Chromos beendet nach 106 Jahren die Farbenproduktion in Kroatien
Kansai Helios schließt die Chromos-Produktion in Zagreb und verlagert die Fertigung nach Slowenien und Serbien. Die meisten der rund 100 Beschäftigten am Standort Žitnjak dürften ihre Arbeit verlieren; in Zagreb bleibt nur das Vertriebsnetz.
Produktion wandert nach Slowenien und Serbien
Chromos, eine der bekanntesten kroatischen Marken für Farben und Lacke, stellt nach 106 Jahren die Produktion im Land ein. Wie Bljesak.info berichtet, hat der japanische Eigentümer Kansai Helios beschlossen, die Fertigung von Zagreb nach Količevo in Slowenien und Gornji Milanovac in Serbien zu verlagern. In Zagreb bleibt lediglich das Vertriebsnetz bestehen.
Die Entscheidung betrifft das Werk im Zagreber Stadtteil Žitnjak, das derzeit rund 100 Menschen beschäftigt. Die meisten von ihnen dürften ihre Arbeitsplätze verlieren. Kansai Helios beschäftigt in Kroatien weitere rund 60 Personen. Goran Dolenec, Geschäftsführer von Chromos boje i lakovi und Kansai Helios Croatia, bezeichnete Chromos in einer von Index.hr wiedergegebenen Medienmitteilung als Marke mit tief verwurzelter kroatischer Tradition, die auf jahrzehntelanger Arbeit der Beschäftigten beruhe.
Von der kleinen Werkstatt zum regionalen Chemiekonzern
Die Unternehmensgeschichte begann 1920 mit einer vom Großhändler Bernard Moster gegründeten Werkstatt zum Mischen von Farben. Rund 30 Beschäftigte produzierten im ersten Jahr etwa 500 Tonnen Farben und Lacke. 1923 entstand das Hauptgebäude der Fabrik. Bis 1940 wuchs die Belegschaft auf 162 Personen, die mehr als 1.800 Tonnen herstellten.
Ein weiterer Teil der Chromos-Tradition geht auf einen 1923 vom deutschen Unternehmen Springer-Moller in Samobor gegründeten Druckfarbenhersteller zurück. Dieser lieferte Druckfarbe für Zeitungen im gesamten früheren Jugoslawien. Der Betrieb in Samobor wurde 1947 mit dem damals Perunika genannten Zagreber Unternehmen zur Chromos Chemische Industrie Zagreb verschmolzen. Ein 1955 gegründetes Forschungsinstitut arbeitete an der Synthese von Polymeren.
Weitere Zusammenschlüsse mit Katran, Kutrilin und anderen Unternehmen machten Chromos zum führenden Produzenten seiner Art im früheren Jugoslawien. 1979 beschäftigte der Konzern rund 3.900 Menschen, produzierte etwa 180.000 Tonnen chemische Erzeugnisse und exportierte in rund 20 Länder, vor allem in die Sowjetunion. Mitte der 1980er-Jahre arbeiteten etwa 4.500 Menschen für Chromos, damals der größte Hersteller von Farben, Lacken, Kunststoffen und Harzen in der Region.
Privatisierung teilte den Industriekonzern
Bei der Privatisierung 1993 wurde Chromos in 16 eigenständige Unternehmen aufgespalten. Vier davon gingen später unter, mehrere andere sind mit unterschiedlichen Eigentümern weiterhin tätig. Chromos Tvornica smola gehört zur Scott Bader Group, während das eigenständige Chromos-Unternehmen in Samobor weiterhin Druckfarben herstellt. Zu den weiteren Nachfolgeunternehmen zählen Ireks Aroma, Chromos Argo, Katran, Kutrilin TPV, Komicro, Svjetlost und Hempel.
Chromos boje i lakovi wurde 2001 an den slowenischen Wettbewerber Helios verkauft. Der Kaufpreis blieb unbekannt, Medien bezifferten den Wert der verbliebenen Vermögenswerte jedoch auf 15 Millionen Euro. Durch den Erwerb der Anteile von Minderheitsaktionären übernahm Helios das Werk, die Marken und die Patente. 2017 verkaufte Ring International Holding Helios für 572 Millionen Euro an die japanische Kansai Paint.
Ein profitabler Hersteller wird zum Großhändler
Bljesak.info zufolge schloss Chromos boje i lakovi das jüngste Geschäftsjahr mit Gewinn ab. Dennoch wird aus dem kroatischen Hersteller durch die Schließung eine Großhandels- und Vertriebsgesellschaft, während Kansai Helios die Fertigung an anderen Standorten bündelt. Für den regionalen Markt für Beschichtungsstoffe bleibt die Versorgung aus den benachbarten Ländern Slowenien und Serbien erhalten. Kroatien verliert jedoch einen historischen Produktionsstandort, und in Zagreb fallen Industriearbeitsplätze weg.
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