Deutschland und Niederlande starten Wasserstoffleitungen, Spanien plant H2Med
Deutschland hat 400 Kilometer umgerüstete Leitungen für den Wasserstoffmarkt bereitgestellt, die Niederlande nahmen bei Rotterdam einen 32 Kilometer langen Abschnitt in Betrieb. Spanien bearbeitet für H2Med weiterhin Planung, Umweltprüfungen und Genehmigungen; gebaut werden soll von 2028 bis 2030.
Europas Wasserstoffnetze entwickeln sich unterschiedlich schnell
Deutschland und die Niederlande haben erste Abschnitte ihrer Wasserstoffnetze aktiviert, während Spanien die Planung für H2Med fortsetzt. Der vorgesehene Korridor soll die Iberische Halbinsel mit dem übrigen Europa verbinden. Die unterschiedlichen Projektphasen zeigen, dass die nationalen Programme trotz des Bedarfs an einem vernetzten europäischen Markt für erneuerbaren und CO2-armen Wasserstoff nicht im gleichen Tempo vorankommen.
Nach Angaben von 20minutos.es eröffnete Deutschland im Dezember 2025 einen 400 Kilometer langen Abschnitt seines nationalen Netzes für erneuerbaren Wasserstoff. Dafür wurden bisher für Erdgas genutzte Leitungen umgerüstet. Die Infrastruktur steht seither dem Markt zur Verfügung. Durch die Weiternutzung vorhandener Gasleitungen können Betreiber erste Transportkapazitäten schaffen, ohne sämtliche Trassen neu zu bauen.
Im Mai folgten die Niederlande mit der Aktivierung der ersten 32 Kilometer ihres nationalen Wasserstoffnetzes. Von 20minutos.es zitierte niederländische Medien berichteten, der Abschnitt könne erneuerbaren Wasserstoff zwischen verschiedenen Teilen des Rotterdamer Hafens transportieren. Der Standort bündelt Energieinfrastruktur, industrielle Nachfrage und maritime Lieferketten und ist deshalb wirtschaftlich bedeutsam.
Spanien bleibt in der Vorbereitungsphase
Der Bau des spanischen Netzes hat noch nicht begonnen. Der Gasinfrastrukturbetreiber Enagás, der für das nationale Rückgrat für erneuerbaren Wasserstoff zuständig ist, arbeitet an Planung, Umweltstudien und Genehmigungen. Die inländischen Korridore sollen durch 13 autonome Gemeinschaften verlaufen und bis zu 550 Kommunen berühren.
Mitte Juni schloss Enagás das öffentliche Beteiligungsverfahren nach Terminen in allen 13 Regionen in Murcia ab. Laut 20minutos.es begann das Verfahren im April 2024 in Kastilien-La Mancha und endete 15 Monate später in Murcia. Es sollte die geplanten Trassen erläutern und vor endgültigen Bauentscheidungen Rückmeldungen von Behörden, Unternehmen und Einwohnern einholen.
Der zum Start von H2Med vorgestellte Zeitplan sieht Planung, Umweltstudien und Genehmigungen für 2025 und 2026 vor. Für 2026 sind zudem Anträge auf Mittel aus der EU-Fazilität „Connecting Europe“ vorgesehen. Anlagen und Materialien sollen 2027 und 2028 beschafft werden. Der Bau ist für 2028 bis 2030 angesetzt, die Inbetriebnahme des Rückgrats für 2030.
BarMar nähert sich der Vorplanung
Die Unterwasserleitung BarMar zwischen Barcelona und Marseille ist ein zentraler Teil des Korridors. Im November 2025 abgeschlossene geophysikalische Untersuchungen bestätigten laut 20minutos.es die technische Machbarkeit der Meeresroute. Die Beteiligungsverfahren in Spanien und Frankreich sowie der Beginn der Vorplanung waren für 2026 vorgesehen. Enagás erklärt, das Projekt liege im Zeitplan.
Andere europäische Projekte könnten früher in Betrieb gehen. Frankreich will 2027 den ersten Abschnitt eines grenzüberschreitenden Wasserstoffnetzes nach Luxemburg starten. Frankreich bezeichnet das Gas als CO2-armen Wasserstoff, weil die Produktionspläne Kernenergie einschließen und nicht ausschließlich auf erneuerbarem Strom beruhen.
Die Infrastruktur bestimmt den Zeitplan für Verträge
Enagás-Chef Arturo Gonzalo bezeichnete Infrastruktur als unverzichtbar für einen europäischen Wasserstoffmarkt. Viele Verträge warteten auf geeignete Leitungen. Er verwies zudem auf Chinas ersten 1.000 Kilometer langen Abschnitt als Beleg dafür, dass der Netzausbau auch außerhalb Europas an Tempo gewinnt.
Für Produzenten auf der Iberischen Halbinsel entscheidet der H2Med-Zeitplan darüber, wann potenzielle Großmengen Industriekunden in anderen EU-Ländern erreichen können. Deutschland und die Niederlande verfügen nun über betriebsfähige Anlagen, doch die ersten Abschnitte schaffen allein noch keinen integrierten Markt. Spaniens Rolle als Produktionsstandort hängt deshalb davon ab, dass Inlandskorridore und BarMar zeitgleich mit Erzeugungsprojekten, Abnahmezusagen und den nachgelagerten Netzen fertig werden.