Brasilien baut flexible Ethanolanlagen für Zuckerrohr und Mais aus
In Brasilien arbeiten 12 flexible Anlagen mit Zuckerrohr und Mais und können dadurch ganzjährig Ethanol produzieren. Im Zyklus 2025/26 erzeugten sie 1,8 bis 2,2 Milliarden Liter und damit bis zu 6 % der nationalen Produktion.
Zwei Rohstoffe verlängern die Produktionsperiode
Brasilianische Ethanolhersteller investieren in flexible Anlagen, die sowohl Zuckerrohr als auch Mais verarbeiten. Damit wollen sie ihre Kapazitäten besser auslasten, Kosten senken und die Abhängigkeit von der Zuckerrohrernte verringern. Mais lässt sich lagern und außerhalb der Rohrsaison verarbeiten. Die Werke können so ganzjährig laufen und zu einer gleichmäßigeren Kraftstoffversorgung im Inland beitragen.
Nach Angaben von O Globo sind in Brasilien 12 flexible Anlagen in Betrieb: zehn im mittleren Süden und zwei im Nordosten. Der brasilianische Verband der Zuckerrohr- und Bioenergieindustrie Unica schätzt, dass sie bereits bis zu 6 % der nationalen Ethanolproduktion stellen. Im Zyklus 2025/26 erzeugten die Werke zwischen 1,8 und 2,2 Milliarden Liter.
Mit der Expansion von Maisethanol gewinnt das Modell an Bedeutung. Das brasilianische Energieforschungsunternehmen EPE erwartet, dass der Kraftstoff aus Mais bis 2035 fast die Hälfte des Produktionszuwachses bei Ethanol ausmacht. Flexible Werke können dafür Teile der Industrieanlagen, Energiesysteme und Logistik nutzen, die bereits für Zuckerrohr aufgebaut wurden.
Gemeinsam genutzte Anlagen verbessern die Wirtschaftlichkeit
Cargill Bioenergia betreibt in Quirinópolis im Bundesstaat Goiás eine integrierte Zuckerrohr- und Maisanlage. Generaldirektor Ronaldo Bezerra sagte O Globo, dass die Maisverarbeitung außerhalb der Zuckerrohrsaison die Betriebszeit verlängert und die Produktivität der Industrieinvestitionen erhöht. Zusätzlich entstehen Maisöl und Trockenschlempe, sogenannte DDGS, für die Tierernährung.
Zuckerrohrbagasse bietet einen weiteren betrieblichen Vorteil: Sie kann Energie in Kraft-Wärme-Kopplung liefern und den Bedarf an externen Quellen senken. CerradinhoBio betreibt Werke in Goiás und Mato Grosso do Sul und kombiniert angegliederte Rohr- und Maisanlagen mit gemeinsam genutzten Betriebsmitteln. Finanz- und Verwaltungsdirektor Galvão Oliveira erklärte, dass diese Lösung den Investitionsbedarf begrenzt und Skalenvorteile schafft.
CerradinhoBio kann 6,1 Millionen Tonnen Zuckerrohr und 1,85 Millionen Tonnen Mais verarbeiten. Diese Mengen zeigen, in welchem Maß das flexible Modell zwei große landwirtschaftliche Lieferketten verbindet. Rohrproduzenten können bestehende Industrieanlagen außerhalb der Ernte weiter auslasten. Maislieferanten erhalten eine zusätzliche Nachfragequelle aus dem Kraftstoffmarkt.
Emissionen und neue integrierte Projekte
Die Umweltbilanz hängt teilweise von Anbaumethoden und Landnutzung ab. Laut Nilza Patrícia Ramos vom Umweltforschungsbereich Embrapa Meio Ambiente erreichen flexible Werke ohne Landnutzungsänderung einen CO2-Fußabdruck von 17 bis 30 Gramm CO2-Äquivalent je Megajoule Biokraftstoff. Bei unvermischtem Benzin C sind es 87 Gramm. Eine stärkere energetische Nutzung der Zuckerrohrbiomasse kann die Emissionen des kombinierten Betriebs weiter senken.
Atvos will sein Werk Santa Luzia in Nova Alvorada do Sul im Bundesstaat Mato Grosso do Sul zum ersten eigenen Energiewendekomplex umbauen. Das Projekt verbindet Ethanol aus Zuckerrohr und Mais, Bioelektrizität und eine Biomethananlage, die Filterkuchen und Vinasse nutzt. Für 2028 ist eine Maisethanolkapazität von 273 Millionen Litern vorgesehen. Die Biomethanproduktion soll 2027 beginnen und 28 Millionen Kubikmeter pro Jahr erreichen. Damit erweitert sich das flexible Anlagenmodell über Ethanol hinaus auf Strom, Futtermittelnebenprodukte und erneuerbares Gas.