EU verhängt nach Importanstieg Zölle von bis zu 45,3% auf chinesische Reifen
Die EU führt für fünf Jahre Antidumpingzölle von 4,3% bis 45,3% auf chinesische Reifen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ein. Chinesische Anbieter hielten 2024 einen Anteil von 28% am betreffenden EU-Markt und stellten 2025 77% der spanischen Reifenimporte aus Asien.
Brüssel nimmt günstige Reifenimporte ins Visier
Die Europäische Kommission hat Antidumpingzölle von 4,3% bis 45,3% auf Reifen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge aus China verhängt. Laut Vandal gelten die Maßnahmen zunächst für fünf Jahre. Der Höchstsatz von 45,3% betrifft Produkte der Shandong Yongsheng Rubber Group. La Voz de Galicia berichtet zudem, dass einige bekannte nichtchinesische Marken mit Werken in China Zölle von mehr als 24% zahlen müssen.
Die Entscheidung folgt auf eine im Mai 2025 eingeleitete Untersuchung. Nach Angaben von Vandal kamen die EU-Behörden zu dem Schluss, dass mehrere chinesische Hersteller ihre Reifen in Europa unter den Produktionskosten verkauften und dabei teilweise von staatlicher Unterstützung profitierten. Brüssel sieht darin eine Schädigung einer Branche, die in 14 EU-Mitgliedstaaten mehr als 80.000 Menschen beschäftigt.
Die Maßnahme setzt den defensiveren Kurs der EU in der Automobilpolitik fort, zu dem bereits Zölle auf chinesische Elektroautos gehören. Reifen werden damit zu einem weiteren zentralen Handelskonflikt, während die europäischen Entscheidungsträger die Folgen chinesischer Überkapazitäten für die heimische Produktion begrenzen wollen.
Chinesische Anbieter gewinnen Marktanteile
La Voz de Galicia zufolge entfallen mehr als 90% der importierten chinesischen Reifen auf das günstigste Marktsegment. Der betreffende europäische Reifenmarkt erzielte 2024 mit rund 330 Millionen Reifen einen Umsatz von mehr als 18 Milliarden Euro. Fast 93 Millionen Reifen kamen aus China. Damit erreichten chinesische Hersteller einen Marktanteil von 28%, verglichen mit 18% im Jahr 2021, wie von Carscoops übernommene Zahlen zeigen.
Spanien verdeutlicht das Tempo der Entwicklung. Nach von Vandal zitierten Daten des nationalen Verbandes der Reifenhändler und -importeure stiegen die spanischen Importe von Reifen für Pkw, SUV, Geländewagen und leichte Nutzfahrzeuge aus Asien 2025 um 11,9% auf 15.045.550 Stück. Chinesische Unternehmen lieferten 11.630.660 Reifen und damit 77% der Gesamtmenge.
Marken wie Lanvigator, Tracmax, Triangle und Goodride sind bei spanischen Werkstätten und Händlern immer häufiger vertreten. Ihr wichtigster Vorteil bleibt der Preis, besonders wenn Autofahrer ihre Wartungskosten senken wollen. Die neuen Zölle könnten diesen Vorteil mindern: Von La Voz de Galicia zitierte Berechnungen von Automobilwoche gehen von Mehrkosten für Verbraucher von 9 bis 16 Euro je Reifen aus.
Europäische Hersteller stehen unter Margendruck
Die wachsenden Importe aus Asien drängen etablierte Hersteller in höherwertige Segmente. Die iberische Michelin-Tochter steigerte ihren Umsatz um 1,9% auf 3,197 Milliarden Euro und den Absatz um 1%. Der Gewinn sank jedoch um 14,5% von 191,5 Millionen auf 163,7 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete seinen Fokus auf hochwertigere Reifen mit höheren Margen mit dem stärkeren asiatischen Wettbewerb im mittleren Segment.
Der Umsatz der spanischen Bridgestone-Tochter fiel 2024 um 2,4% auf 750 Millionen Euro. Der Gewinn brach um 59,5% von 43,4 Millionen auf 17,6 Millionen Euro ein. Das Unternehmen verwies auf handelspolitische Unsicherheit, Inflation, geopolitische Spannungen und extreme Wetterereignisse. Diese Faktoren hätten die Nachfrage nach Neureifen um 16% und den Markt für Gebrauchtreifen um 2% sinken lassen.
Bei Goodyear in Spanien sank der Umsatz um 4,8% auf 447 Millionen Euro und der Gewinn um 23,6% auf 2 Millionen Euro. Continental bildete eine Ausnahme: Trotz leicht rückläufiger Erlöse erhöhte die spanische Sparte ihren Gewinn um 21,4% von 7,8 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 9,5 Millionen Euro ein Jahr später. Die Zölle können europäischen Herstellern mehr Spielraum bei der Preisverteidigung geben, dürften sich jedoch je nach Unternehmen unterschiedlich auswirken und zugleich die Kosten für Händler, Flotten und Autofahrer erhöhen.