EU-ETS-Reform eröffnet Förderweg für Biodünger und findet Zustimmung bei Polens Wärmebranche
Die Europäische Kommission will mindestens 50 % der ETS-Auktionserlöse für prioritäre Investitionen wie industrielle Dekarbonisierung, erneuerbare Energien und Kreislaufprodukte vorsehen. Polens Fernwärmebranche begrüßt die Richtung, während Landwirtschaft und Biogassektor neue Finanzierungschancen erhalten könnten.
Kommission lenkt ETS-Einnahmen neu
Die Europäische Kommission hat Änderungen am EU-Emissionshandel vorgeschlagen, durch die deutlich mehr Einnahmen aus dem CO₂-Markt in die Dekarbonisierung der Industrie fließen könnten. Zugleich entstehen mögliche neue Finanzierungswege für biobasierte Düngemittel. Polens Fernwärmebranche bewertet die Richtung des Pakets zunächst positiv, sieht jedoch mehrere eigene Forderungen nicht berücksichtigt.
Nach Angaben von Farmer.pl flossen bislang nur rund 5 % der ETS-Einnahmen direkt in die Dekarbonisierung von Branchen wie Stahl, Chemie und Düngemittel, obwohl die Industriesektoren etwa 47 % der vom EU ETS erfassten Emissionen verursachen. Der Vorschlag verpflichtet die Mitgliedstaaten, mindestens 50 % der Auktionserlöse für festgelegte Prioritäten einzusetzen. Dazu zählen die industrielle Dekarbonisierung, erneuerbare Energien, die Kreislaufwirtschaft sowie Märkte für emissionsarme und biobasierte Produkte.
Biodünger erhalten einen möglichen Finanzierungsweg
Die Reform nennt Gärreste nicht ausdrücklich und sieht für sie keine eigene Förderung vor. Farmer.pl zufolge könnte der breitere Finanzierungsrahmen jedoch entsprechend aufbereitete Gärreste erfassen, sofern sie als organischer, biobasierter oder kreislauffähiger Dünger eingestuft werden. Gärreste entstehen bei der anaeroben Vergärung von Biomasse, Wirtschaftsdünger oder organischen Abfällen in einer Biogasanlage. Sie enthalten Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium und können deshalb als Düngemittel verwendet werden.
Eine Förderfähigkeit ergibt sich nicht automatisch. Die Vermarktung hängt vom eingesetzten Ausgangsmaterial, den Produkteigenschaften, dem Nährstoff- und Schadstoffgehalt sowie der Einhaltung von Hygiene- und Düngemittelvorschriften ab. Landwirte gelten als mögliche Nutznießer einer breiteren Anwendung, doch der Vorschlag führt keinen automatischen Kaufzuschuss ein. Die tatsächliche Wirkung wird von nationalen Programmen, Vergabebedingungen und Behördenentscheidungen in den einzelnen Mitgliedstaaten abhängen.
Wärmeversorger wollen berechenbarere CO₂-Preise
Der Vorschlag erweitert zudem die Investitionen, die aus dem Modernisierungsfonds unterstützt werden können. Mindestens 95 % seiner Einnahmen sollen laut Farmer.pl für festgelegte Zwecke verwendet werden. Für Polen als Mitgliedstaat mit niedrigerem Einkommen und hohem Transformationsbedarf könnte dies Biogasanlagen indirekt fördern, das Angebot an Gärresten erhöhen und Anlagen zur Verarbeitung biobasierter Dünger finanzieren. Der Entwurf garantiert jedoch keine Förderung eines bestimmten Betriebs oder Produkts.
Jacek Szymczak, Präsident der Polnischen Fernwärmekammer, sagte gegenüber Nettg.pl, die Branche bewerte die Reformrichtung positiv. Die Kammer unterstützt einen langsameren Abbau der Zertifikatsmenge, eine längere kostenlose Zuteilung, die Fortführung des Modernisierungsfonds und die Verknüpfung kostenloser Zertifikate mit Dekarbonisierungsplänen. Positiv sieht sie auch Änderungen an der Marktstabilitätsreserve, durch die bei starken Preissprüngen zusätzliche Zertifikate freigegeben werden könnten. Diese Maßnahmen könnten abrupte Preisbewegungen begrenzen. Die Kammer verlangt jedoch weiterhin eine längere kostenlose Zuteilung für Unternehmen mit Klimaneutralitätsplänen und den Ausschluss von Finanzinstituten aus dem Zertifikatehandel. Finanzinstitute dürfen seit 2018 Zertifikate kaufen, was nach Auffassung der Kammer zu höheren Preisen beiträgt.