Deutschland hinterlegt bei der UN den Plan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis 2045
Berlin hat bei den Vereinten Nationen einen Fahrplan für den vollständigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas bis 2045 vorgelegt, präsentiert von Umweltminister Carsten Schneider in New York. 2024 deckten fossile Brennstoffe noch 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs, 98 Prozent des Mineralöls und 95 Prozent des Erdgases wurden für 76 Milliarden Euro importiert. Umweltverbände begrüßten den Plan und kritisierten zugleich die aktuelle Politik.
Deutschland hat bei den Vereinten Nationen seinen Plan vorgelegt, wie bis 2045 der komplette Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas gelingen soll. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) stellte das Papier am Rande der UN-Vollversammlung in New York vor, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtet. Das Bundeskabinett hatte die sogenannte Roadmap zuvor am Mittwoch beraten.
Eine Importrechnung von 76 Milliarden Euro
2024 stellten fossile Brennstoffe noch 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs, wie Schneider mitteilte. Im selben Jahr wurden 98 Prozent des Mineralöls und 95 Prozent des Erdgases importiert – beide Energieträger hängen damit fast vollständig an internationalen Liefer- und Preisbedingungen.
Die Gesamtkosten dieser Importe betrugen 2024 bereits 76 Milliarden Euro und sind seither wegen der Iran-Krise massiv gestiegen. Schneider begründete den Ausstieg zuerst mit der Anfälligkeit für Versorgungsschocks und den Kosten für die Haushalte und erst danach mit Klimapolitik.
- Anteil fossiler Brennstoffe am deutschen Energieverbrauch 2024: 65 Prozent
- Importanteil: 98 Prozent beim Mineralöl, 95 Prozent beim Erdgas
- Kosten der fossilen Energieimporte 2024: 76 Milliarden Euro
Warum Berlin 2045 für machbar hält
„Die Abkehr von fossilen Energien verbindet Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz miteinander“, erklärte Schneider in New York. „Unser Fahrplan soll international ein Zeichen setzen. Ich bin sicher, dass viele weitere Länder folgen werden.“
Der Minister verband die Kraftstoffpreise direkt mit den Haushaltsbudgets. „Jeder von uns merkt, wenn er Benzin oder Diesel tanken geht, wie sehr sich die Weltlage auf den Geldbeutel niederschlägt“, sagte er vor Journalisten und ergänzte, dies bedrohe die finanzielle Sicherheit vieler Menschen sowie vieler Unternehmen und sei wachstumshemmend. Zu den Lieferrouten für Öl sagte er: „Wenn die Lage an der Straße von Hormus darüber entscheidet, ob Menschen sich den täglichen Weg zur Arbeit noch leisten können, ist das kein guter Zustand. Wir müssen die Abhängigkeit von fossilen Energien überwinden und wir können sie überwinden.“
Den Umstieg und den Zeitplan bis 2045 hält Schneider für machbar. Er verwies auf den rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland, auf den Hochlauf der Elektromobilität und darauf, dass 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft wurden.
Internationaler Kontext und Kritik im Inland
Schon bei der Klimakonferenz 2023 in Dubai hatte die Weltgemeinschaft eine schrittweise Abkehr von Öl, Kohle und Gas beschlossen – wann und wie dies geschehen soll, wurde aber nicht näher präzisiert, auch nicht beim jüngsten Gipfel in Brasilien. Im April berieten 57 Staaten einschließlich Deutschland auf einer eigenen Konferenz, wie der Ausstieg konkret gelingen kann.
Die Umweltorganisationen BUND, Germanwatch und Greenpeace begrüßten den Ausstiegsfahrplan der Bundesregierung. „Deutschland zeigt mit dieser Ankündigung ein Lebenszeichen in der internationalen Klimapolitik“, lobte Greenpeace-Energieexpertin Mira Jäger. Sie beklagte zugleich, dass die Bundesregierung gleichzeitig die Ölbranche subventioniere, die Wärmewende ausbremse und den Ausbau der Erneuerbaren verlangsame.