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Energiepreise und Importe belasten Rumäniens Papierindustrie trotz 200 Millionen Euro Investitionen

Rumäniens Papier- und Pappehersteller verlieren Marktanteile, da Energie bis zu 35 % der Produktionskosten ausmacht und importiertes Verpackungspapier den Preiswettbewerb verschärft. Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro in den vergangenen zwei bis drei Jahren verhinderten nicht, dass die heimische Wellpappenrohpapierproduktion im ersten Halbjahr 2026 um mehr als 6 % sank.

Energiepreise und Importe belasten Rumäniens Papierindustrie trotz 200 Millionen Euro Investitionen

Verpackungsnachfrage erholt sich, heimische Papierproduktion sinkt

Rumäniens Papier- und Pappeindustrie verliert trotz Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro in den vergangenen zwei bis drei Jahren an Boden. Hohe Energiekosten und der Wettbewerb mit Importware belasten die heimischen Werke. Laut Economica.net zeigt sich die Kluft besonders deutlich bei Verpackungen: Die Nachfrage nach Wellpappe stabilisiert sich, während die inländische Produktion des dafür benötigten Rohpapiers zurückgeht.

Der Wellpappenmarkt wuchs im ersten Halbjahr 2026 um rund 0,5 % auf 235.192 Tonnen, obwohl der Umsatz leicht auf etwa 235 Millionen Euro sank. Nach einem Volumenrückgang von ungefähr 2 % im ersten Quartal erholte sich die Nachfrage im zweiten Quartal. Die heimische Produktion von Wellpappenrohpapier fiel im selben Sechsmonatszeitraum dagegen um mehr als 6 % auf 240.277 Tonnen.

Im Jahr 2025 war der Wellpappenmarkt um etwa 1,4 % auf 460.957 Tonnen geschrumpft, während der Markt für Wellpappenrohpapier um rund 1 % auf 494.540 Tonnen gewachsen war. Die negative Wende der rumänischen Papierproduktion im Jahr 2026 deutet darauf hin, dass die wieder anziehende Verpackungsnachfrage zunehmend von ausländischen statt von heimischen Werken bedient werden könnte.

Energie und Recyclingfasern entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit

ROMPAP-Präsident Paul-Henri Kohler sagte Economica.net, Energie mache je nach Werk und Zeitraum etwa 25–30 % der Produktionskosten aus; der Anteil könne auf nahezu 35 % steigen. Die Papierherstellung ist energieintensiv, und schwankende Preise erschweren sowohl die Produktionsplanung als auch Investitionsentscheidungen.

Ein weiteres Problem ist der Zugang zu Recyclingrohstoffen. Rund 94 % der Rohstoffe für Wellpappenrohpapier stammen aus Altpapier und gebrauchter Pappe. In der gesamten rumänischen Papierproduktion liegt der Anteil der eingesetzten Recyclingfasern bei mehr als 95 %. Dennoch werden über 30 % des in Rumänien gesammelten Materials exportiert, obwohl im Inland Recyclingkapazitäten vorhanden sind.

Die Altpapierausfuhren stiegen von rund 169.000 Tonnen im Jahr 2022 auf 250.000 Tonnen im Jahr 2025. Die Türkei gehört zu den wichtigsten Abnehmern. Rumänische Werke geraten damit von zwei Seiten unter Druck: Im Inland gesammelte Fasern verlassen das Land, während Fertigpapier in einem standardisierten, gut transportierbaren Segment zurückkehrt, in dem vor allem der Preis entscheidet.

Türkische Kapazitäten drängen auf einen stagnierenden europäischen Markt

Kohler zufolge suchen neue Kapazitäten in Europa und der Türkei Absatzmöglichkeiten auf einem stagnierenden europäischen Markt. Das nahe gelegene Rumänien ist daher ein attraktives Ziel. Die Türkei erhebt auf Verpackungspapierimporte einen Schutzzoll von 87 $ je Tonne, was etwa 20 % des Produktwerts entspricht, und kontrolliert zudem die Altpapierausfuhr, um die Rohstoffversorgung ihrer Werke zu sichern.

Rumänische Hersteller konkurrieren dagegen mit Importen aus Märkten, in denen andere Energiekosten, Umweltauflagen und binnenwirtschaftliche Schutzmaßnahmen gelten. Die heimische Herstellung von Wellpappe und Wellpappenverpackungen deckt weiterhin mehr als 90 % des rumänischen Bedarfs und bleibt der wichtigste Motor der Branche. Hygienepapier ist mit einer Jahreskapazität von mehr als 185.000 Tonnen die zweite Säule; der Umsatz dieses Segments blieb 2025 trotz eines leichten Aktivitätsrückgangs bei rund 1,5 Milliarden Lei.

Kostendruck kann verpackte Waren verteuern

Die industrielle Basis ist erheblich geschrumpft: Rumänien produziert keinen Zellstoff mehr, und mehr als 40 Papier- und Pappsorten, darunter Zeitungs-, Schreib- und Druckpapier, sind aus der heimischen Produktion verschwunden. Damit bleiben Verpackungen und Hygienepapier als wichtigste Segmente übrig.

Kohler warnte, dass ein Teil der höheren Herstellungskosten zwangsläufig entlang der Lieferkette auf die Preise verpackter Waren überwälzt werde. Ein weiterer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit würde außerdem die Importabhängigkeit und die Anfälligkeit für externe Lieferstörungen erhöhen. ROMPAP fordert staatliche Maßnahmen bei Energie, Altpapierzugang und Recycling, verlangt aber nach eigenen Angaben keinen Protektionismus, sondern vergleichbare und planbare Wettbewerbsbedingungen.

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