Côte d’Ivoire führt Kakao-Rückverfolgung ein und baut lokale Verarbeitung aus
Côte d’Ivoire schreibt in der Kakaosaison 2026–2027 Erzeugerkarten für Transaktionen vor. Zugleich soll die jährliche Verarbeitungskapazität von 1,16 Millionen auf 1,34 Millionen Tonnen steigen; bis 2030 sollen 50 % der Ernte im Land vermahlen werden.
Erzeugerkarte wird verpflichtend
Côte d’Ivoire eröffnete die Kakaovermarktungssaison 2026–2027 am 1. September 2026 mit einem nationalen System, das Bohnen von der Plantage bis zum Export zurückverfolgen soll. Der Kaffee- und Kakaorat CCC schreibt die Erzeugerkarte für geschäftliche Transaktionen vor. Die mit einem Chip ausgestattete Karte soll Zahlungen absichern und jeden Verkauf mit Angaben zum Landwirt und zur liefernden Plantage verknüpfen.
Zum System gehören außerdem vorgesehene Säcke und Siegel, mit denen ivorischer Kakao verfolgt und zertifiziert wird. Nach Angaben der Agence Ivoirienne de Presse wickelten bis zum 17. September bereits 600 Genossenschaften sämtliche Käufe und Lieferungen über Erzeugerkarten ab. In den ersten beiden Saisonwochen liefen mehr als 50.000 Tonnen Bohnen durch das System. Allein vom 7. bis 13. September verkauften rund 38.000 Erzeuger etwa 26.000 Tonnen.
Die Rückverfolgung soll die Branche auch auf die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Produkten vorbereiten, die laut Futura am 1. Januar 2027 wirksam werden soll. Für Exporteure und Verarbeiter mit Europageschäft entsteht damit eine dokumentierte Kette von registrierten Flächen über Genossenschaftskäufe bis zu den Exportpartien. Der wirtschaftliche Nutzen hängt davon ab, ob Daten landesweit vollständig und einheitlich im großen Netz aus Bauern und Zwischenhändlern erfasst werden.
Erzeugerpreis fällt unter den Höchststand von 2025
Der garantierte Erzeugerpreis für 2026–2027 liegt bei 1.200 CFA-Franc je Kilogramm und damit auf dem Niveau der Zwischensaison vom März 2026. Er liegt jedoch deutlich unter den 2.800 CFA-Franc zu Beginn der Saison 2025–2026, als der internationale Markt noch vom Preissprung 2024–2025 geprägt war. Landwirtschaftsminister Bruno Nabagné Koné erklärte, nach den Schwierigkeiten der Vorsaison müsse der neue Preis finanziell und haushaltspolitisch tragfähig sein.
Côte d’Ivoire bleibt der weltweit größte Kakaoproduzent. CCC-Generaldirektor Yves Brahima Koné bezifferte die Ernte 2025–2026 auf 2,0 bis 2,1 Millionen Tonnen, nach 1,68 Millionen Tonnen im Jahr 2024–2025. Laut Futura erwirtschaftete die Branche 2025 rund 11,5 % des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigte direkt oder indirekt etwa 5 Millionen Menschen.
Kakao stand 2024 für ungefähr 35 % der ivorischen Exporte; allein mit Rohbohnen wurden 4 Milliarden $ erlöst. Diese Zahlen erklären, warum die Regierung Rückverfolgung und industrielle Verarbeitung parallel vorantreibt: Das erste Vorhaben sichert den Zugang zu regulierten Märkten, das zweite soll einen größeren Teil der Wertschöpfung im Land halten.
Verarbeitungskapazität steigt auf 1,34 Millionen Tonnen
Côte d’Ivoire vermahlte 2024–2025 rund 39 % seiner Kakaoernte im Inland und will den Anteil bis 2030 auf 50 % erhöhen. Im September 2026 lag die installierte Jahreskapazität bei 1,16 Millionen Tonnen. Neue Anlagen, die in der laufenden Saison erwartet werden, sollen sie laut Yves Brahima Koné auf 1,34 Millionen Tonnen steigern.
Zu den jüngsten Projekten gehört die zweite Mahlanlage des Staatsunternehmens Transcao CI in Akoupé-Zeudji, die im Juni 2025 mit einer Jahreskapazität von 50.000 Tonnen eröffnet wurde. Zusammen mit dem Werk in San Pedro stieg Transcaos Gesamtkapazität damit auf 100.000 Tonnen. Cacao SA nahm im August 2025 in Divo eine Anlage für 36.000 Tonnen in Betrieb. Ivory Cocoa Products erhielt im September 2026 zudem eine vierjährige Finanzierungslinie über 20 Millionen €, um Betriebskapital und den nachhaltigen Bohnenbezug für sein Werk in San Pedro mit 90.000 Tonnen Kapazität zu finanzieren.
Der Ausbau konzentriert sich weiterhin auf die Primärverarbeitung zu Kakaomasse, Kakaobutter und Presskuchen. Futura zufolge waren 2024 zwar 52 Unternehmen in der zweiten und dritten Verarbeitungsstufe tätig, doch nur CEMOI Chocolat arbeitete im industriellen Maßstab. Der nächste Engpass liegt deshalb bei Zutaten und Fertigwaren wie Schokolade, Aufstrichen und Frühstückspulver. Für Erzeuger, Genossenschaften und Verarbeiter wird die Saison zeigen, ob rückverfolgbare Lieferungen trotz des niedrigeren Garantiepreises eine höhere Werksauslastung und mehr lokale Wertschöpfung ermöglichen.