Dürre in Bosnien bedroht Ernten, Milchversorgung und Lebensmittelpreise
Extreme Hitze und geringe Niederschläge haben in Bosnien und Herzegowina Mais, Obst und Gemüse geschädigt. Gemüse könnte 10 bis 20 % teurer werden als bisher erwartet; Landwirte warnen zudem vor Engpässen bei einzelnen heimischen Lebensmitteln.
Zwei Hitzewellen schädigen die Agrarproduktion
Zwei Hitzewellen und fehlende Niederschläge haben der Landwirtschaft in Bosnien und Herzegowina erheblich zugesetzt. Damit steigen die Risiken höherer Lebensmittelpreise und eines geringeren Angebots einzelner heimischer Produkte. Radiosarajevo.ba berichtet unter Berufung auf BHRT, dass die größten Probleme bei Mais, Obst und Gemüse aufgetreten sind.
Nach Angaben der Landwirte ist der Freilandanbau bei hohen Temperaturen und Wassermangel außerordentlich schwer aufrechtzuerhalten. Das gesamte Ausmaß der Schäden wird erst nach Saisonende und der abschließenden Bewertung der Betriebe und Kulturen feststehen. Erzeuger, Verarbeiter und Einzelhändler bleiben deshalb über Menge und Qualität der heimischen Ernte im Unklaren.
Maisschäden belasten Tierhaltung und Milchproduktion
Schäden an Körner- und Silomais betreffen nicht nur den Pflanzenbau, denn Silage ist ein wichtiges Futtermittel. Nedžad Bićo, Präsident des Bauernverbandes der Föderation Bosnien und Herzegowina, bezeichnete die Lage bei Mais, Obst und Gemüse als schlecht. Auch die Tiere litten bereits unter Hitzestress.
Der gleichzeitige Druck auf Futterpflanzen und Nutztiere könnte Milch und weitere tierische Erzeugnisse treffen. Der Bericht enthält keine Schätzungen zu Verlusten in Tonnen, zur Milchmenge oder zur Zahl betroffener Tiere. Milch zählt jedoch neben Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln zu den Produkten, bei denen Preissteigerungen erwartet werden. Milchviehbetriebe stehen damit vor einem doppelten Risiko: Die Hitze belastet die Tiere direkt, während geringere Mais- und Silageerträge das heimische Futterangebot einschränken.
Gemüse könnte 10 bis 20 % teurer werden als erwartet
Von Radiosarajevo.ba zitierte Branchenschätzungen gehen davon aus, dass Gemüsepreise 10 bis 20 % über den bisherigen Erwartungen liegen könnten. Verbraucher beobachten bereits deutliche Preisunterschiede zwischen Wochenmärkten und anderen Verkaufsstellen. Einige kaufen bestimmte Produkte zunehmend in Einkaufszentren, weil sie dort günstiger angeboten werden.
Landwirte warnen außerdem vor möglichen Engpässen bei einzelnen heimischen Produkten. Der Bericht nennt weder die am stärksten gefährdeten Waren noch die Größe einer möglichen Versorgungslücke. Das Ergebnis hängt vom weiteren Saisonverlauf und der endgültigen Schadensbilanz ab. Eine niedrigere lokale Produktion würde jedoch Großhändler, Verarbeiter und Einzelhändler um ein kleineres heimisches Angebot konkurrieren lassen.
Europäische Preise bestimmen die Reaktion des Marktes
Importe könnten einen Teil der inländischen Ausfälle ersetzen, schützen Bosnien und Herzegowina aber nicht vor höheren Kosten. Radiosarajevo.ba weist darauf hin, dass Entwicklungen am europäischen Lebensmittelmarkt über die Importpreise direkt auf den Binnenmarkt wirken. Das Angebot in Nachbarländern und im übrigen Europa entscheidet somit mit darüber, wie leicht Käufer fehlende bosnische Mengen ersetzen können.
Für die Erzeuger geht es zunächst darum, Kulturen und Tiere trotz anhaltender Hitze und knappen Wassers zu erhalten. Händler und Einzelhändler müssen alternative Bezugsquellen sichern, ohne den Preisdruck übermäßig zu verstärken. Bis zum Ernteende und zur Ermittlung der tatsächlichen Verluste dürften die Folgen je nach Produkt und Vertriebskanal unterschiedlich ausfallen.