Elektroautos führen Deutschlands Flottenmarkt, chinesische Marken gewinnen Vertrauen
Elektroautos erreichten im ersten Halbjahr 2026 einen Anteil von 30 % an den Neuzulassungen im deutschen Flottenmarkt und lagen erstmals vor allen anderen Antriebsarten. Deutsche Marken stellen noch drei Viertel der Flotten-E-Autos, doch 73 % der befragten Fuhrparkmanager bewerten neue Anbieter wie BYD und Xpeng als gleichwertig oder besser.
E-Autos übernehmen die Führung bei Neuzulassungen
Elektroautos kamen im ersten Halbjahr 2026 auf 30 % der Neuzulassungen im deutschen Flottenmarkt. Damit lagen sie erstmals vor allen anderen Antriebsarten. Bereits im November 2025 hatten sie Benziner, Diesel und Plug-in-Hybride überholt; seither hält der Vorsprung an. Das geht aus einer Dataforce-Studie im Auftrag der gemeinnützigen Initiative Klimaneutrales Deutschland hervor, die der WirtschaftsWoche vorab vorlag.
Inzwischen setzen 94 % der Unternehmen mit mehr als 50 Fahrzeugen mindestens ein Elektroauto ein. Als wichtigsten Grund für die Anschaffung nannten die Befragten wirtschaftliche Erwägungen, gefolgt von eigenen Nachhaltigkeitszielen. Gleichzeitig erklärten 54 %, dass sie ihre Flotten ohne Förderung und Regulierung langsamer oder gar nicht elektrifizieren würden.
Im gesamten Bestand der Unternehmensflotten, nicht nur bei Neuzulassungen, liegt der bundesweite Elektroanteil bei 24 %. Schleswig-Holstein erreicht mit 28 % den höchsten Wert, Sachsen-Anhalt mit 13 % den niedrigsten. Dataforce erwartet, dass ein breiteres Modellangebot und eine verbesserte Ladeinfrastruktur das Wachstum weiter fördern. Im privaten Neuwagenmarkt betrug der Elektroanteil im gleichen Halbjahr 33 %, wobei dieser Markt in der Vergangenheit stärker schwankte.
Deutsche Hersteller bleiben vorerst dominant
Rund drei von vier Elektroautos in deutschen Unternehmensflotten stammen derzeit von deutschen Marken. Allein VW erreicht 20 %, gefolgt von Skoda mit 15 %, BMW mit 12 %, Audi mit 11 % und Mercedes mit 7 %. Das beliebteste Modell ist der Škoda Enyaq vor dem VW ID.7 und dem VW ID.3.
Diese Position gerät jedoch unter Druck. Chinesische Konzerne halten bislang nur 6 % des Firmenflottenmarktes, wobei Volvo und Polestar aus dem Geely-Konzern einen wesentlichen Teil beitragen. Dennoch bewerten 73 % der 255 befragten Fuhrparkmanager neue Marken wie BYD oder Xpeng als gleichwertig oder besser als deutsche Hersteller. 44 % können sich vorstellen, künftig chinesische Fahrzeuge in ihre Flotte aufzunehmen.
Nach Angaben der WirtschaftsWoche beobachtet Mobilitätsberater Alexander Schuh ein starkes Interesse der Unternehmen an chinesischen Herstellern, auch wenn viele noch keine Kaufentscheidung getroffen haben. Als größte Hürde nennt er die teilweise schwachen Aftersales-Netze. Für Flottenbetreiber ist ein verlässlicher Wartungszugang zentral, und die etablierten Händlernetze deutscher Hersteller bleiben deutlich stärker. Größere Unternehmen prüfen außerdem mögliche geopolitische Risiken.
Regulierung und Betriebskosten bestimmen die Nachfrage
Die EU-Kommission plant verbindliche Elektrifizierungsziele für große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten und 50 Millionen Euro Umsatz. Nach dem noch verhandelten Vorschlag müssten ab 2030 54 % und ab 2035 95 % ihrer Neufahrzeuge emissionsfrei sein. Mehrere Mitgliedstaaten und der Verband der Automobilindustrie lehnen die Ziele ab. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen halten die Vorgabe für 2035 dennoch für realistisch.
Schuh zufolge sind Elektroautos bei einer Betrachtung der Gesamtkosten nicht mehr teurer als Verbrenner. Trotzdem nannten Fuhrparkmanager die Kosten nach der Reichweite als zweitwichtigstes Argument gegen E-Autos. Unternehmen betrachteten häufig nur die Leasingrate und ließen Betriebskosten, künftig steigende CO₂-Preise im Verkehr sowie mögliche Vorteile für Nachhaltigkeitsratings und Kreditkonditionen außer Acht, erklärte der Berater.
Praktische Hindernisse bleiben bestehen. Einige Unternehmen warten auf stärkere Stromanschlüsse für eigene Ladesäulen, andere stoßen auf Vorbehalte in der Geschäftsführung. Die Befragten kritisierten außerdem die Vielzahl der Lade-Apps und eine intransparente Preisgestaltung, einschließlich unterschiedlicher Regeln für Blockiergebühren. Gleichzeitig bauen BYD, Xpeng und MG ihre Vertriebsstandorte zügig aus. Im privaten Elektroautomarkt sank der Anteil deutscher Konzerne an den Neuzulassungen von 54 % im Jahr 2025 auf 38 % im ersten Halbjahr 2026. Außerhalb der Firmenflotten ist der Wettbewerbsdruck damit bereits deutlich größer.