Belarus startet Zuckerrübenernte, vier Fabriken stellen auf Dauerbetrieb um
Belarus hat mit der Zuckerrübenernte begonnen, während die vier Verarbeitungsbetriebe auf Rund-um-die-Uhr-Betrieb umstellen. Im vergangenen Jahr erzeugte das Land aus heimischen Rüben rund 700.000 Tonnen Zucker; die Hälfte davon kam potenziell für den Export infrage.
Ernte und Verarbeitung laufen an
In Belarus hat die Zuckerrübenernte begonnen, und die Verarbeitungsbetriebe stellen zur Aufnahme der neuen Ernte auf Rund-um-die-Uhr-Betrieb um. Nach Angaben von MIR 24 ist Tempo entscheidend, weil geerntete Rüben schnell verderben. Ihr Wert hängt zudem nicht nur vom Gewicht der Wurzel ab, sondern auch vom Zuckergehalt und einer schonenden Behandlung bei Ernte und Transport.
Die Erntemaschinen entfernen das Blattwerk, heben die Rüben aus dem Boden, reinigen sie und befördern sie in den Bunker. Werden Beschädigungen vermieden, bleibt der zuckerreiche Saft bis zur Anlieferung im Werk besser erhalten. Seit Juli kontrollieren Agronomen der Fabriken die Felder alle zehn Tage, nehmen Proben und verfolgen das Wachstum. Der Agraringenieur Vladimir Avdus bezifferte den durchschnittlichen Zuckergehalt in seinem Betrieb auf rund 16,4%, leicht über dem Basiswert.
Fabriken produzieren ohne Unterbrechung
Während der Kampagne passieren täglich bis zu 400 beladene Muldenkipper die Tore einer Fabrik. Das Werk läuft durchgehend. Dem Bericht zufolge bleibt nur eine Woche, um die gesamte Rohstoffmenge zu verarbeiten, da die Rüben rasch verderben. Eine einzelne Lagermiete fasst bis zu 8.000 Tonnen Rüben, die das Werk in etwa fünf Stunden verarbeiten kann.
In der Fabrik werden die Wurzeln gewaschen, in feine Streifen geschnitten und in heißem Wasser ausgelaugt, um den Zucker zu lösen. Der entstehende Saft wird gefiltert und mit Kalkmilch und Karbonatationsgas gereinigt. Daria Tyunikova, Ingenieurin für automatisierte Produktionsleitsysteme, erklärte gegenüber MIR 24, dass diese Reagenzien zum normalen technischen Verfahren der Saftreinigung gehören.
Anschließend gelangt der braune Saft in Vakuumapparate, in denen der Sirup bei vermindertem Druck eingedickt wird. Wasser entweicht, die Saccharosekonzentration steigt und in der zähen Masse bilden sich Kristalle. Zentrifugen übernehmen die abschließende Entwässerung, danach kann der fertige Zucker verpackt werden.
Nebenprodukte stärken die Wirtschaftlichkeit
Die belarussischen Zuckerfabriken versuchen, Produktionsabfälle weitgehend zu vermeiden. Rübenschnitzel werden als Viehfutter genutzt, während Melasse zu technischem Alkohol verarbeitet wird, der als Grundlage für Desinfektionsmittel dienen kann. Selbst entzuckerter Saft lässt sich in die Landwirtschaft zurückführen, sodass die Werke auch aus den Reststoffen der Zuckergewinnung zusätzlichen Wert erzielen.
Belarus produziert mehr Zucker, als der heimische Markt benötigt. Das Land verfügt über vier Verarbeitungsbetriebe, für die der Export nicht nur ein zusätzlicher Absatzkanal, sondern die Grundlage des Geschäftsmodells der Branche ist. Belarussischer Zucker geht in mehr als 20 Länder; der größte Exportanteil entfällt auf die Eurasische Wirtschaftsunion und die Märkte Zentralasiens.
Laut MIR 24 erzielt Belarus mit Zuckerexporten jährlich 460 Millionen belarussische Rubel, umgerechnet etwa 13 Milliarden russische Rubel. Im vergangenen Jahr stellte das Land aus heimischen Rüben rund 700.000 Tonnen Zucker her, wobei die Hälfte dieser Menge potenziell für den Export verfügbar war. Die neue Kampagne betrifft daher neben Landwirten und Fabriken auch Frachtunternehmen und regionale Käufer, die auf eine pünktliche Rübenanlieferung und den reibungslosen Transport des fertigen Zuckers in die Auslandsmärkte angewiesen sind.
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