Dürre senkt Maiserträge in der Normandie um bis zu 70 %
Die Landwirte in der Normandie haben wegen Hitze und anhaltender Dürre rund einen Monat früher mit der Silomaisernte begonnen. Ertragsverluste von bis zu 70 % bedrohen die Futterversorgung, die Milchproduktion und die Bestandsgrößen im Winter.
Silomaisernte beginnt einen Monat früher
In der Normandie hat die Maisernte außergewöhnlich früh begonnen. Sommerhitze und Dürre beschleunigten die Reife, hinderten die Pflanzen aber daran, ihre normale Größe zu erreichen. France 3 Régions berichtet, dass die Landwirte bereits im August Silomais ernten, rund einen Monat früher als üblich. Auf einzelnen Flächen erreichen die Ertragsverluste 70 %.
In Saint-Denis-de-Méré im Département Calvados setzte Milchviehhalter Max Vié seinen Feldhäcksler ab dem 14. August ein. Normalerweise findet die Ernte um den 20. September statt. Eine Silierung Mitte August habe er noch nie erlebt. Auch die Pflanzenhöhe zeigt das Ausmaß: Gesunder Mais kann 3 Meter erreichen, während die verbliebenen Pflanzen auf betroffenen Feldern höchstens 1,20 Meter hoch waren.
Nach Angaben der Landwirte kam das Pflanzenwachstum nach starker Hitze ab Ende Mai weitgehend zum Stillstand. Ab Juni fiel in der Normandie kein Regen, obwohl der Mais eine Entwicklungsphase mit entscheidendem Wasser- und Mineralstoffbedarf erreicht hatte. Laut France 3 Régions wurden an manchen Junitagen mehr als 41 °C gemessen; bereits oberhalb von 38 °C wird die Photosynthese des Maises beeinträchtigt. Viele Kolben verbrannten, die übrigen blieben klein und nährstoffarm.
Futtermangel bedroht die Milchproduktion
Der Verlust an Pflanzenmasse ist nur ein Teil des Problems. Schlecht entwickelter Mais enthält weniger Stärke, die als Energiequelle für den Körperzustand der Rinder und eine stabile Milchleistung unverzichtbar ist. Die im Sommer erzeugte Silage versorgt die Milchkühe normalerweise im Winter. Nun sind sowohl Futtermenge als auch Futterqualität gesunken.
Die von France 3 Régions befragten Landwirte erwarten die größte Belastung im Januar oder Februar, wenn manche Betriebe ihre Futtervorräte vollständig aufgebraucht haben könnten. Der Zukauf von Ergänzungsfutter ist möglich, doch eine starke Nachfrage in ganz Frankreich und die geringe Verfügbarkeit von Raufutter dürften die Preise erhöhen. Selbst Mais mittlerer oder schlechter Qualität könnte teuer werden, falls Verkäufer Ware in Erwartung einer weiteren Verknappung zurückhalten.
Milchviehbetriebe müssen sich damit zwischen einer geringeren Milchleistung mit Einnahmeverlusten und einer stabilen Produktion durch teures Zukauffutter entscheiden. Besonders gefährdet sind Betriebe, deren Liquidität bereits angespannt ist. Vié fordert höhere Abnahmepreise der Molkereien, damit Landwirte zusätzliches Futter finanzieren können. Über eine solche Erhöhung wurde jedoch nicht berichtet.
Bestandsabbau und alternative Kulturen
Wird Futter unbezahlbar oder ist es nicht verfügbar, könnten einige Rinderhalter Tiere schlachten lassen. Das bringt kurzfristig Liquidität, schwächt aber die künftige Produktionskapazität. Ein breiterer Bestandsabbau könnte das regionale Milchaufkommen über den kommenden Winter hinaus belasten. Die wirtschaftlichen Folgen der Dürre würden damit länger anhalten als der unmittelbare Ernteausfall.
Die Landwirte erwägen schnell wachsende Zwischenfrüchte, die Ende August oder Anfang September gesät und im Oktober geerntet werden. Sie könnten einen Teil, aber nicht den gesamten Maisausfall ersetzen. Dafür wären ergiebige Niederschläge nötig, denn die Böden bleiben extrem trocken. Langfristig könnten Saattermine und Sorten verändert werden. Die Landwirtschaftskammer der Normandie testet bereits hitzeresistenteren Sorghum, doch die Erzeuger rechnen auch künftig in manchen Jahren mit geringerer Produktion.