Eni und TotalEnergies stehen vor Investitionsentscheidung für Zyperns Cronos-Gasfeld
Eni und TotalEnergies wollen bis Ende Juli über die Entwicklung des Cronos-Gasfelds entscheiden. Ab 2028 könnte zyprisches Gas in Ägypten verflüssigt und als LNG vor allem nach Europa geliefert werden.
Partner nähern sich einem entscheidenden Projektmeilenstein
Eni und TotalEnergies stehen kurz vor einer endgültigen Investitionsentscheidung für das Erdgasfeld Cronos in der ausschließlichen Wirtschaftszone Zyperns, berichtet Pagenews.gr. Patrick Pouyanné, Vorstandsvorsitzender von TotalEnergies, erklärte, beide Unternehmen arbeiteten auf eine Entscheidung bis Ende Juli hin. Eine Genehmigung würde den Übergang in die Umsetzungsphase ermöglichen. Erste Gasmengen sollen ab 2028 auf die internationalen Märkte gelangen.
Das Feld wird von einem Gemeinschaftsunternehmen entwickelt, an dem Eni und TotalEnergies jeweils 50 % halten. Eni fungiert als Betreiber. Vor dem Start der vollständigen Entwicklung müssen die Unternehmen die wirtschaftliche Tragfähigkeit bestätigen, die technische Planung abschließen, das Investitionsvolumen bestimmen und Vereinbarungen über Förderung, Transport und Gasverkauf sichern. Die vorliegenden Quellen nennen weder die gesamten Entwicklungskosten noch eine Reservenschätzung.
Ägypten bietet einen bestehenden Zugang zum LNG-Markt
Der vorgeschlagene Entwicklungsplan sieht vor, Cronos-Gas über eine Unterwasserverbindung nach Ägypten zu transportieren. Dort soll es in vorhandenen Verflüssigungsanlagen verarbeitet und auf LNG-Tanker verladen werden. Die Ladungen sind hauptsächlich für Europa bestimmt. Die Nutzung ägyptischer Infrastruktur gilt als schnellste und wirtschaftlich realistischere Lösung, weil dadurch kein neues LNG-Terminal auf Zypern gebaut werden muss.
Laut Pouyanné könnte Cronos TotalEnergies Zugang zu rund 1,4 Millionen Tonnen LNG in Ägypten verschaffen, unweit des europäischen Marktes. Das Vorhaben unterstützt zudem Ägyptens langjähriges Ziel, sich als Energiedrehscheibe im östlichen Mittelmeer zu etablieren und neben eigenem Gas auch Mengen aus Nachbarländern zu verarbeiten. Für LNG-Käufer entstünde eine weitere geografisch nahe Bezugsquelle, während Europa seine Lieferbasis weiter diversifiziert.
Erster kommerzieller Absatzweg für zyprisches Gas
Eine kommerzielle Förderung aus Cronos wäre für Zypern ein bedeutender Schritt. Seit mehr als einem Jahrzehnt werden wichtige Gasvorkommen in der ausschließlichen Wirtschaftszone des Landes entdeckt, doch keines davon wird bislang kommerziell genutzt. Pagenews.gr zufolge könnte Cronos als erstes Projekt zyprisches Erdgas auf internationale Märkte bringen und das Land vom Besitzer unerschlossener Ressourcen zum aktiven Lieferanten machen.
Das Projekt würde auch die Zusammenarbeit zwischen Zypern, Ägypten und den beiden europäischen Energiekonzernen vertiefen. Erweist sich die Anbindung an ägyptische Anlagen als technisch und kommerziell tragfähig, könnte das Modell auf weitere Funde vor Zypern übertragen werden. Daraus könnte ein größeres Förder- und Transportnetz entstehen, das zyprische Felder mit der ägyptischen LNG-Exportinfrastruktur verbindet.
Zusätzliche Versorgung statt vollständiger Lösung
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 beschleunigte Europa die Abkehr von russischem Pipelinegas und erhöhte seine LNG-Importe. Cronos könnte diesen Markt um eine weitere Bezugsquelle ergänzen. Pagenews.gr weist jedoch darauf hin, dass zyprisches Gas allein den gesamten europäischen Bedarf nicht decken kann. Der Wert des Projekts liegt in zusätzlichen Mengen aus dem östlichen Mittelmeer, die über bereits vorhandene Infrastruktur bereitgestellt werden.
Die endgültige Investitionsentscheidung bleibt die entscheidende Hürde. Genehmigen Eni und TotalEnergies das Projekt im genannten Zeitrahmen, richtet sich der Fokus auf die Offshore-Entwicklung, die Unterwasserleitung und die kommerziellen Verträge für den LNG-Absatz ab 2028. Zypern erhielte seine erste funktionierende Gasexportkette, Ägypten zusätzliches Einsatzgas für seine Verflüssigungsanlagen und europäische Käufer eine weitere Bezugsoption mit vergleichsweise kurzer Seeroute.