Coal India prüft Bauxitprojekte in Ghana und plant Handelsbüro in Singapur
Coal India prüft Bauxitprojekte in Ghana und treibt damit die Diversifizierung außerhalb des Kohlegeschäfts voran. Ein geplantes Büro in Singapur soll den Mineralienhandel und die Bewertung internationaler Rohstoffprojekte unterstützen.
Interesse an Ghana noch in einem frühen Stadium
Der staatlich kontrollierte indische Bergbaukonzern Coal India prüft Bauxitprojekte in Ghana und sucht damit nach Rohstoffanlagen außerhalb seines angestammten Kohlegeschäfts. Business Insider Africa zufolge wurden bislang weder eine bestimmte Mine noch eine Lagerstätte oder ein Unternehmen ausgewählt. Auch gibt es keine öffentlichen Hinweise auf Verhandlungen mit der ghanaischen Regierung. Es handelt sich daher um eine Sondierung und nicht um eine geplante Übernahme oder bestätigte Investition.
Die Initiative ist Teil der breiteren Diversifizierung des weltweit größten Kohleproduzenten. Nach Unternehmensangaben förderte Coal India im Geschäftsjahr 2025/26 insgesamt 768,19 Millionen Tonnen Kohle. Am 20. August lag der Börsenwert in Indien bei rund 26 Milliarden $, entsprechend 2,48 Billionen ₹.
Coal India hat bereits einen Eisenerzblock im indischen Bundesstaat Odisha erhalten und prüft Rohstoffanlagen in Chile, Kanada und Australien. Auf der Liste stehen Eisenerz, Lithium, Bauxit und Seltene Erden. Dies entspricht Indiens Ziel, Rohstoffe für Fertigung, erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge und Verteidigung zu sichern.
Büro in Singapur soll internationale Expansion stützen
Reuters berichtete unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen, Coal India habe mit der Registrierung seines ersten ausländischen Handelsbüros in Singapur begonnen. Die Niederlassung soll Rohstoffanlagen bewerten, Handelsgeschäfte abwickeln und Kontakte zu Ressourceneigentümern in Afrika und anderen Regionen aufbauen. Sie könnte auch künftige Übernahmen unterstützen, konkrete Ziele hat das Unternehmen jedoch nicht genannt.
Die internationale Expansion steht im Einklang mit Indiens Nationaler Mission für kritische Mineralien, die im Januar 2025 beschlossen wurde. Das Programm umfasst heimische Exploration, Verarbeitung, Recycling und den Erwerb ausländischer Mineralprojekte. Indiens bislang bedeutendster Auslandserfolg im Rahmen dieser Strategie ist eine Vereinbarung zur Exploration von fünf Lithiumblöcken mit insgesamt 15.703 Hektar in Argentinien.
Ein Standort in Singapur würde Coal India in einem etablierten Zentrum des Rohstoffhandels positionieren und eine Plattform für Projekte außerhalb des indischen Kohleportfolios schaffen. Welche Rolle der Konzern in Ghana anstrebt, ist noch offen: Denkbar sind ein Bergbauprojekt, eine Beteiligung an einer bestehenden Entwicklung oder der Zugang zu künftiger Bauxitproduktion.
Ghana setzt auf Verarbeitung im eigenen Land
Ghana verfügt nach Schätzung der staatlichen Ghana Integrated Aluminium Development Corporation über 920 Millionen Tonnen Bauxit, vor allem in Awaso, Nyinahin und Kyebi. Das Land besitzt derzeit keine aktive Raffinerie, die heimisches Bauxit zu Aluminiumoxid verarbeitet. Die Mine Awaso fördert jährlich etwa eine Million Tonnen für den Export, während die staatliche Volta Aluminium Company das für ihre Schmelzanlagen benötigte Aluminiumoxid importiert.
GIADEC will die Produktion in Awaso auf fünf Millionen Tonnen jährlich erhöhen und eine Raffinerie mit einer Jahreskapazität von rund 1,6 Millionen Tonnen Aluminiumoxid bauen. Gemeinsam mit dem ghanaischen Bergbauunternehmen Rocksure International plant die Gesellschaft zudem eine Mine und Raffinerie in Nyinahin-Mpasaaso. An einem separaten Projekt mit geschätzten 300 Millionen Tonnen Bauxit ist Metlen Energy & Metals beteiligt. Es könnte langfristig bis zu 10 Millionen Tonnen jährlich fördern und eine weitere Aluminiumoxidraffinerie versorgen.
Eine Beteiligung von Coal India müsste sich in Ghanas Plan für vier Minen, mindestens zwei Raffinerien und eine größere Aluminiumschmelzindustrie einfügen. GIADEC muss an neuen Gemeinschaftsunternehmen der integrierten Aluminiumindustrie mindestens 30 % halten. Diese Vorgabe und Ghanas Priorität für lokale Verarbeitung statt weiterer Rohbauxitexporte bestimmen die kommerziellen Möglichkeiten für Coal India und andere potenzielle Investoren.