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EU-Nikotinsteuerreform erhöht Anpassungsdruck auf die Ukraine

Die Europäische Kommission schlägt vor, die Mindestverbrauchsteuer auf Zigaretten auf 215 € je 1.000 Stück anzuheben und Sätze für neuartige Nikotinprodukte einzuführen. Die Ukraine erreicht den bisherigen Mindestwert von 90 € erst 2028 und muss eine schnellere Angleichung gegen Risiken des illegalen Handels abwägen.

EU-Nikotinsteuerreform erhöht Anpassungsdruck auf die Ukraine

EU schlägt höhere Steueruntergrenze vor

Die geplante Überarbeitung der europäischen Vorschriften für Tabak- und Nikotinprodukte erhöht den Druck auf die Ukraine, ihre Gesetze im Zuge des Beitrittsprozesses schneller anzugleichen. Mezha zufolge betreffen die Änderungen neben der Besteuerung auch Herstellung, Verkauf und Vermarktung von Tabak- und Nikotinprodukten.

Im Juli 2025 schlug die Europäische Kommission eine Überarbeitung der Richtlinie 2011/64/EU über die Besteuerung von Tabakwaren vor. Eine zentrale Maßnahme würde die Mindestverbrauchsteuer auf Zigaretten von 90 € auf 215 € je 1.000 Stück erhöhen. Der Vorschlag sieht außerdem eine automatische Anpassung an die Inflation sowie neue Mindestsätze für Flüssigkeiten von E-Zigaretten, Tabakerzeugnisse zum Erhitzen und Nikotinbeutel vor.

Die Initiative reagiert auch auf die Verbreitung neuer Nikotinkategorien, die vom bestehenden Rahmen nicht einheitlich erfasst werden. Laut Mezha befürchten europäische Entscheidungsträger, dass Aromen, Produktgestaltung und Werbung E-Zigaretten, erhitzte Produkte und Nikotinbeutel für Kinder und Jugendliche zunehmend zugänglich machen.

Bestehende Regeln haben die Raucherquote gesenkt

Die Europäische Kommission veröffentlichte im April 2026 eine umfassende Bewertung der geltenden Kontrollen für Tabak und Nikotin. Danach sank die allgemeine Raucherquote in der EU von 28 % auf 24 %. Unter den 15- bis 24-Jährigen ging sie von 29 % auf 22 % zurück. Die tabakbedingte Sterblichkeit verringerte sich um 9 %.

Die Besteuerung wurde als eines der wirksamsten Instrumente eingestuft. Rund 40 % des Rückgangs der Raucherquote werden mit der Steuerpolitik verbunden, die Einzelhandelspreise erhöht und Produkte weniger erschwinglich macht. Zum umfassenderen Ansatz der EU gehören zudem Produktanforderungen sowie Beschränkungen für Werbung und Sponsoring.

Die Belastung für die öffentliche Gesundheit bleibt beträchtlich. Nach den von Mezha angeführten Zahlen verursacht Tabak in der EU jährlich etwa 700.000 Todesfälle. Eurostat schätzt die durchschnittliche Zahl gesunder Lebensjahre bei Frauen auf 63,3 und bei Männern auf 62,8. Tabak- und Nikotinkonsum gehören weiterhin zu den Faktoren, die diesen Zeitraum verkürzen.

Steuerlücke zur Ukraine könnte wachsen

Der derzeitige ukrainische Steuerplan orientiert sich am geltenden EU-Mindestwert und nicht am vorgeschlagenen Niveau. Nach dem ukrainischen Steuergesetzbuch soll das Land erst 2028 eine Verbrauchsteuer von 90 € je 1.000 Zigaretten erreichen. Falls die EU eine Untergrenze von 215 € beschließt, läge der geplante ukrainische Satz weit unter dem neuen Maßstab und der Zeitplan müsste erneut angepasst werden.

Das Thema reicht über die Gesundheitspolitik hinaus. Ein großer Steuer- und Preisunterschied zwischen der Ukraine und benachbarten EU-Märkten könnte stärkere Anreize für Zigarettenschmuggel schaffen. Mezha warnt, dass dies dem Ansehen der Ukraine in den Beitrittsgesprächen schaden und das Land als Quelle illegaler Tabakwaren erscheinen lassen könnte. Legale Hersteller, Händler und Einzelhändler wären zudem dem Wettbewerb unversteuerter Angebote ausgesetzt.

Das ukrainische Ministerkabinett hat ein nationales Programm zur Anpassung der heimischen Gesetzgebung an das EU-Recht beschlossen. Die Tabakkontrolle zählt darin zu den Prioritäten der öffentlichen Gesundheit. Regierung und Parlament müssen deshalb sowohl das Tempo der Steuererhöhungen für Zigaretten als auch die Regulierung von E-Zigaretten-Flüssigkeiten, erhitzten Tabakprodukten und Nikotinbeuteln prüfen.

Der Zeitpunkt ist wichtig, weil es sich bei den EU-Maßnahmen noch um Vorschläge und nicht um endgültige Steuersätze handelt. Die Ukraine muss sich auf einen möglicherweise wesentlich höheren Maßstab vorbereiten, ohne durch abrupte Änderungen Nachfrage vom legalen Markt in illegale Kanäle zu verlagern. Für Hersteller und Händler ist die Richtung klar: Steuern und regulatorische Anforderungen dürften steigen, während Rückverfolgbarkeit und Durchsetzung angesichts der Preisdifferenz zur EU wichtiger werden.

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