Brasilien erwartet 180,4 Millionen Tonnen Soja bei wachsender Verarbeitung
Brasiliens Sojaernte soll mit 180,4 Millionen Tonnen einen Rekord erreichen, während die heimische Verarbeitung auf 63,3 Millionen Tonnen steigen dürfte. Sojaexporte, die Nachfrage nach Schrot und der Biodieselmarkt treiben die Auslastung der Ölmühlen.
Brasilien hebt Ausblick für Sojaproduktion und Verarbeitung an
Brasiliens Sojaproduktion soll den Rekordwert von 180,4 Millionen Tonnen erreichen und damit die Stellung des Landes auf den Weltmärkten für Sojabohnen, Sojaschrot und Sojaöl festigen. Notícias do Agro berichtete über die Prognose unter Berufung auf Daten des brasilianischen Pflanzenölverbands ABIOVE. Sie deckt sich mit den offiziellen Schätzungen der nationalen Versorgungsgesellschaft Conab.
ABIOVE erwartet Sojabohnenexporte von 115,4 Millionen Tonnen und eine Verarbeitung von 63,3 Millionen Tonnen im Inland. Die Zahlen zeigen, dass Brasilien sowohl seine Rolle als Lieferant unverarbeiteter Bohnen als auch die industrielle Herstellung höherwertiger Folgeprodukte ausbaut. Neben der starken Auslandsnachfrage stützt der heimische Verbrauch, insbesondere durch die Biodieselindustrie, das Verarbeitungsvolumen.
Höhere Verarbeitung steigert Schrot- und Ölangebot
Brasilien verarbeitete im Juni 4,95 Millionen Tonnen Sojabohnen und damit 7,3 % mehr als im Vorjahresmonat. In den ersten sechs Monaten summierte sich die Verarbeitung auf 28,30 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 7,7 % gegenüber dem Vorjahr. Dieses Tempo weist auf eine stärkere Auslastung der inländischen Anlagen hin und schafft zusätzliches Schrot für die Futtermittelwirtschaft sowie Öl für Lebensmittel-, Industrie- und Energiemärkte.
Die Sojaschrotproduktion wird auf 48,7 Millionen Tonnen geschätzt. ABIOVE erhöhte seine Exportprognose gegenüber der vorherigen Schätzung um 1,6 % auf 25,3 Millionen Tonnen und reagierte damit auf die stärkere Nachfrage ausländischer Käufer. Daniel Furlan Amaral, Direktor für Wirtschaft und Regulierungsfragen bei ABIOVE, erklärte, die Anpassung spiegele die anhaltende Dynamik der heimischen Verarbeitung und die durch steigende Schrotausfuhren getragene solide Auslandsnachfrage wider.
Für Sojaöl wird eine Produktion von 12,7 Millionen Tonnen erwartet. Die Exporte sollen 1,7 Millionen Tonnen erreichen, während ergänzende Importe von 125.000 Tonnen vorgesehen sind. Der geringe Einfuhrbedarf im Verhältnis zur heimischen Produktion verdeutlicht das Ausmaß des brasilianischen Ölangebots, auch wenn ein großer Teil für den umfangreichen Binnenmarkt benötigt wird.
Biodieselvorgabe stärkt die Binnennachfrage
Die B14-Vorgabe, die den verpflichtenden Biodieselanteil in fossilem Diesel seit März 2024 auf 14 % erhöht hat, ist zu einem wichtigen Treiber der inländischen Sojaverarbeitung geworden. Nach Angaben von Notícias do Agro stellt Sojaöl rund 70 % der Rohstoffe für brasilianischen Biodiesel. Ein höherer Pflichtverbrauch schafft daher einen unmittelbaren Anreiz, mehr Bohnen zu verarbeiten, selbst wenn sich die Exportbedingungen einzelner Folgeprodukte verändern.
Die Regelung bietet den Ölmühlen einen großen heimischen Absatzkanal für Öl. Das im selben Prozess anfallende Schrot kann an die Viehwirtschaft im In- und Ausland verkauft werden. Für Erzeuger entsteht neben dem direkten Bohnenexport eine weitere Nachfragequelle. Für Händler und Futtermittelkäufer beeinflusst die Größe der brasilianischen Ernte zunehmend nicht nur die Verfügbarkeit von Bohnen, sondern auch die globalen Bilanzen für Schrot und Pflanzenöl.
Brasilien gewinnt auf Exportmärkten an Boden
Notícias do Agro zufolge haben brasilianische Anbieter einen Teil der Lücke besetzt, die Argentinien am globalen Sojaschrotmarkt hinterlassen hat, nachdem dessen Produktion unter schwerer Dürre und wirtschaftlicher Unsicherheit gelitten hatte. Brasilianische Anlagen steigerten ihren Betrieb zur Versorgung von Kunden in Europa und Asien und verschärften damit den Wettbewerb in einem Markt, in dem Argentinien traditionell zu den führenden Exporteuren zählt.
Brasilianische Landwirte hatten zugleich mit durch El Niño verbundenen Dürren im Mittelwesten und übermäßigen Niederschlägen im Süden zu kämpfen. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde die Anbaufläche weiter ausgeweitet. China hielt laut der Publikation wegen günstiger Margen in seiner Schweinewirtschaft zudem eine starke Nachfrage nach brasilianischem Soja aufrecht.
Die Kombination aus einer erwarteten Ernte von 180,4 Millionen Tonnen, Bohnenexporten von 115,4 Millionen Tonnen und wachsender heimischer Verarbeitung eröffnet Brasilien mehrere Absatzkanäle. Das Ergebnis wird von der Ernteentwicklung, dem Durchsatz der Anlagen und einer anhaltenden Auslandsnachfrage abhängen. Die aktuellen Prognosen deuten jedoch auf ein größeres brasilianisches Angebot bei allen drei wichtigen Sojaprodukten hin.