Billiges Primärplastik verschärft Europas Recyclingkrise
Preisgünstig importiertes Primärplastik macht recyceltes Material in Europa zunehmend unrentabel, berichten von Il Secolo XIX zitierte Unternehmen. Laut Matteo Vignola von Relife wurden in Europa bereits 45 Recyclinganlagen geschlossen.
Importiertes Primärplastik setzt Recycler unter Druck
Europas Kunststoffrecyclingbranche gerät durch preisgünstig importiertes Primärmaterial zunehmend unter Druck. Dadurch verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit der Verarbeitung von Kunststoffabfällen zu Sekundärrohstoffen. Laut Il Secolo XIX bitten Branchenunternehmen die Regierung um Unterstützung, weil Recyclingkunststoff preislich kaum mit neu produziertem Granulat konkurrieren kann.
Matteo Vignola von Relife erklärte, der Markt werde mit billigem importiertem Primärrohstoff überschwemmt. Unter diesen Bedingungen werde das Recycling unrentabel. Die Betreiber müssen die Kosten für Sammlung, Sortierung und Verarbeitung von Kunststoffabfällen decken und gleichzeitig gegen günstigere Neuware antreten.
Europa hat 45 Anlagen verloren
Nach Angaben von Vignola wurden in Europa 45 Anlagen geschlossen, eine von ihm als enorm bezeichnete Zahl. Der Druck zeigt sich damit nicht mehr nur in niedrigeren Margen oder verschobenen Investitionen. Bestehende Kapazitäten verlassen den Markt, sodass weniger Anlagen Kunststoffabfälle in wiederverwendbare industrielle Rohstoffe umwandeln können.
Jede Schließung wirkt über den einzelnen Betrieb hinaus. Abfallsammler verlieren einen Verarbeitungsweg, Hersteller haben weniger potenzielle Lieferanten von Recyclingmaterial und die verbleibenden Recycler müssen sich möglicherweise auf veränderte Mengen einstellen. Der Kapazitätsabbau erschwert zudem eine stabile Produktion, solange Recyclinggranulat mit importiertem Primärplastik konkurrieren muss.
Branche fordert staatliches Eingreifen
Mit ihrem Hilferuf stellen die Unternehmen die Politik vor eine konkrete Frage: Recycler sollen Abfälle in nutzbare Rohstoffe verwandeln, nach eigener Darstellung reichen die aktuellen Marktpreise dafür jedoch nicht aus. Welche Maßnahmen die Branche genau verlangt, geht aus dem vorliegenden Material nicht hervor. Klar benannt wird jedoch das unmittelbare Problem: Billige Importe von Primärmaterial untergraben die Rentabilität der Recyclingproduktion.
Eine politische Reaktion muss das Preisverhältnis zwischen Primär- und Recyclingmaterial berücksichtigen, ohne die Interessen der weiterverarbeitenden Hersteller zu übersehen. Kunststoffabnehmer benötigen verlässliche Qualität, ausreichende Mengen und tragfähige Preise. Kann Recyclingmaterial preislich nicht mit Primärgranulat mithalten, können sich Einkäufer trotz vorhandener Recyclingkapazitäten für Neuware entscheiden.
Für Recycler und Investoren sind die gemeldeten 45 Schließungen ein Warnsignal für die Stabilität des europäischen Verarbeitungsnetzes. Für Kunststoffhersteller und Verarbeiter könnten weitere Ausfälle die Zahl regionaler Anbieter von Recyclingmaterial reduzieren. Entscheidend ist nun, ob staatliche Maßnahmen wieder tragfähige Bedingungen schaffen, bevor weitere Anlagen den Markt verlassen. Ohne eine solche Veränderung bleibt billiges importiertes Primärplastik der Preismaßstab, den Europas Recycler nach eigener Aussage nicht rentabel erreichen können.