Enagás beantragt Genehmigung für 38 Kilometer lange Wasserstoffleitung in Biskaya
Enagás hat die Genehmigung für eine 67,995 Millionen Euro teure Wasserstoffleitung zwischen Muskiz, Arrigorriaga und dem Hafen Bilbao beantragt. Sie soll den geplanten 100-MW-Elektrolyseur von Petronor mit Spaniens Wasserstoffkernnetz und künftigen europäischen Korridoren verbinden.
Eine Verbindung für 67,995 Millionen Euro durch Biskaya
Enagás Infraestructuras de Hidrógeno hat beim spanischen Ministerium für den ökologischen Wandel, MITECO, die Genehmigung für eine 38.411 Meter lange Wasserstoffleitung zwischen Muskiz und Arrigorriaga mit einem Abzweig zum Hafen Bilbao beantragt. Ecosistema Startup beziffert die geplante Investition unter Berufung auf die Bekanntmachung im spanischen Amtsblatt sowie Berichte von Xataka und BilbaoHiria auf 67.995.147 Euro. Das Vorhaben wird im Dringlichkeitsverfahren bearbeitet, wodurch sich die Verwaltungsfristen halbieren. Eine Genehmigung liegt jedoch noch nicht vor.
Die Trasse durchquert elf Gemeinden in Biskaya: Abanto Zierbena, Arrigorriaga, Barakaldo, Bilbao, Ugao-Miraballes, Trapagaran, Santurtzi, Ortuella, Alonsotegi, Zierbena und Muskiz. Nach den BilbaoHiria zugeschriebenen Angaben sind 649 Grundstücke betroffen. Davon liegen 245 in Zierbena und 134 in Muskiz. Vorgesehen sind Wegerechte und zeitweilige Flächennutzungen; vollständiges Eigentum wird nur für die vier Ventilstationen benötigt.
Geplant ist ein Stahlrohr mit 30 Zoll Durchmesser, Epoxid-Innenbeschichtung und einem Betriebsdruck von 45 bis höchstens 94 Bar. Die im Amtsblatt genannten technischen Anlagen umfassen Ventilstationen in Muskiz, Zierbena, Barakaldo und Arrigorriaga, Glasfaserkabel, ein SCADA-Steuerungssystem und Korrosionsschutzstationen. Laut ABC soll der Bau je nach Abschnitt zwischen acht Monaten und einem Jahr dauern.
Verbindung von Industrieproduktion und Transportkorridoren
Industrieller Ausgangspunkt der Leitung ist der von Petronor geplante 100-MW-Elektrolyseur in der Raffinerie Muskiz. ABC zählt ihn zu den 124 Projekten für erneuerbaren Wasserstoff, die von der spanischen Regierung aus dem Aufbau-, Transformations- und Resilienzplan gefördert werden. Das Petronor-Projekt hat laut der Zeitung 160 Millionen Euro aus dem Programm erhalten.
Ohne Pipeline ließe sich der in der Raffinerie erzeugte Wasserstoff weitgehend nur in der näheren Umgebung nutzen. Die neue Verbindung würde den Transport zum Hafen Bilbao und perspektivisch in einen Korridor nach Amsterdam und in das Gebiet des Nordseekanals ermöglichen. Die Häfen Bilbao, Amsterdam und Duisburg, die baskische Energieagentur und weitere Partner unterzeichneten im April 2024 eine Absichtserklärung zur Entwicklung dieses Korridors, wie Offshore Energy und der Hafen Bilbao berichteten.
Der Abzweig nach Bilbao soll langfristig auch an H2Med angebunden werden. Enagás entwickelt dieses Netz zusammen mit REN aus Portugal, Teréga und NaTran aus Frankreich sowie OGE aus Deutschland. Die BarMar-Unterwasserleitung zwischen Barcelona und Marseille begann laut Europa Press am 16. Juli mit dem Front-End Engineering Design. Im Januar 2025 erhielt das Projekt 28 Millionen Euro aus der EU-Fazilität „Connecting Europe“. BarMar und die CelZa-Verbindung zwischen Celorico da Beira und Zamora sollen Energías Renovables zufolge 2032 in Betrieb gehen.
Nachfrage und Regulierung bleiben offen
BarMar ist mit einer Länge von rund 400 Kilometern und einer Jahreskapazität von 2 Millionen Tonnen geplant. Die rund 270 Kilometer lange CelZa-Verbindung ist für 750.000 Tonnen ausgelegt. Die Projektträger schätzen die Transportkosten von Spanien bis zur deutsch-französischen Grenze auf 0,60 bis 1 Euro je Kilogramm. Eine unverbindliche Marktabfrage erfasste 528 Projekte von 168 Unternehmen. Das zeigt breites Interesse, entspricht aber keiner fest kontrahierten Nachfrage.
Die Leitung in Biskaya ist einer von drei ersten Abschnitten im Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen die 59 Kilometer lange und 95,7 Millionen Euro teure Strecke Huelva-Aznalcázar für Moeves Hydrogen Valley sowie der 75 Kilometer lange, mit 98,6 Millionen Euro veranschlagte Abschnitt Caspe-Tivissa für das Catalina-Projekt in Teruel. Laut ABC benötigen die drei Vorhaben 389 Millionen Euro und gelten als europäische Projekte von gemeinsamem Interesse.
Spaniens nationaler Energie- und Klimaplan sieht bis 2030 eine Elektrolyseurleistung von knapp 12 GW vor, vor allem für industrielle Anwendungen. Die EU-Richtlinie RED III schreibt vor, dass erneuerbarer Wasserstoff bis dahin 42 % des industriell für nichtenergetische Zwecke verwendeten Wasserstoffs ausmacht. Vor Baubeginn können die Eigentümer der 649 betroffenen Grundstücke innerhalb von 15 Arbeitstagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt Einwände erheben. Zunächst gilt für die Leitung ein ausgehandelter Netzzugang ohne regulierte Vergütung aus dem Gassystem. Der wirtschaftliche Rahmen soll später an Spaniens Umsetzung des EU-Pakets für erneuerbare Gase und Wasserstoffmärkte angepasst werden.