Bulgarische Trauben bleiben am Stock: Billige Weinimporte drücken die Preise, Branche kündigt Streikbereitschaft an
Bulgarien verzeichnet eine gute Traubenernte, doch Dutzende Dekar bleiben ungeerntet, weil die Ankaufspreise nicht einmal die Lesekosten decken. Die Erzeuger führen dies auf Wein- und Fasswein-Importe aus Spanien, Italien und Frankreich zu 60 bis 70 Eurocent je Liter zurück und haben Streikbereitschaft erklärt.</p>
Die Traubenlese in Bulgarien läuft auf Hochtouren, die Ernte ist gut und die Qualität wird von den Erzeugern als stark beschrieben. Dennoch bleiben Dutzende Dekar Rebfläche ungeerntet, weil es entweder keinen Käufer gibt oder der gebotene Preis die Lesekosten nicht deckt, wie bTV berichtet. Die Keller sind voll mit unverkauftem Wein, bulgarische Marken verlieren im Ausland wie im Inland an Boden, und die Branche hat formell Streikbereitschaft erklärt.
Gute Ernte ohne Käufer
Besonders paradox stellt sich die Lage laut Standart im Gebiet von Weliko Tarnowo dar, wo die Erzeuger von qualitativ guten Trauben berichten und hohe Erträge erwarten. Der Engpass hat sich vom Weinberg auf den Markt verlagert: Die Frage ist nicht mehr, wie viel die Reben bringen, sondern ob die Ware überhaupt abgesetzt wird.
Weiße Trauben ohne Absatz hängen weiterhin am Stock. Atanas Vasilev, Geschäftsführer von Vinprom - Svishtov und Vorsitzender des Nationalen Verbands der bulgarischen Winzer, sagte, bei den aktuellen Ankaufspreisen sehen die Betriebe keinen Sinn darin, in die eigenen Parzellen zu gehen, weil sich schon die Kosten der Lese kaum decken lassen.
Importwein zu 60 bis 70 Eurocent je Liter
Die Nachfrage nach bulgarischem Wein sinkt das wiederholte Jahr in Folge, und die Branche führt das direkt auf Importe aus den großen europäischen Erzeugerländern zurück. „In den vergangenen zwei bis drei Jahren gibt es keine solche Nachfrage nach bulgarischen Weinen, und das ist durch übermäßige Importe bedingt“, sagte Vasilev bei bTV und verwies auf italienische und französische Weine sowie einen starken Anstieg bei Fassweinen.
Den Maßstab setzen Frankreich, Spanien und Italien, wobei Spanien preislich am aggressivsten auftritt. „Bei solchen Preisen holen wir sie nicht ein, selbst wenn wir dagegen anrennen – 60 bis 70 Eurocent je Liter Wein“, so Vasilev. Der gleiche Druck zeigt sich weiter unten in der Kette: Die Kellereien haben Mühe, den produzierten Wein abzusetzen, heimische Marken verlieren Positionen auf internationalen Märkten, während der Wettbewerb aus Italien, Frankreich und Spanien im Inland zunimmt.
Rund 600 Euro Kosten je Dekar gegen 21 Euro Beihilfe
Die Winzer zahlen für Bodenbearbeitung, Pflanzenschutzmittel, Kraftstoff, Technik und Arbeitskräfte – ohne Garantie, dass die Trauben zu einem Preis abgenommen werden, der den Aufwand deckt. Die zentralen Zahlen der Branche:
- jährliche Unterstützung für Winzer von rund 14 Euro je Dekar, so Stanimir Stoyanov, Vorsitzender des Önologenverbands und Geschäftsführer von LOVIKO - Suhindol;
- eine zugesagte sogenannte „Ukraine-Hilfe“ von 21 Euro je Dekar;
- reale Produktionskosten, die die Erzeuger bei etwa 600 Euro je Dekar ansetzen (ein Dekar entspricht 0,1 Hektar);
- Importwein zu 60 bis 70 Eurocent je Liter.
Stoyanov bezeichnete den Weinbau als einen der am schwächsten geförderten Zweige des Landes. Die Erzeuger argumentieren, die Lücke zwischen Beihilfe und Selbstkosten zeige, wie schwer es dem Sektor fällt, gegenüber anderen europäischen Staaten wettbewerbsfähig zu bleiben.
Arbeitskräfte, unregulierter Wein und die Forderungen der Branche
Der zweite Engpass sind die Arbeitskräfte. Lesehelfer sind immer schwerer zu finden, die Tagelöhne steigen, sagte Kellereibesitzer Dimitar Dimov und verwies auf die Nachbarländer: In Griechenland und Rumänien sind Winzer von Sozialabgaben befreit, der Staat stützt also diese befristete Saisonbeschäftigung.
Zusätzlichen Druck erzeugt der unregulierte Handel. Laut Stoyanov existiert in Bulgarien weiterhin nicht registrierte Hausweinproduktion, die unter dem Label „hausgemacht“ verkauft und gehandelt wird.
Die Branche fordert entschlossenere staatliche Maßnahmen. „Wenn wir die Kampagne abgeschlossen haben, haben wir Streikbereitschaft erklärt, und sie wird so ausfallen, dass unser Sektor Beachtung findet und wir in die richtige Richtung gehen“, warnte Vasilev. Stoyanov betonte, Staat und Erzeuger müssten zusammenarbeiten, damit bulgarischer Wein- und Rebbau wettbewerbsfähig bleibt. Diskutiert werden unter anderem ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz für bulgarische Weine in der Gastronomie und Steuererleichterungen für weitere Lebensmittel aus heimischer Produktion sowie stärkerer Rückhalt durch Gastronomie, Tourismus und Verbraucher.