Brasiliens Sojapreise steigen bei knappem Angebot auf Sechsmonatshoch
Brasilianische Sojabohnen kosteten in den Häfen mehr als R$ 140 je 60-Kilogramm-Sack und damit so viel wie seit Januar nicht mehr. Rekordexporte, eine starke Weltnachfrage und zurückhaltende Verkäufer verknappen das kurzfristige Angebot.
Hafenpreise steigen über R$ 140
Die brasilianischen Sojapreise haben wegen der starken internationalen Nachfrage und eines knapperen Angebots am heimischen Kassamarkt den höchsten Stand seit sechs Monaten erreicht. Nach Angaben von Band wurde ein 60-Kilogramm-Sack in brasilianischen Häfen für mehr als R$ 140 gehandelt. Ein solches Niveau war zuletzt im Januar erreicht worden. Landwirte mit unverkauften Beständen gewinnen damit Verhandlungsmacht, während Exporteure und heimische Verarbeiter für kurzfristig verfügbare Mengen mehr bezahlen müssen.
Der Anstieg setzt die Aufwärtsbewegung vom Juli fort. Am 6. Juli lag der auf Geschäften im Hafen Paranaguá basierende Cepea/Esalq-Indikator bei R$ 139,01 je 60-Kilogramm-Sack und damit 4,06% höher als zu Monatsbeginn, berichtete Globo Rural in einem von Painel Rio Verde veröffentlichten Beitrag. Von 38 durch AgRural beobachteten Märkten verzeichneten 33 steigende Preise, die übrigen blieben stabil.
Nachfrage, Wetter und Geopolitik stützen den Markt
Forscher des Zentrums für fortgeschrittene Studien der angewandten Wirtschaft, Cepea, führten den Preisanstieg unter anderem auf die hohe Weltnachfrage, unregelmäßige Niederschläge auf der Nordhalbkugel und die Verschärfung der Konflikte im Nahen Osten zurück. Ungünstiges Wetter in Anbauregionen außerhalb Brasiliens erhöhte die Nachfrage nach sofortigen Verschiffungen und beschleunigte die Geschäfte am brasilianischen Markt.
Auch die internationalen Notierungen lieferten Unterstützung. Sojakontrakte für August stiegen am 6. Juli in Chicago um 4,46% auf US$ 11,8225 je Bushel. Treiber waren heißes Wetter auf der Nordhalbkugel, Marktvolatilität und Erwartungen einer stärkeren chinesischen Nachfrage. Ein stärkerer Dollar gegenüber dem Real verbesserte die Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Sojabohnen, erhöhte die Exportprämien und förderte Vorverkäufe. Laut Cepea führten Importanfragen bereits zu Geschäften für Verschiffungen im November, früher als in der vergangenen Saison.
Nach Angaben von Band werden Exportprämien inzwischen für Lieferungen bis 2028 verhandelt. Gleichzeitig halten einige brasilianische Verkäufer Ware zurück, weil sie mit höheren Preisen rechnen. Das begrenzt das Kassaangebot und verstärkt den Preisanstieg in den Häfen. Verarbeiter und Exporteure konkurrieren daher stärker um kurzfristige Mengen, obwohl Brasilien eine große Ernte eingebracht hat.
Juni-Exporte erreichen Rekord
Die Handelsströme zeigen das Ausmaß der Auslandsnachfrage. Daten des brasilianischen Außenhandelssekretariats Secex zufolge exportierte das Land im Juni 14,49 Millionen Tonnen Sojabohnen. Laut Band war dies das höchste Juni-Volumen seit Beginn der amtlichen Datenreihe im Jahr 1997.
Im ersten Halbjahr erreichten die Ausfuhren 69,57 Millionen Tonnen. Das waren 35% mehr als im gleichen Zeitraum 2025 und ein Rekord für die ersten sechs Monate. Durch das hohe Tempo floss ein großer Teil der brasilianischen Ernte in den Export, sodass die Überhangbestände den heimischen Käufern kaum Entlastung brachten.
Die weitere Entwicklung hängt davon ab, wann Landwirte ihre restlichen Bestände freigeben, wie sich das Wetter in konkurrierenden Erzeugerländern entwickelt und ob die Weltnachfrage anhält. Produzenten mit verfügbarer Ware profitieren vom Sechsmonatshoch. Exporteure und Ölmühlen müssen dagegen in einem engeren Zeitfenster einkaufen und höhere Wiederbeschaffungskosten tragen. Importeure, insbesondere China, müssen den unmittelbaren Bedarf gegen Preise abwägen, die durch Brasiliens rekordhohes Exporttempo bereits gestiegen sind.