Bosnien und Herzegowina plant zwei neue Rüstungswerke nach Produktionsanstieg
Bosnien und Herzegowina plant zwei neue Werke für Militärausrüstung, nachdem sich der Umsatz von sechs führenden Rüstungsunternehmen zwischen 2022 und 2025 mehr als verdoppelt hat. Einheimische Hersteller entwickeln zudem Drohnen und ein Sturmgewehr nach NATO-Standard.
Rüstungsunternehmen verdoppeln ihren Umsatz
Bosnien und Herzegowina will seine Rüstungsindustrie mit zwei neuen Werken für Militärausrüstung ausbauen. Die Ankündigung folgt auf einen deutlichen Produktionsanstieg bei den führenden Unternehmen der Branche. Vertreter der Regierung der Föderation Bosnien und Herzegowina stellen die Erweiterung sowohl als industriepolitische Maßnahme als auch als Investition in die nationale Sicherheitsfähigkeit dar.
Nach Angaben des föderalen Ministers für Energie, Bergbau und Industrie, Vedran Lakić, hat sich der Wert der heimischen Rüstungsproduktion in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Der Umsatz von sechs wichtigen Unternehmen der Föderation stieg von 270 Millionen konvertiblen Mark (138 Millionen Euro) im Jahr 2022 auf 554 Millionen Mark (283 Millionen Euro) im Jahr 2025, sagte Lakić auf einer Waffen- und Militärausrüstungsmesse in Sarajevo.
Das entspricht einem Zuwachs von 284 Millionen Mark. Die Entwicklung geht damit über ein schrittweises Wachstum hinaus: 2025 erzielten die sechs Unternehmen etwas mehr als das Doppelte ihres Umsatzes von 2022. Zahlen zu einzelnen Firmen, physischen Produktionsmengen oder Exporten wurden nicht veröffentlicht.
Neue Fabriken an zwei Standorten
Lakić zufolge sollen bald zwei Werke für Militärausrüstung eröffnet werden, eines im Kanton Una-Sana und eines in Tuzla. Index.hr nennt weder Investitionssummen und Inbetriebnahmetermine noch Eigentümerstruktur oder geplante Kapazitäten. Auch welche Ausrüstung die beiden Standorte produzieren werden, ist noch offen.
Der Ministerpräsident der Föderation, Nermin Nikšić, kündigte weitere Investitionen in die Rüstungsindustrie an, da sie wirtschaftlich und strategisch bedeutsam sei. Er bezeichnete die Branche als Teil der Sicherheits-, Industrie- und Entwicklungspolitik der Föderation. Eigene Fähigkeiten und stabile Partnerschaften dienten dem Frieden und nicht der Förderung von Konflikten.
Denis Bećirović, Vorsitzender des Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina, begründete den Ausbau der eigenen Verteidigungsfähigkeit ebenfalls mit dem verschlechterten Sicherheitsumfeld. Zugleich sprach er sich für eine weitere Annäherung des Landes an die NATO-Mitgliedschaft aus.
Drohnen und ein Gewehr nach NATO-Standard
Die Ausbaupläne wurden auf der Messe „Erster Balkanschild 2026“ in Sarajevo vorgestellt. Neben bosnischen Herstellern präsentierten Unternehmen aus Slowenien, China, der Türkei und Ägypten ihre Produkte. Zu den heimischen Exponaten gehörten verschiedene, überwiegend für die Infanterie bestimmte Waffen sowie Drohnen, die künftig in größeren Stückzahlen hergestellt werden sollen.
Das in Sarajevo ansässige Zentrum für fortgeschrittene Technologien hat vier Drohnenmodelle entwickelt. Das größte Modell besitzt eine Spannweite von 5,4 Metern und kann bis zu 30 Kilogramm Nutzlast tragen. Geplante Jahresproduktion, Herstellungskosten, Kunden und Zeitplan für die Serienfertigung wurden nicht genannt.
AC Unity aus Goražde präsentierte außerdem ein neues Sturmgewehr, das nach NATO-Standards gefertigt wird. Die Waffe wird derzeit unter verschiedenen Bedingungen erprobt. Für den Abschluss der Tests und den Beginn der kommerziellen Produktion wurde kein Termin angegeben.
Neue Kapazitäten sollen Marktposition stärken
Höhere Umsätze, zusätzliche Werke und neue Produkte zeigen, dass Bosnien und Herzegowina eine größere Rolle auf dem internationalen Rüstungsmarkt anstrebt. Die Beteiligung von Unternehmen aus vier anderen Ländern bietet den einheimischen Herstellern zudem eine Plattform, um Konkurrenzprodukte und mögliche Geschäftspartnerschaften zu prüfen.
Für Hersteller und Investoren sind die nächsten messbaren Etappen die Eröffnung der beiden Werke, der Übergang der Drohnenprojekte in eine größere Serienproduktion und der Abschluss der Gewehrtests. Exportziele, Auftragsbestände und Fabrikkapazitäten werden bestimmen, ob sich das jüngste Umsatzwachstum fortsetzen lässt. Bis diese Angaben vorliegen, bleibt der Anstieg des Gesamtumsatzes der sechs Unternehmen von 270 Millionen auf 554 Millionen konvertible Mark der deutlichste Beleg für die Expansion.