsektor aus. Litauische Erzeuger könnten an Einfluss gewinnen, doch Betriebsgröße, Milchqualität und Erfassungskosten bestimmen weiterhin den Rohmilchpreis.

EU-Verhandlungsreform stärkt Litauens Milchbauern, garantiert aber keine höheren Preise

Litauen verliert Lieferanten schneller als Milchmenge

Litauens Milchproduktion konzentriert sich zunehmend auf größere Betriebe, während schwache Betriebsergebnisse Erzeuger zum Ausstieg zwingen. Nach Daten des Agrardatenzentrums, die 15min.lt anführt, verkauften im August 7.159 Erzeuger Milch. Das waren 1.478 beziehungsweise 17,1 % weniger als ein Jahr zuvor. Die erfasste Milchmenge sank im selben Zeitraum jedoch nur um 2,4 %, was auf einen wachsenden Anteil größerer Höfe an der Versorgung hindeutet.

Der durchschnittliche Ankaufspreis für natürliche Rohmilch lag im August ohne Mehrwertsteuer bei 360,85 Euro je Tonne. Gegenüber dem Vormonat stieg er um 2 %, blieb aber 26,4 % unter dem Vorjahreswert. Betriebe mit monatlich mindestens 40 Tonnen erhielten im Durchschnitt 402,90 Euro je Tonne; auf ihre Milch entfielen 67,42 % der landesweit erfassten Menge. Der Abstand von 42,05 Euro je Tonne verdeutlicht den wirtschaftlichen Vorteil größerer Liefermengen.

EU-Regeln stärken Verträge, garantieren aber keinen Preis

Der Rat der EU verabschiedete am 29. Juni Änderungen an der Verordnung über die gemeinsame Marktorganisation und an damit verbundenen Vorschriften der Gemeinsamen Agrarpolitik. Die Verordnung trat am 18. August in Kraft, doch die wichtigsten neuen Vorgaben für schriftliche Verträge im Milchsektor gelten erst ab dem 19. August 2028. Schriftliche Vereinbarungen zwischen Landwirten und Käufern sollen zum Regelfall werden; langfristige Verträge müssen Mechanismen zur Anpassung an Markt- und Kostenänderungen enthalten.

Die Maßnahmen stärken außerdem Erzeugerorganisationen und kollektive Verhandlungen. Preise können enger an objektive Indikatoren für Marktbedingungen und Produktionskosten gekoppelt werden. Einen Mindestpreis für Rohmilch führen sie jedoch nicht ein, und Käufer müssen nicht die individuellen Kosten jedes Betriebs decken. Jonas Vilionis, Präsident des litauischen Milcherzeugerverbands, hält Verträge allein für unzureichend: Milch lasse sich anders als Getreide nicht lagern, bis ein besseres Angebot vorliegt.

Der Verband erklärte bei einer Protestaktion im April, niedrigere Ankaufspreise und zugleich höhere Kosten für Kraftstoff, Dünger, Futter und Energie hätten einige Betriebe in die Verlustzone gedrückt. Er verlangte 30 Millionen Euro Unterstützung, Lösungen für die Kreditversorgung und eine Neuregelung der Beziehungen zwischen Milchverkäufern und Käufern. Im Mai warnte er die Parlamentsfraktionen, dass selbst einige größere Höfe die Milchproduktion aufgäben.

Gemeinsamer Verkauf könnte das Machtgefälle verkleinern

Der Europaabgeordnete Paulius Saudargas erklärte, ein einheitlicher verbindlicher Kostensatz für alle litauischen Betriebe sei schwer festzulegen. Die Kosten unterschieden sich je nach Größe, Produktivität, Futter, Finanzierung und Arbeit. Als praktikabler betrachtet er einen öffentlichen Branchenindex, der bei der Festlegung und Überprüfung von Vertragspreisen eingesetzt wird. Ein Verbot von Käufen unter den individuellen Betriebskosten würde Bauern stärker schützen, könnte Verarbeiter aber dazu bewegen, Mengen zu reduzieren oder Milch anderswo zu beschaffen.

Größenbedingte Preisunterschiede dürften bestehen bleiben. Vilionis zufolge erhalten größere Betriebe Zuschläge für Menge, Qualität und Kühlung, während kleine Lieferanten eine gleichbleibende Qualität schwerer gewährleisten können. Egidijus Simonis, Direktor von Pieno centras, erklärte, große und stetige Lieferungen senkten die Erfassungs-, Transport-, Prüf- und Verwaltungskosten je Tonne und erleichterten die Produktionsplanung. Gemeinsamer Verkauf über Genossenschaften oder Erzeugerorganisationen könnte kleineren Höfen mehr Verhandlungsmacht und Verarbeitern stabilere Rohstoffströme verschaffen. Der Preis würde aber weiterhin von Qualität, Menge, Lieferart, Vertrag und Marktlage abhängen. Nach Schätzung von Pieno centras macht Rohmilch je nach Produkt rund 70–75 % des Endpreises eines Milchprodukts aus; hinzu kommen Verarbeitung, Energie, Arbeit, Verpackung, Lagerung, Transport, Nachfrage und Wettbewerb. Die Reform kann Verhandlungen verbindlicher machen, doch höhere Erzeugerpreise hängen von gemeinsamer Vermarktung und den Marktbedingungen ab.

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