Bundeskabinett hält CO2-Preiskorridor 2027 bei 55 bis 65 Euro je Tonne
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der den nationalen CO2-Preiskorridor 2027 bei 55 bis 65 Euro je Tonne hält. Damit wird der kurzfristige Kostenanstieg bei Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas vor dem Start des EU-Systems ETS 2 im Jahr 2028 begrenzt.
Kabinett verlängert den bestehenden Preiskorridor
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem der nationale CO2-Preis 2027 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid bleiben soll, berichtet t-online. Dieselbe Spanne gilt 2026. Damit kann die CO2-Komponente bei Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas im kommenden Jahr nicht über die bestehende Obergrenze steigen.
Deutschland führte 2021 den nationalen Brennstoffemissionshandel als Brücke zu einer breiteren europäischen CO2-Bepreisung ein. Unternehmen, die fossile Brennstoffe in Deutschland in Verkehr bringen, darunter Energieversorger und Tankstellenbetreiber, müssen Zertifikate bei der Deutschen Emissionshandelsstelle erwerben. Ein Zertifikat deckt eine Tonne CO2 ab; die Anbieter können die Kosten an Haushalte und Unternehmen weitergeben.
2026 und 2027 wird der Zertifikatspreis erstmals durch Angebot und Nachfrage bestimmt, bleibt jedoch im gesetzlich festgelegten Korridor. Die Obergrenze von 65 Euro verhindert abrupte Kostensprünge und führt die Marktteilnehmer zugleich an einen Handelsmechanismus heran, der dem künftigen europäischen System ähnelt. Der Gesetzentwurf muss noch das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.
Übergang zu ETS 2 verschiebt sich auf 2028
Die Reform folgt einer Änderung des europäischen Zeitplans. Das zweite EU-Emissionshandelssystem ETS 2 sollte die CO2-Bepreisung ursprünglich 2027 auf Gebäude und Straßenverkehr ausweiten. Laut t-online einigten sich die EU-Mitgliedstaaten Ende 2025 darauf, den Start um ein Jahr zu verschieben. Das deutsche System dürfte deshalb bis zur Ablösung durch den europäischen Mechanismus 2028 weiterlaufen.
Deutsche Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen tragen bereits CO2-Kosten für Heiz- und Kraftstoffe. Frankreich, Polen und mehrere andere europäische Länder haben kein vergleichbares nationales System. Dort werden Verbraucher beim Start von ETS 2 erstmals unmittelbar mit diesen Kosten konfrontiert. Die EU will verhindern, dass der Einstiegspreis über 50 Euro je Tonne steigt; bei einem zu starken Preisanstieg kann die Marktstabilitätsreserve zusätzliche Zertifikate bereitstellen.
Der tatsächliche ETS-2-Preis wird von der Zertifikatsnachfrage beim Systemstart abhängen. Für Deutschland könnte ein Anfangsniveau von etwa 50 Euro je Tonne fossile Brennstoffe vorübergehend gegenüber dem nationalen Korridor verbilligen. Die langfristige Entwicklung bleibt unsicher: t-online verweist auf Prognosen von rund 100 bis 130 Euro je Tonne ab 2030 und mehr als 300 Euro je Tonne bis 2040. Dabei handelt es sich um Prognosen, nicht um festgelegte Preisniveaus.
Industrie erhält kurzfristige Planungssicherheit
Der Korridor von 55 bis 65 Euro gibt Kraftstoffhändlern, Wärmeversorgern, Transportunternehmen und energieintensiven Verbrauchern für 2027 eine definierte Obergrenze. Die CO2-Kosten entfallen nicht, doch eine Quelle der Schwankungen in Kraftstoff- und Heizbudgets wird im zusätzlichen Übergangsjahr begrenzt. Zertifikatsbeschaffung und Kundenpreise der Anbieter reagieren weiterhin auf die Nachfrage innerhalb des Korridors.
Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung fließen in den Klima- und Transformationsfonds. Er finanziert unter anderem den Austausch von Heizungen und die energetische Gebäudesanierung. Die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz plant das zuvor diskutierte Klimageld pro Kopf nicht. Stattdessen soll der Fonds niedrigere Energiekosten finanzieren, darunter eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß; die erste Entlastung kam laut t-online der Industrie und nicht den Verbrauchern zugute.
Emissionsziele halten den Druck nach 2027 aufrecht
Die Treibhausgasemissionen der EU sanken zwischen 2005 und 2024 um 50%. Ein großer Teil des Rückgangs entfiel auf Industrie und Energieversorgung, die seit zwei Jahrzehnten dem Emissionshandel unterliegen. Deutschland verringerte seine Emissionen seit 1990 um 48,2%. Bis 2030 strebt die EU eine Senkung um 62% gegenüber 2005 an, entsprechend 55% gegenüber 1990.
Gebäude und Verkehr bleiben für dieses Ziel entscheidend. Die Obergrenze für 2027 schützt kurzfristig vor einem größeren Sprung der CO2-Kosten, doch ETS 2 wird Deutschland und andere EU-Märkte ab 2028 einem gemeinsamen Zertifikatspreis aussetzen. Kraftstoffanbieter, Logistikunternehmen, Gebäudeeigentümer und industrielle Abnehmer sollten den festen Korridor daher als vorübergehende Planungsgrenze und nicht als dauerhaften Kostendeckel betrachten.