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Brasiliens Rekordernte verschärft Dieselknappheit und erhöht Agrarkosten

Die Aussaat von Soja und Baumwolle treibt Brasiliens Dieselnachfrage in Richtung Jahreshöchststand, während das weltweite Angebot knapp bleibt. Die stärkere Abhängigkeit von US-Lieferungen und niedrige US-Bestände erhöhen Kosten und Ausfallrisiken.

Brasiliens Rekordernte verschärft Dieselknappheit und erhöht Agrarkosten

Aussaat und Ernte treiben die Nachfrage

Brasilien startet in eine Agrarsaison, die eine Rekordproduktion von Sojabohnen bringen dürfte. Die Expansion trifft jedoch auf einen angespannten globalen Dieselmarkt. Bloomberg zufolge werden die Aussaat von Soja und Baumwolle sowie Verkauf und Transport der frisch geernteten Wintermaisbestände den Kraftstoffverbrauch an seinen saisonalen Höchststand führen.

Die Überschneidung von Aussaat und Ernte hebt die brasilianische Dieselnachfrage um fast 200.000 Barrel pro Tag über das Niveau der Nebensaison. Traktoren, Erntemaschinen und Lastwagen benötigen den Kraftstoff, sodass sein Preis direkt in Produktions- und Logistikkosten einfließt. Landwirt Irineu Orth bereitet nach Abschluss seiner Winterernte die Aussaat auf 22.000 Acres in Bahia für Mitte September vor.

Die Belastung reicht über die Landwirtschaft hinaus. Brasilien ist bei mehreren wichtigen Agrarprodukten der weltgrößte Exporteur, darunter Soja, Baumwolle, Kaffee, Zucker und Orangensaft. Höhere Kosten auf dem Feld und beim Transport können deshalb auf Verarbeiter, den Inlandsverkehr und internationale Agrarlieferketten übergreifen.

Abhängigkeit von den USA wächst

Brasilien ist nach Australien der zweitgrößte Dieselimporteur der Welt. Daten von Vortexa zeigen, dass die brasilianischen Einfuhren von Diesel und Gasöl in drei der vergangenen vier Jahre jeweils im September ihren Höchststand erreichten. Landwirte zahlen derzeit die höchsten saisonalen Dieselpreise seit vier Jahren, obwohl die Inlandspreise seit ihren Spitzenwerten im März gesunken sind.

US-Anbieter stellten früher mehr als 80 % des brasilianischen Importdiesels. Ihr Anteil sank jedoch nach Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022, als vom europäischen Markt ausgeschlossener russischer Kraftstoff in die Türkei, nach Brasilien und in afrikanische Staaten umgeleitet wurde. Im Juli kehrte sich dieser Trend erneut um: Nach dem russischen Exportverbot kaufte Brasilien laut von Bloomberg zusammengestellten Zolldaten so viel US-Diesel wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Die Einfuhren aus Russland sanken gegenüber Mai um mehr als die Hälfte.

Auch andere Lieferanten sind eingeschränkt. Im Zuge des Kriegs im Iran sind die Transporte raffinierter Mineralölprodukte durch die Straße von Hormus auf ein Minimum gefallen. Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien leiden unter wiederholten Unterbrechungen des Schiffsverkehrs. Russlands während ukrainischer Angriffe auf Raffinerien verhängtes Exportverbot hat den Markt zusätzlich verengt.

Raffinerien bieten kaum Sicherheitspuffer

Brasilianische Raffinerien arbeiten laut Susan Bell von Rystad Energy effizient und mit einer Auslastung von nahezu 95 %. Dennoch benötigt das Land Importe, um die Nachfrage zu decken. Die hohe Auslastung der Petrobras-Raffinerien hat die Preise unter ihre Märzspitzen gedrückt, doch Energy-Aspects-Analystin Isabella Chiodi bezweifelt, dass dieses Niveau dauerhaft gehalten werden kann.

Auch die USA bieten nur begrenzte Reserven. Die US-Dieselproduktion liegt deutlich über dem saisonalen Durchschnitt, die Margen bewegen sich nahe historischen Höchstständen und die Exporte erreichten Anfang August einen neuen Wochenrekord. Trotzdem befinden sich die Bestände vor der US-Ernte und dem Aufbau der Heizölvorräte auf dem niedrigsten jemals gemessenen saisonalen Niveau. Heizöl ist praktisch gegen Diesel austauschbar.

Die Transportkosten ermöglichen vorübergehend eine breitere Beschaffung. Nikolas Plonski von Sparta Commodities zufolge ist Diesel aus Ulsan in Südkorea derzeit die wirtschaftlichste Option für Santos, während US-Ladungen an Attraktivität verloren haben. Dieser Vorteil gilt nur bis Ende Oktober; danach dürften Exporte aus Houston wieder rentabel werden, weil die brasilianische Nachfrage bis Dezember hoch bleibt. Bell erwartet, dass der Markt eine offene Krise vermeiden könnte. Ein ungeplanter Ausfall einer großen US-Raffinerie würde Brasiliens Importbedarf jedoch stark erhöhen und Landwirte, Händler sowie Agrarexporteure erneut mit steigenden Kosten belasten.

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