Daimler Truck investiert mehrere Hundert Millionen Euro in Wasserstoff-Lkw
Daimler Truck will bis zum Ende des Jahrzehnts mehrere Hundert Millionen Euro in Wasserstoff-Lkw investieren. Ab Ende dieses Jahres soll eine Kleinserie von 100 Brennstoffzellenfahrzeugen in den Kundeneinsatz gehen und das batterieelektrische Angebot ergänzen.
Mehrere Hundert Millionen Euro für Wasserstoff-Lkw
Daimler Truck will bis zum Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, also mehrere Hundert Millionen Euro, in wasserstoffbetriebene Lkw investieren. Vorstandschefin Karin Rådström nannte die Pläne in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, das die Badische Zeitung veröffentlichte. Nach umfangreichen Investitionen in batterieelektrische Fahrzeuge soll Wasserstoff damit als zweiter Weg zur Dekarbonisierung des europäischen Straßengüterverkehrs etabliert werden.
Der Nutzfahrzeughersteller aus Leinfelden-Echterdingen verfolgt diese Doppelstrategie weiter, obwohl sich mehrere andere Automobilunternehmen aus der Wasserstofftechnik zurückziehen. Rådström zufolge betrachtet Daimler Truck Wasserstoff weiterhin als Teil der Lösung für einen emissionsärmeren Lkw-Verkehr in Europa. Batterieelektrische Lastwagen hat der Konzern bereits im Angebot, doch ihr Anteil am Gesamtabsatz ist noch gering. Wasserstoff-Lkw sind im kommerziellen Betrieb noch seltener.
Nutzlast, Reichweite und Tankdauer bestimmen den Einsatz
Den klarsten Anwendungsfall für Wasserstoff sieht Daimler Truck bei Betreibern, die eine höhere Nutzlast und größere Reichweiten benötigen. Zudem dauert das Tanken deutlich kürzer als das vollständige Laden einer Batterie. Brennstoffzellen-Lkw könnten deshalb für anspruchsvolle Fernstrecken interessant sein, besonders wenn eine hohe Fahrzeugauslastung wenig Spielraum für lange Ladepausen oder schwere Batteriepakete lässt.
Rådström bezifferte den Anteil dieser eindeutigen Einsatzfälle allerdings als eher gering. Bei vielen Transportaufgaben könnten beide Technologien sinnvoll sein. Die wirtschaftliche Entscheidung hängt stark von den Wasserstoff- und Strompreisen im jeweiligen Land sowie von der Verfügbarkeit von Ladepunkten, Wasserstofftankstellen und den nötigen Energienetzen ab. Daimler Truck rechnet außerdem mit Grenzen beim Ausbau der Strominfrastruktur. Das stützt aus Sicht des Unternehmens den Erhalt einer alternativen emissionsfreien Antriebstechnik.
Kundeneinsatz und Aufbau der Infrastruktur
Nach Tests mit Prototypen will Daimler Truck ab Ende dieses Jahres eine Kleinserie von 100 Wasserstofffahrzeugen in den Kundeneinsatz bringen. Ihre Brennstoffzellen erzeugen durch die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie. Der Einsatz ermöglicht Speditionen praktische Erfahrungen und liefert dem Hersteller Daten zu Leistung, Tankbedarf und Wirtschaftlichkeit unter realen Betriebsbedingungen.
Parallel versucht Daimler Truck, Fahrzeugentwicklung und Infrastrukturangebot miteinander zu verzahnen. Das Unternehmen kündigte eine Zusammenarbeit mit Konzernen aus Transport, Energie und Industrie an, um ein Wasserstoff-Ökosystem aufzubauen. Einzelheiten sollten in der darauffolgenden Woche auf einer Messe in Hannover vorgestellt werden. Dahinter steht ein Kernproblem der Branche: Lkw-Hersteller brauchen eine verlässliche Wasserstoffversorgung für den Fahrzeugverkauf, während Kraftstoffanbieter und Tankstellenbetreiber genügend Fahrzeuge benötigen, um ihre Investitionen zu rechtfertigen. Für Speditionen hängt der Erfolg der Strategie daher nicht nur von der Fahrzeugleistung ab, sondern auch von regionalen Energiekosten und dem Tempo beim Ausbau des Tankstellennetzes.