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Steigende EU-Biokraftstoffnachfrage schafft Chancen für brasilianische Anbieter

Der Biokraftstoffverbrauch in der EU soll 2026 wegen strengerer Dekarbonisierungsvorgaben im Verkehr um 6 % steigen. Begrenzte europäische Produktionskapazitäten eröffnen Chancen für brasilianisches Ethanol und Biodiesel, doch strenge Nachhaltigkeitskriterien bleiben eine Markthürde.

Steigende EU-Biokraftstoffnachfrage schafft Chancen für brasilianische Anbieter

EU-Verbrauch soll um 6 % steigen

Die Europäische Union dürfte ihren Biokraftstoffverbrauch 2026 um 6 % erhöhen. Strengere Dekarbonisierungsziele im Verkehr treiben die Nachfrage nach Ethanol und erneuerbarem Diesel. Exame berichtet unter Berufung auf das US-Landwirtschaftsministerium, dass die europäische Produktion nur begrenzt mit dem Verbrauchswachstum Schritt halten kann. Dadurch dürfte der Importbedarf der EU zunehmen.

Nach Einschätzung des USDA wird Ethanol wegen seiner wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit weitere Marktanteile gegenüber Benzin gewinnen. Der Verbrauch von Diesel auf Biomassebasis soll 2026 um 2,8 % wachsen, nach einem geschätzten Plus von 4,1 % im Jahr 2025. Verschärfte Emissionsziele und erweiterte Vorgaben für nachhaltigen Flugkraftstoff, SAF, zählen zu den wichtigsten Treibern.

Klimavorgaben verändern den Kraftstoffmarkt

Nach der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II müssen die Mitgliedstaaten bis 2030 entweder den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr auf 29 % erhöhen oder die Treibhausgasemissionen des Sektors um 14,5 % senken. Diese Vorgaben fördern im Straßen- und Luftverkehr einen breiteren Markt für Kraftstoffe mit niedrigeren Emissionen über den gesamten Lebenszyklus.

Global Market Insights schätzt, dass der europäische Markt für saubere Kraftstoffe bis 2035 ein Volumen von rund 105 Milliarden $ erreichen könnte. Im selben Zeitraum soll der Biokraftstoffverbrauch von etwa 30 Milliarden auf 70 Milliarden Liter steigen. Bleibt die europäische Produktion begrenzt, werden Kraftstoffhändler, Raffinerien und Unternehmen mit Beimischungspflichten stärker auf verlässliche Importlieferungen angewiesen sein.

Brasilien trifft auf Chancen und Hürden

Brasilien gehört zu den weltweit größten Biokraftstoffproduzenten und stellt Ethanol sowohl aus Zuckerrohr als auch aus Mais her. Allein Inpasa destilliert laut Exame in seinen brasilianischen Betrieben jährlich 4,7 Milliarden Liter Maisethanol. Zudem exportierte das Land 2025 insgesamt 80 Millionen Liter Biodiesel im Wert von 98 Millionen $ nach Europa. Im Verhältnis zum erwarteten europäischen Verbrauch bleibt diese Menge gering. Wachstumspotenzial besteht, sofern die brasilianischen Produkte die EU-Vorschriften erfüllen.

Brasiliens Erwartungen stützen sich auch auf das Handelsabkommen zwischen Mercosur und EU sowie auf mögliche regulatorische Änderungen, die emissionsarmen Flüssigkraftstoffen eine Rolle sichern könnten. Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, das für 2035 geplante vollständige Verbot von Verbrennungsmotoren durch das Ziel zu ersetzen, die Emissionen gegenüber 2021 um 90 % zu senken. Dies könnte Raum für emissionsarme Kraftstoffe und in Brasilien etablierte Technologien wie Flex-Fuel-Fahrzeuge schaffen.

Der Marktzugang erfolgt jedoch nicht automatisch. Das Europäische Parlament schloss 2022 Kraftstoffe aus Soja aus und hielt unter Verweis auf die globale Ernährungssicherheit an der Obergrenze von 7 % für Biokraftstoffe aus Nahrungspflanzen fest. Die brasilianische Regierung und die Produzenten widersprechen dieser Bewertung. Sie argumentieren, dass die Verarbeitung von Mais und Soja gleichzeitig Kraftstoff und Futtermittelnebenprodukte liefert. Das dabei entstehende DDG wird an Rinder, Geflügel und Schweine verfüttert. Für brasilianische Produzenten und Händler hängen die Marktchancen daher nicht nur von Kapazität und Preis ab, sondern auch von Rückverfolgbarkeit, zulässigen Rohstoffen und der Einhaltung zunehmend strenger Umweltkriterien.

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