Chiles frühe Kirschernte in Ovalle könnte nach Wetterproblemen um 70 % sinken
Die Produktion früher Kirschen in Ovalle könnte in der chilenischen Saison 2026-2027 um 60 % bis 70 % unter der ursprünglichen Schätzung liegen. Beschränkungen wegen der Fruchtfliege erschweren zudem Luftfrachtsendungen nach China.
Ernte in Ovalle bleibt weit hinter den Prognosen zurück
Chiles Kirschsaison 2026-2027 beginnt mit einem deutlichen Produktionsrückgang in Ovalle, einem der nördlichen Anbaugebiete für die frühesten Früchte des Landes. Miguel Ángel Lorenzini, Betriebsleiter bei Teno Pack, sagte PortalFruticola.com, die Produktion in der Region könne 60 % bis 70 % unter den ursprünglichen Schätzungen liegen. Nach Besuchen bei örtlichen Erzeugern bezifferte er die verfügbare Ernte auf rund 30 % der zunächst für die Saison erwarteten Menge.
Die Lage unterscheidet sich von Betrieb zu Betrieb. Einige Erzeuger verzeichnen laut Lorenzini Verluste von mehr als 80 %. Bei einem solchen Ausfall könnte sich eine Ernte für den Export für einzelne Betriebe nicht mehr rechnen. Trotz des geringeren Aufkommens will Grupo Teno eine Packlinie in der Region weiterbetreiben. Mit den ersten kommerziell relevanten Mengen rechnet das Unternehmen um den 15. Oktober, unter anderem bei den Sorten Brooks und Nimba.
Regen, Temperaturen und Kältestunden werden untersucht
Lorenzini führte die geringere Ernte auf ein mögliches Zusammenspiel mehrerer Wetterfaktoren zurück. Dazu zählen hohe, auf wenige Wochen konzentrierte Niederschläge, mögliche Abweichungen bei den angesammelten Kältestunden und hohe Temperaturen nach Blüte und Fruchtansatz. Santina gehörte zu den Sorten, die offenbar größere Schwierigkeiten hatten. Für eine genaue Bewertung des Anteils der einzelnen Faktoren seien jedoch weitere technische Daten erforderlich.
Die Branche sammelt derzeit Informationen, um die laufende Saison mit früheren Jahren zu vergleichen. Früchte, die sich nicht gebildet haben, lassen sich durch keine agronomische Maßnahme zurückgewinnen. Erzeuger und Packbetriebe konzentrieren sich deshalb auf Qualität und Zustand der verbleibenden Ware. Der Einbruch zeigt, dass mehr Wasser die Versorgung langfristig verbessern kann, während Zeitpunkt und Intensität der Niederschläge zugleich die aktuelle Entwicklung der Anlagen beeinträchtigen können.
Stauseen erholen sich nach langjähriger Dürre
Regenfälle Mitte August haben die Stauseen im Norden Chiles nach mehr als 15 aufeinanderfolgenden Dürrejahren deutlich aufgefüllt. Nach Lorenzinis Einschätzung könnten die derzeit sichtbaren Wasservorräte Sicherheit für vier oder fünf Saisons bieten. Das entlastet die Erzeuger mit Blick auf die künftige Bewässerung, während sie gleichzeitig die schweren Verluste bei den frühen Kirschen dieser Saison bewerten müssen.
Besonders deutlich ist der Gegensatz bei Anlagen, deren Produktion um mehr als 80 % zurückgegangen ist. Bessere Stauseefüllstände stützen kommende Saisons, gleichen aber weder den aktuellen Verlust marktfähiger Früchte noch die Fixkosten für Anlagenpflege, Ernte und Verpackung aus. Für Anbieter früher Ware bedeutet das geringere Volumen außerdem weniger Produkt in einem Vermarktungsfenster, in dem eine schnelle Lieferung entscheidend ist.
Fruchtfliegen-Auflagen begrenzen Luftfracht nach China
Auch die Logistik schafft zusätzliche Probleme. In der Region laufen derzeit 13 Bekämpfungskampagnen gegen die Fruchtfliege, die laut PortalFruticola.com fast alle örtlichen Erzeuger betreffen. Die Auflagen schränken Luftfrachtsendungen in Märkte wie China ein. Für frühe Kirschen ist dieser Transportweg besonders wichtig, weil er eine schnelle Belieferung ermöglicht. Erzeuger und Packbetriebe innerhalb der Sperrzonen können ihn jedoch nicht nutzen.
Grupo Teno prüft daher zusätzliche Absatzmärkte und andere Logistiklösungen. Für die ersten Sendungen nach China ist eine Kältebehandlung vorgesehen. Eine Ernte von möglicherweise nur rund 30 % der ursprünglichen Prognose dürfte zusammen mit dem eingeschränkten Luftfrachtzugang das früheste chilenische Exportangebot deutlich verknappen. Das chilenische Kirschkomitee hatte sich bis zur Veröffentlichung des Berichts von PortalFruticola.com nicht geäußert.