EU-Kontrollen: 67 Prozent der geprüften Inhibitor-Dünger verstoßen gegen Kennzeichnungsvorgaben
Marktüberwachungsbehörden in sechs EU-Mitgliedstaaten ließen 21 Düngemittel mit Nitrifikations- oder Urease-Inhibitoren prüfen. 14 Proben oder 67 Prozent erfüllten die Kennzeichnungsanforderungen nicht. Die Unternehmen müssen die Kennzeichnung korrigieren oder technische Unterlagen vorlegen.
Zwei Drittel der Düngemittel, die im Rahmen einer koordinierten Testkampagne der Europäischen Union beprobt wurden, erfüllten die Kennzeichnungsanforderungen der EU nicht. Das berichtet das polnische Agrarportal farmer.pl unter Berufung auf eine Pressemitteilung der Europäischen Kommission.
Die nationalen Behörden in Österreich, Belgien, Deutschland, Irland, Polen und Slowenien beauftragten Laboranalysen von 21 Düngemittelproben, die auf ihren Märkten verkauft werden. Vierzehn davon, also 67 Prozent, entsprachen nicht den Vorgaben: Auf den Etiketten fehlten entweder gesetzlich vorgeschriebene Angaben, oder die Menge der enthaltenen Nitrifikations- beziehungsweise Urease-Inhibitoren war falsch ausgewiesen.
Ablauf der Kontrollen
Die Düngemitteltests waren Teil einer EU-weiten Marktüberwachungskampagne mit dem Namen Joint Action on Compliance of Products 2025 (JACOP), die von der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (DG GROW) der Europäischen Kommission organisiert wird.
Die nationalen Behörden kontaktierten die für die nicht konformen Produkte verantwortlichen Wirtschaftsakteure, um die Ergebnisse zu besprechen. Sie verpflichteten die Unternehmen, entweder die fehlerhaften Kennzeichnungen zu korrigieren oder technische Unterlagen bereitzustellen, damit die Abweichungen in den Analyseergebnissen geprüft werden können, so farmer.pl.
Warum der Inhibitorgehalt ein regulierter Wert ist
Seit dem 1. August 2021 gilt in der Europäischen Union ein Verbot der Anwendung von Harnstoff in herkömmlicher granulierter Streuform, sofern das Produkt keinen Urease-Inhibitor oder keine biologisch abbaubare Umhüllung enthält. Die Einschränkung geht auf die NEC-Richtlinie der EU zurück und soll die Emission von schädlichem Ammoniak in die Atmosphäre begrenzen.
Der Inhibitor soll den Stickstoff länger pflanzenverfügbar halten, Auswaschung und Abschwemmung verhindern sowie Treibhausgasemissionen verringern. Die deklarierte Menge hat damit unmittelbare agronomische und ökologische Folgen für den Käufer.
Zu wenig Inhibitor kann bedeuten, dass mehr Stickstoff verloren geht, bevor die Pflanzen ihn aufnehmen können. Eine höhere Dosis als auf dem Etikett angegeben untergräbt das Vertrauen in die Dosierungsempfehlungen und erhöht das Risiko unnötiger Emissionen oder Nährstoffverluste. Eine falsche Kennzeichnung wirkt sich somit in beide Richtungen negativ aus.
Welche Unterlagen Hersteller vorhalten müssen
Die Kommission erinnert daran, dass Hersteller sicherstellen müssen, dass der Inhibitorgehalt den deklarierten Werten entspricht. Vor dem Inverkehrbringen müssen sie über Folgendes verfügen:
- technische Unterlagen zum Produkt;
- eine Konformitätserklärung (DoC);
- Informationen zu Gesundheit und Sicherheit;
- eine eindeutige Bezeichnung des Produkts in der Konformitätserklärung zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit.
Normen und neue Etikettenvorgaben in Arbeit
Die Kommission setzt ein Projekt zur Erarbeitung von rund 120 Normen für Düngeprodukte in der EU um, mit einem Gesamtbudget von 10 Millionen Euro. Ziel sind harmonisierte Normen für Düngemittel mit CE-Kennzeichnung, die Sicherheit, Qualität und die Einhaltung der Umweltvorschriften in der gesamten Union gewährleisten. Zudem laufen Arbeiten zur Aktualisierung der Leitlinien für die Gestaltung von Düngemitteletiketten in der EU.
Wer Dünger mit CE-Kennzeichnung für den landwirtschaftlichen Betrieb oder den Garten kauft und Zweifel an der Sicherheit oder Rechtskonformität hat, kann sich an die nationale Marktüberwachungsbehörde wenden, so die Kommission; solche Meldungen helfen den Behörden, Risiken zu erkennen und zu beseitigen. Zudem wird an die Einhaltung der Anwendungs- und Lagerhinweise erinnert.