Chinas Malzindustrie setzt bei wachsender Premiumbier-Nachfrage auf australische Gerste
Australien deckte im Geschäftsjahr 2025-26 insgesamt 67 % der chinesischen Gerstenimporte; 90 % der australischen Menge stammten aus Western Australia. Chinas Mälzereien erwarten, dass die jährlichen Braugerstenimporte von 4,5-4,7 Millionen Tonnen auf 5-5,5 Millionen Tonnen steigen, benötigen aber weitere Sorten mit geeigneten Protein- und Enzymwerten.
Australien dominiert Chinas Versorgung mit Importgerste
Chinas wachsendes Premiumbiersegment und sein Malzexportgeschäft erhöhen die Nachfrage nach australischer Braugerste, zugleich steigen die Anforderungen an Kornqualität und Sortenauswahl. Laut Stock & Land lieferte Australien im Geschäftsjahr 2025-26 insgesamt 67 % der chinesischen Gerstenimporte, Kanada die übrigen 33 %. Western Australia stellte 90 % der australischen Menge.
Zuojun (Jack) Wang, stellvertretender Geschäftsführer von Dalian Xingze Malt, sagte auf dem Gerstenforum der Grains Industry Association of Western Australia in Perth, sein Unternehmen habe im Geschäftsjahr seine gesamte Braugerste aus Western Australia bezogen. China importiert derzeit jährlich stabile 4,5-4,7 Millionen Tonnen Braugerste. Wang erwartet einen Anstieg auf 5-5,5 Millionen Tonnen, da importierte Gerste in der heimischen Bierproduktion stärker eingesetzt wird.
China exportiert zudem jährlich mehr als 600.000 Tonnen Malz, Tendenz steigend. Importgetreide bedient damit zwei Nachfragequellen: chinesische Brauereien und ausländische Käufer chinesischen Malzes. Die Bierproduktion des Landes lag in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt bei 35-36 Millionen Kilolitern.
Premiumbier verändert die Anforderungen an Malz
Der chinesische Biermarkt verlagert sich von Standardprodukten zu mittel- bis hochpreisigen, hochpreisigen und ultrahochpreisigen Kategorien. Nach den von Wang präsentierten Zahlen entfielen 2025-26 insgesamt 38,7 % des Absatzvolumens, rund 68 % des Umsatzes und 74 % des Bruttogewinns auf das mittel- bis hochpreisige Segment. Stock & Land zitierte ihn zugleich mit der Aussage, dieses Segment erziele mit weniger als 14 % des Absatzvolumens mehr als 70 % des Bruttogewinns; die veröffentlichten Volumenanteile sind somit offenbar widersprüchlich. Hochpreisiges Bier stellte 11 %-13 % des Volumens, ultrahochpreisiges Bier 2 %-3 %.
Für eigenständige Geschmacksprofile setzen Premiumhersteller zunehmend auf Spezialhefen und maßgeschneidertes Malz. Wang zufolge wird die australische Sorte Maximus wegen ihrer Mälzungseigenschaften in China häufig, teilweise sogar ausschließlich, für Premiumbier verwendet. Spartacus und Planet kommen ebenfalls bei hochwertigem Malz und Premiumbier zum Einsatz, doch das derzeitige Angebot reicht für die chinesische Nachfrage nicht aus. Wang forderte mindestens zwei oder drei hochwertige australische Braugerstensorten für den chinesischen Markt.
Kostenvorteil trifft auf Qualitätsanforderungen
Australische Gerste hat gegenüber kanadischer Ware einen deutlichen Vorteil bei den Einstandskosten. Sie gelangt im Rahmen des chinesisch-australischen Freihandelsabkommens zollfrei nach China, während Gerste aus Kanada und anderen Herkunftsländern mit 3 % Einfuhrzoll belegt wird. Australische Gerste hat einen Feuchtigkeitsgehalt von 10 %-10,5 %, verglichen mit 12 %-13,5 % bei kanadischer Ware. Wang schätzt, dass australische Braugerste dadurch beim Import insgesamt rund 10 US-Dollar je Tonne günstiger ist.
Kanada behält Vorteile beim Protein und bei der Enzymleistung. Kanadische Gerste enthält üblicherweise mehr als 12 % Protein, australische Ware etwa 10 %-10,5 %. Chinesische Brauereien verlangen mindestens 9,8 % Protein im Malz. Da bei der Mälzung Protein verloren geht, muss die Gerste mehr als 10,3 % enthalten. Eine neue australische Sorte mit 10,5 %-11 % Protein würde den Bedarf chinesischer Brauereien besser treffen, sagte Wang. Kanadische Gerste bietet außerdem mehr freien Aminostickstoff und eine höhere diastatische Kraft, was Gärung, Aroma und Frische unterstützt. Maximus weist unter den australischen Sorten allerdings eine vergleichsweise hohe diastatische Kraft auf.
Eine weitere Sorge ist die nachlassende Qualität australischer Gerste mittlerer Standardqualität, die für reguläres Bier verwendet wird. Übliche Verträge verlangen mehr als 9,5 % Protein, einen Vollgerstenanteil von über 75 %, weniger als 5 % Siebabgang, weniger als 1,5 % Fremdbesatz und ein Tausendkorngewicht von über 38 Gramm. Wang zufolge haben sich die australischen Spezifikationen in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. Bei Einhaltung der Standards könne Ware anderer Herkunft australische Gerste dieser Kategorie jedoch nicht ersetzen.
Dalian Xingze Malt testet zudem die Sorte Neo. Die Körner aus Western Australia waren zu klein, weshalb das Unternehmen Neo von Australiens Ostküste kaufte. Die Partie soll im September vermälzt und das fertige Malz anschließend Brauereien für Brauversuche angeboten werden. Erfüllt es die Vorgaben, könnte Neo im kommenden Jahr in die Beschaffungslisten der Bierhersteller aufgenommen werden.