Bulgariens Schuhindustrie schrumpft, während Importe die Nachfrage bedienen
Die bulgarische Schuhproduktion sank im Juni gegenüber dem Vorjahr um rund 30 %, obwohl die Käufe in den Sommermonaten zunahmen. Nach Angaben des Branchenverbands bestehen von einst mehr als 200 Schuh- und Lederwarenbetrieben höchstens noch 20 kleine Unternehmen.
Die Produktion sinkt trotz steigender Schuhkäufe
Bulgariens Schuh- und Lederwarenindustrie schrumpft trotz anhaltender Verbrauchernachfrage. Von Trud News zitierte amtliche Daten zeigen, dass die heimische Schuhproduktion im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 30 % sank. Der Rückgang setzte die Entwicklung der vorangegangenen Monate fort.
Gleichzeitig weisen Daten des Nationalen Statistischen Instituts für die Sommermonate auf höhere Schuhkäufe als im entsprechenden Vorjahreszeitraum hin. Die gegenläufige Entwicklung deutet darauf hin, dass Importe einen wachsenden Anteil des Binnenmarktes übernehmen, während heimische Fabriken Produktionsvolumen verlieren. Unter Druck geraten damit auch bulgarische Lieferanten von Leder, Chemikalien und weiteren Vorprodukten.
Von mehr als 200 Betrieben bleiben höchstens 20
Plamen Ivanov, Vorsitzender des bulgarischen Verbands der Leder-, Pelz-, Schuh- und Lederwarenindustrie, bezeichnete die Lage der Branche als kritisch. Nach seinen Angaben gab es früher mehr als 200 Unternehmen mit Bezug zur Schuh- und Lederwarenproduktion. Heute bestehen höchstens noch 20 kleine Betriebe mit jeweils 10 bis 50 Beschäftigten.
Die Lederproduktion ist noch stärker geschrumpft. Laut Ivanov gibt es in Gabrowo nur noch zwei kleine Lederhersteller mit jeweils weniger als 10-15 Beschäftigten. Der Verband schätzt, dass es bis Ende 2030 in Bulgarien keinen einzigen Lederproduzenten mehr geben könnte. Damit würde die heimische Lieferkette weiter geschwächt und die Abhängigkeit der verbliebenen Schuh- und Accessoirehersteller von externen Materialien steigen.
Fragen zu Material und Kennzeichnung importierter Waren
Ivanov zufolge enthalten manche als Naturleder angebotenen Importschuhe synthetische Futterstoffe oder Obermaterialien aus einer Kombination von Kunststoffen und lediglich kleinen Naturlederteilen. Außerdem warf er einigen Händlern vor, importierte Schuhe, Taschen und Gürtel mit der Kennzeichnung „Hergestellt in Bulgarien“ zu versehen und Verbraucher über den Ursprung zu täuschen. Einzelne Importeure, Marken oder Lieferländer nannte er nicht.
Der Verband vertritt die Auffassung, dass Schuhe, Taschen, Gürtel und Handschuhe aus echtem Leder wegen teurerer Materialien und aufwendigerer Herstellung mindestens dreimal so viel kosten müssten wie vergleichbare Kunstlederprodukte. Ivanov hält bulgarische Schuhpreise angesichts der Kosten für Leder, Chemikalien und Arbeit weiterhin für zu niedrig, obwohl die Einzelhandelspreise in den vergangenen zwei Jahren gestiegen sind.
Handwerksbetriebe können Fabriken kaum ersetzen
Die verbliebenen bulgarischen Hersteller konzentrieren sich laut Ivanov auf hochwertige Erzeugnisse, während im Land gefertigte Ledertaschen und Gürtel weiterhin gefragt sind. Er warnte jedoch vor pauschalen Aussagen, bulgarische Schuhe seien hochwertiger als türkische, deutsche oder italienische Produkte. Synthetisches Lederimitat werde auf allen Märkten angeboten.
Kleine Maßwerkstätten betrachtet Ivanov ebenfalls nicht als realistischen Weg zum Wiederaufbau der Kapazitäten. Handgefertigte Schuhe auf Bestellung seien in Bulgarien zu teuer und unrentabel; frühere Versuche mit diesem Modell seien gescheitert. Damit schrumpft die industrielle Basis ohne klaren kleingewerblichen Ersatz weiter, während die wachsende Verbrauchernachfrage zunehmend Importwaren zugutekommt.