Brasiliens Maisethanol-Boom stärkt Binnennachfrage und Rekordernte
Brasilien setzte 2025/2026 insgesamt 22,2 Millionen Tonnen Mais für die Ethanolproduktion ein, nach 630.000 Tonnen 2016/2017. Inzwischen arbeiten 29 Bioraffinerien; weitere Projekte betreffen CO₂-Speicherung und nachhaltigen Flugkraftstoff.
Maisverarbeitung steigt um mehr als das Dreißigfache
Brasiliens Maisethanolindustrie hat sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einer wichtigen Quelle der heimischen Getreidenachfrage entwickelt. Nach Angaben von Valor Econômico flossen in der Saison 2025/2026 insgesamt 22,2 Millionen Tonnen Mais in die Ethanolproduktion, verglichen mit 630.000 Tonnen 2016/2017. Laut dem nationalen Verband für Maisethanol sind derzeit 29 Bioraffinerien in Betrieb, 13 weitere zum Bau genehmigt und 14 in Planung.
Die Expansion begann im Mittelwesten, wo ein reichliches Getreideangebot und eine zuvor schwache lokale Nachfrage günstige Bedingungen für die Verarbeitung schufen. 2014/2015 verwendeten Ethanolanlagen lediglich 230.000 Tonnen Mais. Lucílio Alves vom Zentrum für fortgeschrittene Studien in angewandter Ökonomie sagte Valor Econômico, Effizienz und Rentabilität der Anlagen hätten die ursprünglichen Erwartungen übertroffen und weitere Investitionen ausgelöst.
Die neue industrielle Nachfrage hat die Wirtschaftlichkeit der brasilianischen Zweiternte verändert. Anders als bei Sojabohnen bestimmen bei Mais vor allem heimisches Angebot und heimische Nachfrage den Preis, da der Export nicht das vorrangige Absatzgebiet ist. Ethanolanlagen schaffen einen verlässlicheren regionalen Abnehmer, verringern die Abhängigkeit der Erzeuger vom Auslandsgeschäft und verbessern insbesondere im Mittelwesten und Norden die Marktliquidität.
Rekordernte trifft auf Rekordnachfrage
Brasilien erntete 2024/2025 nach Angaben des brasilianischen Instituts für Geografie und Statistik 141,7 Millionen Tonnen Mais, 23,6% mehr als in der Vorsaison. Die Produktion verdoppelte sich binnen zehn Jahren, während die Anbaufläche nur um rund 38% wuchs. Das deutet auf erhebliche Produktivitätsfortschritte hin. In diesem Jahr weiteten die Landwirte die Fläche erneut um etwa 4% aus.
Die nationale Versorgungsgesellschaft erwartet für 2025/2026 vor allem witterungsbedingt einen leichten Rückgang von Produktion und Erträgen. Die starke Nachfrage gleicht jedoch einen Teil der höheren Kosten für Dünger, Transport, Versicherung und Finanzierung aus. Felipe Junqueira von Scot Consultoria erklärte, die ausgezeichnete Ernte 2024/2025 sei auf eine Rekordnachfrage getroffen, deren wichtigster Wachstumstreiber die Maisethanolanlagen gewesen seien. Das größere Angebot drückte deshalb die Preise nicht.
Bei der Ethanolproduktion entstehen zudem trockene und feuchte Destillationsschlempe, bekannt als DDG und WDG. Diese eiweiß- und faserreichen Koppelprodukte dienen als Rinderfutter und können auch in der Milchvieh- und Schweinehaltung eingesetzt werden. Sie verbinden die Getreideverarbeitung enger mit Brasiliens Tierproteinindustrie und können regionale Futterkosten senken.
CO₂-Speicherung und Flugkraftstoff erschließen neue Märkte
FS, Brasiliens erster Hersteller von Maisethanol, will im September in Lucas do Rio Verde im Bundesstaat Mato Grosso eine Anlage zur Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff eröffnen. Das BECCS-System soll Kohlenstoff aus den Gärtanks auffangen, verdichten und in den Untergrund einbringen. Valor Econômico zufolge soll FS damit zum ersten brasilianischen Produzenten eines Kraftstoffs mit negativer Kohlenstoffbilanz werden.
Luft- und Seeverkehr könnten die nächsten Nachfragequellen der Branche bilden. Weltweit werden derzeit fast 400 Milliarden Liter Flugturbinenkraftstoff verbraucht. Die Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff liegt dagegen bei 2 Millionen Tonnen und deckt lediglich 0,6% der globalen Nachfrage beziehungsweise weniger als vier Tage Flugbetrieb. Laut Ana Lígia Lenat vom brasilianischen Landwirtschafts- und Viehzuchtverband kann SAF die mit fossilem Kraftstoff verbundenen CO₂-Emissionen um bis zu 90% reduzieren.
Summit Agriculture Group, Gründungsaktionär von FS, hat JetBio angekündigt. Das Unternehmen soll in Brasilien nachhaltigen Flugkraftstoff aus Ethanol herstellen. Vorgesehen sind Investitionen von bis zu 2 Milliarden US-Dollar und ein Produktionsbeginn ab 2030. Die Vorhaben könnten Brasiliens wachsende Maisverarbeitung mit globalen Dekarbonisierungszielen verbinden. Ihr Tempo hängt jedoch von Investitionen, technischer Umsetzung und der Nachfrage nach emissionsärmeren Kraftstoffen ab.