Côte d'Ivoire senkt Kakao-Erzeugerpreis um 60% und befeuert illegalen Handel
Côte d'Ivoire, der weltgrößte Kakaoproduzent, hat den Erzeugerpreis für die Zwischenernte 2025-2026 um fast 60% auf 1.200 F CFA je Kilogramm gesenkt. Jeune Afrique verbindet den Preissturz mit einem wachsenden illegalen Handel mit Bohnen. Abidjan verweist auf fallende Weltmarktpreise und unverkaufte Bestände.
Côte d'Ivoire, der weltweit führende Kakaoproduzent, hat den garantierten Preis für seine Bauern drastisch gesenkt und damit eine Lieferkette verunsichert, die die globale Schokoladenherstellung versorgt. Laut Jeune Afrique fällt der Preissturz mit dem Wachstum eines illegalen grenzüberschreitenden Bohnenhandels zusammen.
Erzeugerpreis um 60% gesenkt
Am 4. März senkte die ivorische Regierung den Erzeugerpreis ab Feld (prix bord champ) für die Zwischenernte 2025-2026 auf 1.200 F CFA (1,83 Euro) je Kilogramm, nach 2.800 F CFA seit Oktober, wie Jeune Afrique berichtet. Der Rückgang von fast 60% ist ungewöhnlich stark für ein Land, dessen Wirtschaft eng an die Kakaoeinnahmen gebunden bleibt, lokal als 'braunes Gold' bezeichnet.
Offiziell macht Abidjan den Einbruch der Weltmarktpreise und ein zunehmend untragbares Stabilisierungssystem verantwortlich. 'Das Stabilisierungssystem blieb widerstandsfähig. Doch der anhaltende Verfall des Kakaopreises auf dem internationalen Markt zwingt uns zu einer Anpassung', sagte Landwirtschaftsminister Bruno Koné laut Jeune Afrique. Das Blatt nennt zudem wachsende unverkaufte Bohnenbestände, Exporteure, die zum bisherigen Preis nicht kaufen wollen, und angespannte öffentliche Finanzen.
- Neuer Erzeugerpreis: 1.200 F CFA (1,83 Euro) je Kilogramm
- Bisheriger Preis seit Oktober: 2.800 F CFA je Kilogramm
- Rückgang: rund 60%
- Verkaufter Anteil der Ernte 2025-2026: 80%
Warum der Preismechanismus versagte
Jedes Jahr legt der Staat zu Beginn der Kampagne einen Ankaufspreis für die Produzenten fest, erklärt Estelle Maussion, stellvertretende Wirtschaftschefredakteurin von Jeune Afrique und Agrarwirtschaftsexpertin. Da diese Zahl aus den Verkäufen des Vorjahres berechnet wird, kann sie sich vom aktuellen Weltmarktpreis 'entkoppeln'. In einem rasch fallenden Markt wurde der Mechanismus untragbar. Baudelaire Mieu, Abidjan-Korrespondent des Blatts und Kakaospezialist, ergänzte, 'die Lage wurde für die öffentlichen Finanzen untragbar', und merkte an, dass einige Exporteure den Einkauf ganz eingestellt hätten.
Niedrige Preise nähren einen Schwarzhandel
Die Preislücke hat vor Ort Folgen. In einer separaten Reportage über Kakaoschmuggler beschreibt Jeune Afrique ein Klima der Angst unter den Beteiligten. 'Hier wird niemand mit Ihnen sprechen, die Leute haben zu viel Angst', sagte ein Anwohner namens Alexandre Niamien dem Blatt mit gesenkter Stimme. Ein Erzeugerpreis, der weit unter dem liegt, was Bohnen jenseits der Grenze erzielen, verstärkt den Anreiz, Ware an offiziellen Kanälen vorbeizuschleusen — ein strukturelles Risiko für die Rückverfolgbarkeit im Land mit dem größten Anteil am Weltkakao.
Ausblick für den Weltmarkt
Côte d'Ivoire gibt an, bereits 80% der Ernte 2025-2026 verkauft zu haben, obwohl lokale Händler in finanzielle Schwierigkeiten geraten, so Jeune Afrique. Der Sektor bleibt starker Preisvolatilität, dem wachsenden Einfluss des Klimawandels und ausstehenden EU-Regeln zur Entwaldung ausgesetzt. Kakaoexperte Antonie Fountain warnt, dass beide führenden Produzenten — Côte d'Ivoire und Ghana — vor zunehmenden Herausforderungen stehen. Für Importeure und Schokoladenhersteller erhöht die Mischung aus administriertem Preisschock, wachsenden Beständen und Abfluss in informelle Kanäle die Unsicherheit über die Lieferungen aus dem Ursprungsland, das die Weltproduktion dominiert.