Dürre senkt Europas Getreideprognose, schwacher Monsun gefährdet Indiens Winterkulturen
Hitze und Dürre haben Europas Produktionsprognose für Weizen, Mais und Gerste um 16,7 Millionen Tonnen gesenkt. Indien erlebte zugleich den schwächsten Monsun seit 2015; hohe staatliche Vorräte begrenzen das nationale Versorgungsrisiko, doch niedrige Wasserstände gefährden die Rabi-Aussaat.
Europas Getreideprognose sinkt um 16,7 Millionen Tonnen
Hitze und Dürre zwischen Juni und September haben Europas erwartete Produktion von Weizen, Mais und Gerste um 16,7 Millionen Tonnen reduziert, berichtet Lokmat News unter Berufung auf Berechnungen der Energy and Climate Intelligence Unit. Zu aktuellen Preisen entspricht das rund 3,2 Milliarden Euro. Die Zahl beschreibt eine Abwärtskorrektur der Produktionsprognosen und keine abschließende Erhebung der tatsächlichen Verluste in den Betrieben.
Westeuropa erlebte im Sommer Rekordhitze. Die hohen Temperaturen beeinträchtigten die Kornfüllung bei Weizen und die Bestäubung von Mais; zudem wurde die Maisfläche in mehreren Gebieten verkleinert. In England und Wales war der Juli der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. Zusammen mit der Hitze im Mai und Juni dürfte dies die britische Getreideproduktion um etwa 3 Millionen Tonnen verringert haben. Ohne die Aufwärtskorrekturen für Rumänien, Bulgarien, Polen und Schweden steigen die geschätzten Verluste in West- und Mitteleuropa auf 4,1 Milliarden Euro.
Indien verzeichnet schwächsten Monsun seit 2015
Indiens Niederschläge während des Südwestmonsuns von Juni bis September lagen 12,6 % unter dem langfristigen Durchschnitt. Damit war die Saison 2026 laut Lokmat News die schwächste seit 2015. Südindien erreichte 76 % und Ostindien 74 % des jeweiligen langjährigen Mittels. In Ost- und Nordostindien fiel so wenig Regen wie seit 1901 in keiner entsprechenden Saison. Längere Trockenperioden in Maharashtra und Karnataka erhöhen die Unsicherheit über die endgültigen Erträge.
Auch die Reservoirzahlen zeigen eine knappere Wasserverfügbarkeit, wobei die Berichte unterschiedliche Stichtage und Messgrößen verwenden. Lokmat News zufolge waren die Reservoirs Südindiens am 24. September zu rund 50 % ihrer nutzbaren Kapazität gefüllt, verglichen mit 79 % landesweit. Whalesbook meldete später einen nationalen Stand von 71,84 % und deutliche Rückgänge in Maharashtra, Andhra Pradesh, Karnataka und Telangana. Dem Bericht zufolge erklärte Maharashtra in 265 Tehsils die Dürre und ordnete ab dem 16. Oktober eine Kürzung des Wasserverbrauchs für nicht notwendige Zwecke um 10 % an.
Vorräte begrenzen das nationale Risiko, regional wächst der Druck
Indien hat noch keine landesweite Schätzung vorgelegt, die wetterbedingte Ernteschäden in Tonnen oder Geldwert beziffert. Zu den verfügbaren Indikatoren gehören das Niederschlagsdefizit, kleinere Anbauflächen einzelner Kulturen und vorläufig gemeldete Schäden auf rund 611.000 Hektar. Das Ziel für die Nahrungsgetreideproduktion 2026-27 liegt bei 373,93 Millionen Tonnen und damit unter den 376,56 Millionen Tonnen von 2025-26. Für die Kharif-Saison gelten Ziele von 123,15 Millionen Tonnen Reis und 31,04 Millionen Tonnen Mais; endgültige Produktionsschätzungen sind dies nicht.
Die staatlichen Bestände schützen vor einer unmittelbaren nationalen Knappheit. Am 1. September umfasste der zentrale Pool rund 39,05 Millionen Tonnen Reis und 48 Millionen Tonnen Weizen, jeweils mehr als die vorgeschriebenen Pufferbestände. Das größere Risiko ist regional: Fehlende Bodenfeuchte und knappes Bewässerungswasser könnten die Rabi-Aussaat vor allem bei Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten einschränken. Sinkende Agrareinkommen könnten zudem die Nachfrage nach Traktoren, Motorrädern, Düngemitteln und Konsumgütern im ländlichen Raum schwächen. Weniger Wasserkraft kann die Abhängigkeit von thermischer Stromerzeugung erhöhen, während ein knapperes Ernteangebot die Lebensmittelpreise sowie Indiens Importbedarf oder Exportverfügbarkeit bei betroffenen Produkten verändern könnte.