Chile überdenkt Asien-Strategie: Tafeltrauben-Exporte nach China brechen um 40 % ein
Die wachsende Eigenproduktion in China und Südkorea verringert den Platz für importierte Ware, chilenische Lieferungen nach China sind in der vergangenen Saison um 40 % gefallen. China ist mit rund 800.000 Tonnen inzwischen der weltgrößte Tafeltrauben-Exporteur, während die USA weiterhin 52 % der chilenischen Ausfuhren aufnehmen.
Chiles Tafeltraubenbranche überprüft ihre Asien-Strategie, nachdem die Lieferungen nach China deutlich zurückgegangen sind. Die wachsende heimische Produktion in der Region hat den Spielraum für importierte Ware spürbar verkleinert. Álvaro Aspee, Geschäftsführer des Traubenkomitees von Frutas de Chile, legte die Position der Branche auf der Asia Fruit Logistica dar; FreshPlaza berichtete über seine Aussagen.
„Asien ist für uns ein großer Markt für sämtliches Obst, und im Fall der Trauben ist er sehr wichtig“, sagte Aspee. Zugleich räumte er ein, die Region „steht vor der Realität der lokalen Produktion, die sich mit neuen Sorten und neuen Technologien verändert hat“. Am deutlichsten sei das lokale Angebot in China und Südkorea gewachsen.
China ist zum weltgrößten Tafeltrauben-Exporteur geworden
Nach Angaben von Aspee ist China inzwischen der weltgrößte Exporteur von Tafeltrauben und handelt rund 800.000 Tonnen. Damit hat das Land Herkünfte wie Chile, Peru und Australien teilweise verdrängt. Das schlägt direkt auf die südamerikanischen Mengen durch: Die chilenischen Ausfuhren nach China seien in der vergangenen Saison „um 40 % gefallen“, so Aspee, ein Trend, der über die vergangenen fünf Jahre betrachtet noch klarer hervortritt.
Wichtigstes Ziel der chinesischen Traubenexporte ist derzeit Indien. Aspee argumentierte, die Entwicklung der Kategorie in großen asiatischen Märkten wie China und Indien könne langfristig allen Herkünften nutzen, weil der Verbrauch insgesamt steige und asiatische Konsumenten Trauben ganzjährig und nicht nur in einem saisonalen Fenster wahrnähmen.
Auch die Anbaufläche in China ist in Bewegung. Laut Aspee werden Anlagen mit Sorten gerodet, die sich in bestimmten Zonen nicht bewährt haben; dieser Anpassungsprozess sei noch nicht abgeschlossen. Parallel beobachtet das Komitee aufstrebende Märkte der Region, darunter Vietnam, wo die Exporte gewachsen sind.
Saison 2026-2027 noch ohne Mengenprognose
Für die Saison 2026-2027 sei es zu früh für eine Mengenprognose, sagte Aspee, auch wenn eine Erholung erwartet werde, nachdem die vergangene Saison wegen Regenfällen im März ein Minus von 14 % verzeichnet hatte. Das Traubenkomitee erarbeitet gemeinsam mit den Exporteuren eine Schätzung, die im Oktober auf der Fruit Attraction in Madrid oder einer vergleichbaren europäischen Messe vorgestellt und im Saisonverlauf aktualisiert werden soll.
Zahlen zur kommenden Ernte wurden nicht genannt. Offen blieb auch, welcher Teil der weggefallenen chinesischen Nachfrage bereits in andere Märkte umgelenkt wurde.
Einheitliche Kaliber und gemeinsame Kategoriearbeit
Parallel treibt Chile eine freiwillige Vereinheitlichung der Kalibergrößen zwischen den Exporteuren voran, um der Branche eine gemeinsame kommerzielle Sprache zu geben.
- „Wenn eine einzige Sprache verwendet wird, wird die Statistik einfacher, der Einkauf wird einfacher, und der gesamte Mechanismus läuft flüssiger“, erklärte Aspee.
- Zudem arbeitet das Komitee mit Peru und Mexiko im Global Grape Group zusammen, um die weltweite Nachfrage nach Trauben als Kategorie zu steigern.
- Wichtigstes Ziel chilenischer Trauben bleiben die USA mit 52 % der Exporte.
Diversifizierung bleibt das erklärte Ziel
Trotz dieser Konzentration auf Nordamerika betont das Komitee weiterhin, wie wichtig eine dauerhaft tragfähige Marktdiversifizierung sei. Der dominante US-Anteil und der schrumpfende chinesische Absatzkanal umreißen die kaufmännische Frage, an der die Branche derzeit arbeitet: Wie lassen sich asiatische Mengen ersetzen, ohne die Abhängigkeit von einem einzigen Zielmarkt zu vertiefen?
Die auf der Asia Fruit Logistica formulierte Langfristsicht lautet, dass nicht allein der Marktzugang, sondern das Konsumwachstum in Asien darüber entscheidet, wie viel Platz für Importware bleibt. Diese Sicht setzt voraus, dass asiatische Käufer Trauben als ganzjährige Kategorie führen. Dann hätten Anbieter der Gegensaison wie Chile auch bei weiter wachsender lokaler Produktion einen strukturellen Grund, in der Region zu bleiben.