DeepDrive erhält ersten Großserienauftrag und bereitet Produktion in China vor
DeepDrive aus München ist als Elektromotoren-Lieferant für ein Hochvolumen-Fahrzeugprojekt mit Serienstart 2028 nominiert worden. Das Unternehmen baut ein Team in Shanghai auf und plant eine lokale Fertigung in China, während Basisentwicklung und Innovation in Deutschland bleiben.
Serienproduktion soll 2028 beginnen
Der deutsche Elektromotorenentwickler DeepDrive ist erstmals als Großserienlieferant eines internationalen Fahrzeugherstellers nominiert worden. Damit wechselt das Unternehmen von der Technologieentwicklung in die industrielle Fertigung. Laut Auto Motor und Sport handelt es sich beim nicht genannten Kunden um einen führenden globalen Automobilhersteller; der Serienstart ist für 2028 vorgesehen.
DeepDrive bezeichnet den Auftrag als Hochvolumenprojekt mit mehreren Hunderttausend Einheiten über die gesamte Projektlaufzeit. Den Kunden, den Investitionsbedarf, die geplante Jahreskapazität und das zuerst eingesetzte Motorprodukt nennt das Unternehmen nicht. Der genaue kommerzielle Umfang und die Fahrzeuganwendung bleiben daher offen. Die Nominierung verschafft dem Münchner Unternehmen jedoch einen konkreten Zugang zur automobilen Großserie.
Doppelrotor-Technik erreicht den industriellen Maßstab
DeepDrive wurde 2021 in München gegründet und entwickelt elektrische Antriebssysteme mit einer patentierten Doppelrotor-Radialflussarchitektur. Dabei liegt der Stator zwischen einem inneren und einem äußeren Rotor. Nach Unternehmensangaben ermöglicht die Konstruktion ein hohes Drehmoment bei geringem Gewicht und niedrigen Kosten.
DeepDrive hat die Technik nach eigenen Angaben für drei Produktgruppen validiert: Generatoren, Radnabenmotoren und Zentralantriebe. Das Unternehmen arbeitet in allen drei Bereichen mit Kunden, verrät aber nicht, welches Produkt im neuen Programm eingesetzt wird. Mehrere Anwendungen können die Kundenbasis verbreitern. Jedes Produkt muss jedoch die Kosten-, Qualitäts- und Zuverlässigkeitsanforderungen der automobilen Großserie erfüllen.
Der Auftrag verändert auch die Rolle von DeepDrive in der automobilen Lieferkette. Der Schritt von Prototypen und Validierung zu einem Programm mit mehreren Hunderttausend Einheiten erfordert reproduzierbare Fertigungsprozesse, Lieferantenqualität und eine verlässliche Versorgung über den gesamten Fahrzeugzyklus. Zu den Investoren zählen BMW i Ventures, UVC Partners und Bayern Kapital; Leitmotif ist als Ankerinvestor beteiligt.
Shanghai-Team unterstützt lokale Fertigung
Als ersten Schritt seiner internationalen Expansion baut DeepDrive ein Team in Shanghai auf. Es soll Vertrieb und Projektumsetzung im chinesischen Markt verantworten und überwiegend aus lokalen Beschäftigten bestehen. Die China-Gesellschaft bleibt laut DeepDrive vollständig unter eigener Kontrolle und arbeitet eng mit dem internationalen Führungsteam zusammen.
Die Fertigung folgt dem Prinzip „lokal für lokal“ und soll möglichst nah an den Kunden stattfinden. DeepDrive arbeitet in China mit mehreren strategischen Partnern und will dort Generatoren, Radnabenmotoren und Zentralantriebe anbieten. Auto Motor und Sport berichtet, dass die erste Großserienproduktion in China erfolgt. Angaben zu Werk, Partner, Investitionsvolumen oder Kapazität fehlen bislang.
Entwicklung bleibt in München
Die China-Pläne werfen Fragen zum Technologietransfer auf, weil der Wettbewerbsvorteil von DeepDrive auf der Motorarchitektur und dem Fertigungswissen beruht. Das Unternehmen erklärt, dass sein Patentportfolio auch in China greift. Zusätzlichen Schutz soll die Entwicklungsgeschwindigkeit bieten: Die Ingenieure in Deutschland arbeiten bereits an der nächsten Motorengeneration.
München soll Unternehmenssitz sowie Zentrum für Basisentwicklung und Innovation bleiben. DeepDrive trennt damit Forschung und die Schaffung geistigen Eigentums in Deutschland von Kundengeschäft und lokalisierter Fertigung in China. Automobilhersteller erhalten eine lokale Versorgung in einem der weltweit größten Märkte für Elektrofahrzeuge. DeepDrive gewinnt Zugang zum industriellen Maßstab, muss dafür aber Partner, Produktion und geschützte Prozesse besonders eng kontrollieren.