Düngerpreise in Polen unter Druck: Gas plus 65 Prozent, Harnstoff plus 20 Prozent
Harnstoff hat sich binnen zwei Monaten um mehr als 20 Prozent verteuert, TTF-Gas um mehr als 65 Prozent, was die Produktionskosten für Stickstoffdünger in Polen erhöht, berichtet topagrar.pl. Zugleich fielen die Importe von Stickstoffdünger aus Nicht-EU-Ländern von Januar bis Juli auf 88.900 Tonnen nach 898.300 Tonnen im Vorjahreszeitraum. Für November und Dezember sieht das Portal ein deutlich höheres Risiko von Preisaufschlägen.
Die Düngerpreise in Polen dürften in den letzten Monaten des Jahres erneut unter Aufwärtsdruck geraten: Die Rohstoffkosten steigen, und die Einfuhren von Stickstoffdünger aus Ländern außerhalb der Europäischen Union sind auf einen Bruchteil des Vorjahresniveaus gefallen, berichtet das polnische Agrarportal topagrar.pl.
Harnstoff hat sich laut topagrar.pl in den vergangenen zwei Monaten um mehr als 20 Prozent verteuert, während die europäische Referenznotierung für Erdgas, TTF, im selben Zeitraum um mehr als 65 Prozent zulegte. Gas ist der wichtigste Rohstoff für Stickstoffdünger, höhere Notierungen schlagen daher unmittelbar auf die Ammoniakherstellung durch und von dort auf Harnstoff, Kalkammonsalpeter und die übrige Stickstoffpalette.
Aktuelles Preisniveau in Polen
Harnstoff mit Inhibitor kostet auf dem polnischen Markt im Mittel rund 2.800 bis 3.000 Zloty netto je Tonne, so topagrar.pl unter Verweis auf die eigene wöchentliche Preiserhebung, die das Portal seit mehreren Jahren für Polen, Europa und die Weltmärkte führt. In der jüngsten Woche legten die Preise für Ammoniumnitrat um rund 180 Zloty netto je Tonne zu. Auch Phosphatdünger verteuerten sich, was topagrar.pl auf die Lage am Schwefelmarkt zurückführt, einem zentralen Einsatzstoff dieser Produktion.
Das Portal betont, dass kein einzelner Faktor den Düngerpreis bestimmt. Die Kette reicht von Rohstoffen und Energie über Produktion, Transport und Wechselkurse bis zur Lage am Weltmarkt, darüber liegt die Geopolitik: Bewaffnete Konflikte und Transportstörungen können das Angebot an Rohstoffen und Fertigware verknappen und zugleich die Frachtkosten erhöhen. Schon eine scheinbar kleine Veränderung in einem Glied der Kette kann am Ende im Preis sichtbar werden, den der Landwirt beim Händler sieht.
Einbruch der Importe aus Drittstaaten
Die Angebotsseite hat sich stark verschoben. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres führte Polen laut topagrar.pl lediglich 88.900 Tonnen Stickstoffdünger aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ein, gegenüber 898.300 Tonnen im Vorjahreszeitraum, ein Rückgang um rund 90 Prozent. Die Inlandsnachfrage muss damit deutlich stärker aus europäischer Produktion gedeckt werden, die mit europäischen Gaskosten kalkuliert.
- Harnstoff: mehr als 20 Prozent höher binnen zwei Monaten
- TTF-Gas: mehr als 65 Prozent höher binnen zwei Monaten
- Harnstoff mit Inhibitor in Polen: rund 2.800 bis 3.000 Zloty netto je Tonne
- Ammoniumnitrat: rund 180 Zloty netto je Tonne höher binnen einer Woche
- Stickstoffdüngerimporte aus Nicht-EU-Ländern: 88.900 Tonnen von Januar bis Juli gegenüber 898.300 Tonnen im Vorjahr
In einem verwandten Beitrag beziffert topagrar.pl das Defizit im polnischen Düngerhandel auf einen Rekordwert von 1,76 Millionen Tonnen und 551 Millionen Euro.
Regulierung als Kostenfaktor
Auch regulatorische Faktoren prägen den europäischen Markt, merkt topagrar.pl an und verweist insbesondere auf den CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU, bekannt als CBAM, sowie auf geänderte Bedingungen für Düngerimporte aus Drittstaaten.
Ausblick auf November und Dezember
Im Marktkommentar von der Landtechnikmesse Agroshow rät topagrar.pl zur Vorsicht beim Warten auf deutliche Preisnachlässe. Für den kommenden Monat bis anderthalb Monate erwartet das Portal eine relative Stabilisierung mit nur geringen Schwankungen. Das Risiko von Preisaufschlägen sei im November und Dezember klar höher, getrieben von teurem Gas, steigenden Harnstoffnotierungen und begrenzten Importen von Stickstoffdünger aus Nicht-EU-Ländern.
Käufern wird geraten, nicht den gesamten Bedarf auf einmal zu decken. Die Einkäufe zu staffeln und den Markt zu beobachten bleibe sinnvoll, doch bei der aktuellen Faktorenlage liege das Risiko eher auf der Seite steigender Preise als deutlicher Rückgänge, so topagrar.pl. Wer weiß, dass er Dünger benötigt, und ihn zu einem akzeptablen Preis bekommen kann, habe nach Einschätzung des Portals wenig Grund, allein auf einen starken Preisrutsch zu warten.