Bulgariens Batteriespeicher übertreffen Kohlekraftwerke bei der Leistung
Bis Ende 2026 soll Bulgarien laut einem von fakti.bg zitierten Bericht rund 5 GW Batterieleistung und 14–20 GWh Speicherkapazität erreichen. Die Anlagen speichern günstigen Solarstrom und verschieben ihn in die teureren Abendstunden.
In zwei Jahren entsteht eine Batterieleistung von 5 GW
Bulgarien hat sich innerhalb von zwei Jahren von einem Markt praktisch ohne Netzbatterien zu einem der am schnellsten wachsenden europäischen Märkte für industrielle Speicher entwickelt. Das berichtet Klimateka in einem von fakti.bg aufgegriffenen Beitrag. Bis Ende 2026 werden rund 5 GW Leistung und 14–20 GWh Speicherkapazität erwartet. Da laufend neue Projekte ans Netz gehen, kann die Prognose rasch veralten.
Leistung und Kapazität beschreiben unterschiedliche Funktionen. Die 5 GW zeigen, wie schnell die Batterien Strom abgeben können; 20 GWh bezeichnen die speicherbare Energiemenge. Mit 5 GW könnte die Flotte kurzfristig mehr Leistung bereitstellen als alle bulgarischen Kohlekraftwerke zusammen. Der Wert übersteigt außerdem die addierte Maximalleistung des Kernkraftwerks Kosloduj mit 2,2 GW, von Mariza Ost 2 mit 1,67 GW, des ContourGlobal-Kraftwerks mit 0,9 GW und eines Blocks in Bobow Dol. Pumpspeicherkraftwerke sind dabei nicht berücksichtigt.
Eine Kapazität von 20 GWh entspricht ungefähr der Stromproduktion eines Kosloduj-Blocks während 20 Stunden. Sie liegt zudem rund 34% über der Tagesproduktion von Mariza Ost 2 bei maximaler Auslastung, die das Kraftwerk in der Praxis fast nie erreicht.
Solarstrom wechselt vom Tages- in den Abendmarkt
Die sichtbarste kommerzielle Aufgabe der Batterien besteht darin, günstigen Solarstrom tagsüber zu speichern und während der morgendlichen und abendlichen Verbrauchsspitzen abzugeben. Zuvor fand Bulgariens preiswerter Tagesstrom nur schwer Käufer, während am Abend teilweise teurerer Strom importiert werden musste.
Speicher verändern dieses Muster. Marktteilnehmer können tagsüber günstigen Strom importieren, einlagern und am Abend im Inland nutzen oder bei deutlich höheren Preisen exportieren. Obwohl der jährliche Solarhöhepunkt Ende Juni lag, erreicht die Batterieladung neue Rekorde. Ursache sind laut Bericht mehr Speicher und eine geringere Abregelung der Solaranlagen, nicht eine stärkere Sonneneinstrahlung.
Die Folgen reichen bis in die verbundenen Märkte Bulgariens, Griechenlands und Rumäniens. Begrenzte grenzüberschreitende Kapazitäten können weiterhin unterschiedliche Preise verursachen. An manchen Tagen hielten Batterien mehr günstigen Strom in Bulgarien und Griechenland, während die rumänischen Abendpreise höher blieben, weil sich die Exporte dorthin nicht steigern ließen.
Batterien übernehmen Netzdienstleistungen
Industriebatterien können nahezu augenblicklich zwischen Laden und Entladen wechseln. Damit gleichen sie Lastschwankungen aus und steuern Wirkleistung für die Primärregelung. Sie unterstützen außerdem das Blindleistungsmanagement, stellen digitale Trägheit bereit und ermöglichen einen Schwarzstart nach einem vollständigen Ausfall des Übertragungsnetzes.
Der Programmierer und Datenanalyst Ivan Yonchovski hat eine Plattform entwickelt, die Daten des bulgarischen Stromnetzbetreibers und der unabhängigen Energiebörse zusammenführt. Sie zeigt Importe, Exporte, Ladezyklen und die veränderten Zeiten grenzüberschreitender Stromflüsse.
Privates Kapital treibt den Speichermarkt
Nach Angaben von fakti.bg wird der Ausbau überwiegend von privaten Investoren und europäischen Mitteln getragen, nicht von einem umfassenden staatlichen Interventionsprogramm. Schnelle Entscheidungen beschleunigen die Projekte, zugleich stellt sich die Frage nach der künftigen Rolle der Pumpspeicher.
Nach Reparaturen laufen die beiden aktiven Pumpspeicherturbinen mit zusammen rund 400 MW gewöhnlich nur 4–5 Stunden täglich. Mit dem vorhandenen Wasser könnten sie theoretisch länger arbeiten; eine eindeutige Erklärung gibt es nicht. Für Erzeuger, Händler und Netzbetreiber entsteht ein flexibleres System, in dem der Zeitpunkt von Produktion und Verbrauch kommerziell fast ebenso wichtig wird wie die gesamte Strommenge.