Brasiliens grüner Wasserstoff zieht Auslandskapital an und erreicht die Geschäftsphase
Europäische Mittel und eine wachsende Projektpipeline bringen Brasiliens grünen Wasserstoff näher an die kommerzielle Umsetzung. Hohe Produktionskosten und fehlende verbindliche Abnehmer bleiben die wichtigsten Hürden.
Europäische Mittel erweitern die Projektpipeline
Brasiliens Markt für grünen Wasserstoff verlässt zunehmend die frühe Phase der Ankündigungen. Ausländisches Kapital fließt in Vorhaben für Produktion, industrielle Nutzung und Exportinfrastruktur. Valor Econômico zufolge kündigte die Europäische Union im Juni Investitionen von 3 Millionen € in neun brasilianische Projekte an. Die Förderung erfolgt über das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ umgesetzte Programm H2Uppp.
Die neun Vorhaben ergänzen acht weitere Initiativen, die H2Uppp bereits in Brasilien unterstützt. Isabela Santos, Koordinatorin von H2Uppp Brasil, erklärte, das Programm vermittle Kontakte zu europäischen Privatunternehmen und leiste technische Hilfe. Die geförderten Unternehmen decken mehrere Teile der Wertschöpfungskette ab, darunter E-Methanol, nachhaltigen Flugkraftstoff und die Dekarbonisierung der Automobilindustrie.
Die Kapazität könnte den Inlandsbedarf übersteigen
Die neun neuen Projekte sollen im Oktober während der Europäischen Wasserstoffwoche in Brüssel, Belgien, vorgestellt werden. Laut Valor Econômico gehören dazu grüne Korridore zwischen brasilianischen und europäischen Häfen für den Export von grünem Wasserstoff, Ammoniak und grünem Stahl. Damit könnten Brasiliens erneuerbare Energieressourcen mit der europäischen Nachfrage nach emissionsärmeren Brennstoffen und Industrieprodukten verbunden werden.
Eine Studie des brasilianischen Wasserstoffverbands ABH2 erfasste 34 laufende Projekte. Zusammen könnten sie ab 2035 jährlich bis zu 4,6 Millionen Tonnen emissionsarmen Wasserstoff erzeugen. Für denselben Zeitraum wird eine jährliche Nachfrage von rund 3,7 Millionen Tonnen erwartet. Fünf der erfassten Initiativen werden vom brasilianischen Ministerium für Bergbau und Energie unterstützt und konzentrieren sich auf Produktion und Verbrauch im Inland. Dazu zählen Vorhaben mit CSN und Petrobras.
Ammoniak und grüner Stahl verbreitern den Absatzmarkt
Nach Angaben von ABH2 planen 95 % der Projekte zusätzlich die Herstellung von Ammoniak aus grünem Wasserstoff. Das Produkt könnte für die Schifffahrt exportiert oder von Brasiliens Düngemittelindustrie genutzt werden. Dort ist die Nachfrage hoch, während die Preise seit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine stark gestiegen sind. Wasserstoff kann außerdem bei der Direktreduktion von Eisenerz eingesetzt werden. Vale und Green Energy Park arbeiten bereits an diesem Verfahren. Es könnte die Wertschöpfung brasilianischer Exporte erhöhen und Stahl unter den strengeren europäischen CO₂-Abgaben wettbewerbsfähiger machen.
Kosten und Abnahme bleiben die entscheidenden Engpässe. Die vorherrschende Herstellung durch Wasserelektrolyse kostet laut den von Valor Econômico zitierten Fachleuten R$10-R$70 je Kilogramm. Bei der Erzeugung aus Biomasse sind es R$7-R$20 je Kilogramm. Ein von H2Uppp gefördertes Projekt nutzt Abfälle aus der Schweinehaltung im Raum Toledo im Bundesstaat Paraná als Rohstoff für nachhaltigen Flugkraftstoff. Gleichzeitig sinkt das Risiko einer Phosphatbelastung von Boden und Grundwasser. Santos bezeichnete die Suche nach Abnehmern im In- und Ausland als zentrale Aufgabe, damit höhere Mengen die Kosten von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen senken können. Die Pipeline wächst, doch erst Verträge werden entscheiden, welche Kapazitäten tatsächlich gebaut werden.