Deutsche Aluminiumindustrie leidet unter schwacher Nachfrage und höheren Kosten
Die Hälfte der befragten deutschen Aluminiumunternehmen bewertete ihre Auftragslage im zweiten Quartal als schlecht oder sehr schlecht. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Produktion, während schwache Kernmärkte, steigende Kosten und knapper Aluminiumschrott die Branche belasteten.
Auftragslage unterscheidet sich deutlich nach Branche
Die deutsche Aluminiumindustrie blieb im zweiten Quartal 2026 unter Druck. Eine robustere Nachfrage aus spezialisierten Bereichen konnte die Schwäche der größten industriellen Absatzmärkte nicht ausgleichen. Laut Recyclingportal ergab die vierteljährliche Umfrage von Aluminium Deutschland, dass 50 % der teilnehmenden Unternehmen ihre aktuelle Auftragslage als schlecht oder sehr schlecht bewerteten. Weitere 30 % bezeichneten sie als saisonüblich, während 20 % von einer guten Lage sprachen.
Zwischen den Abnehmerbranchen zeigten sich erhebliche Unterschiede. Rund 70 % der Befragten im Luft- und Raumfahrtgeschäft bewerteten die Situation als gut. Im Verteidigungssektor waren es zwei Drittel und in der Verpackungsindustrie 63 %. In den volumenstarken Märkten war das Bild deutlich schwächer: 63 % bezeichneten die Lage im Automobilsektor als schlecht, im Bauwesen und Maschinenbau waren es jeweils 60 %. In der Elektrotechnik galt die Geschäftslage als saisonüblich oder befriedigend.
Auch die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf blieben gedämpft. Bis Ende 2026 rechnen 55 % der Unternehmen mit einer schwachen Kapazitätsauslastung. 20 % erwarten ein saisonübliches Niveau und 25 % eine gute oder sehr gute Auslastung. Ein begrenztes positives Signal kommt aus der Luft- und Raumfahrt, wo mehr als 40 % mit einer weiteren Verbesserung rechnen.
Produktion und Recyclingmengen sinken
Der vorsichtige Ausblick spiegelt sich in den Produktionszahlen wider. Die deutsche Herstellung von Aluminiumhalbzeugen sank im ersten Halbjahr 2026 um 2 % auf knapp 1,15 Millionen Tonnen. Im zweiten Quartal belief sich die Produktion auf 580.266 Tonnen, ein Rückgang um 3 %.
Das gesamte Recyclingvolumen ging im ersten Halbjahr ebenfalls um 2 % auf rund 1,36 Millionen Tonnen zurück. Im zweiten Quartal wurden 671.236 Tonnen erreicht, 2 % weniger als zuvor. Damit setzte sich der schleichende Abwärtstrend im Gesamtrecycling der vergangenen Jahre fort. Eine kleine Ausnahme bildeten die Refiner, deren Produktion im ersten Halbjahr um rund 4 % auf 253.400 Tonnen stieg.
Die Verfügbarkeit von Schrott erhöht den Druck auf die Recycler. 80 % der Unternehmen spüren eine Verknappung auf dem europäischen Markt für Aluminiumschrott. Hohe Schrottpreise wurden von 80 % als wesentliches Problem genannt, 50 % verwiesen auf die begrenzte Verfügbarkeit von Post-Consumer-Schrott und 45 % auf fehlenden Pre-Consumer-Schrott.
Geopolitik und Wettbewerb aus China erhöhen Risiken
Neue Kosten- und Lieferprobleme bringen die Unternehmen zudem mit den Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt in Verbindung. 85 % meldeten höhere Inputkosten für Rohstoffe und Vorprodukte, 65 % eine wachsende Verunsicherung ihrer Kunden und 40 % Störungen der Lieferketten. Für die kommenden Monate erwarten 65 % weitere Kostensteigerungen und 60 % zusätzliche Lieferengpässe. Bereits 70 % haben ihre Preise angepasst und 55 % ihre Lieferketten verändert.
Auch der internationale Wettbewerb bleibt ein zentrales Thema. Der Umfrage zufolge sehen 85 % China zumindest teilweise als Risiko für den Industriestandort Deutschland. Für 55 % überwiegen die Risiken deutlich gegenüber den Chancen. Preis- und Unterbietungswettbewerb nannten 90 %, unterschiedliche Umwelt- und Sozialstandards 65 % und Rohstoffabhängigkeiten 55 %. Fast ein Drittel befürchtet zudem Folgen für die Schrottversorgung.
Die Branche ist damit auf Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Verpackung als Stabilitätsanker angewiesen, während Automobilindustrie, Bauwesen und Maschinenbau stagnieren. Rob van Gils, Präsident von Aluminium Deutschland, forderte verlässliche energie- und industriepolitische Rahmenbedingungen sowie faire Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Märkten, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern.