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Hitze und Dürre treiben Deutschlands Kohlestromerzeugung an

Deutschlands Stromerzeugung aus Steinkohle stieg im Juli, weil Gas teuer war und Hitze sowie schwache Wasserkraft das europäische Angebot belasteten. Der Brennstoffwechsel schont Gas, erhöht aber Emissionen und schützt Verbraucher nicht vor höheren Großhandelspreisen.

Hitze und Dürre treiben Deutschlands Kohlestromerzeugung an

Kohle kehrt in den Erzeugungsmix zurück

Deutschland hat in einem von Hitze, Dürre und hohen Gaspreisen geprägten Sommer mehr Kohlestrom erzeugt. Focus berichtete, die Kohlenutzung nehme seit mehreren Wochen zu, weil das heiße Wetter das Stromsystem belaste; auf Verbraucher könnten höhere Kosten zukommen. Von Inercomp veröffentlichte Marktdaten zeigen, dass die deutsche Steinkohleverstromung im Juli gegenüber dem Vormonat um 22% auf 1.839 GWh stieg.

Der unmittelbare wirtschaftliche Auslöser war die wachsende Kostendifferenz zwischen Kohle- und Gaskraftwerken. Laut Inercomp weitete sich der Clean Dark Spread, also die Marge eines Kohlekraftwerks nach Brennstoff- und CO₂-Kosten, von etwa 5 €/MWh Ende Juni auf rund 28 €/MWh Ende Juli aus. Der entsprechende Clean Spark Spread für Gaskraftwerke blieb bei ungefähr minus 5 €/MWh. Gas bestimmte dennoch weiterhin den Grenzpreis am Strommarkt.

Dürre verengt die regionale Strombilanz

Hitze und niedrige Flusspegel verstärkten den Brennstoffpreiseffekt. Inercomp führte die höhere thermische Erzeugung auf hitzebedingte Einschränkungen bei Kernkraftwerken und eine schwache Laufwasserkrafterzeugung zurück. Eine von pv magazine veröffentlichte Analyse ergab, dass sieben von der Dürre betroffene europäische Stromsysteme zwischen April und Juli rund 13 TWh oder ein Fünftel weniger Wasserkraft produzierten als im Durchschnitt der Jahre 2019-2025.

Der modellierte Rheinabfluss bei Lobith sank nach derselben Analyse von 81% des Durchschnitts der Jahre 2019-2025 im April auf 37% im Juli. Niedrigwasser begrenzt die Beladung von Binnenschiffen und verteuert Kohletransporte. Die Daten zeigten jedoch keinen klaren direkten Zusammenhang zwischen Rheinabfluss und deutscher Kohleverstromung. Kraftwerke konnten offenbar Lagerbestände und Bahntransporte nutzen, sodass sich der Engpass zunächst in höheren Logistikkosten und nicht in geringerer Erzeugung zeigte.

Gaspreise schlagen auf Strom durch

Inercomp zufolge stieg der deutsche August-Stromkontrakt von 98 €/MWh Ende Juni auf 134 €/MWh am 22. Juli und schloss den Monat bei 130 €/MWh. Damit lag er 72% über dem Vorkrisenniveau vom Februar. Von dem Anstieg um 32 €/MWh seit Ende Juni entfielen bei einem angenommenen Wirkungsgrad eines Gaskraftwerks von 55% rund 31,5 €/MWh auf höhere Gaskosten. Der CO₂-Preis steuerte lediglich etwa 0,4 €/MWh zum Anstieg bei, machte bei 81 € je Tonne aber rund 30 €/MWh der Grenzkosten eines Gaskraftwerks aus.

Die Rückkehr der Kohle ändert nichts am erwarteten langfristigen Rückgang fossiler Stromerzeugung. Die Internationale Energieagentur rechnet für die EU mit einem Rückgang der Kohleverstromung um 4% im Jahr 2026 und 19% im Jahr 2027. Der Kohleanteil soll 2026 erstmals in diesem Jahrhundert unter 10% fallen. Die Gasverstromung dürfte 2026 um mehr als 1% und 2027 um 12% sinken. Für deutsche Versorger und Industriekunden zeigt der Sommer dennoch, dass Dürre, Brennstofflogistik und Gasverfügbarkeit Kohle vorübergehend wieder wettbewerbsfähig machen können – bei höheren Emissions- und Strompreisrisiken.

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