Bayer treibt neue Sojamerkmale, Kurzstrohmais und Herbizid-Pipeline voran
Bayer will in den kommenden 10 Jahren 10 landwirtschaftliche Blockbuster auf den Markt bringen, jeweils mit einem Umsatzpotenzial von mehr als 500 Millionen €. Die Pipeline umfasst Kurzstrohmais, mehrfach herbizidtolerante Sojabohnen, neue Pflanzenschutzmoleküle, Hybridweizen und Ölsaaten für nachhaltigen Flugkraftstoff.
Bayer nimmt 10 Agrar-Blockbuster ins Visier
Bayer hat eine Pipeline aus Saatgutmerkmalen, Pflanzenschutzmitteln und genomeditierten Kulturen vorgestellt, aus der in den kommenden 10 Jahren 10 Blockbuster hervorgehen sollen. Nach einem Bericht von La Nación von der Bayer Innovation Showcase in Huxley im US-Bundesstaat Iowa erwartet der deutsche Konzern für jedes Produkt ein Umsatzpotenzial von mehr als 500 Millionen €.
Zwei Produkte sind bereits weltweit auf dem Markt: das Kurzstrohmais-System Preceon und das Insektizid Plenexos. Preceon erzeugt Maispflanzen, die 30 bis 40 % niedriger sind. Das senkt das Lagerrisiko, ermöglicht höhere Bestandsdichten und erlaubt die Einfahrt mit Maschinen für Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen während der gesamten Vegetationsperiode. Bis 2035 will Bayer das System auf 10,5 Millionen Hektar ausweiten.
Preceon wird bereits in Mexiko, Italien, Spanien und den USA angeboten. In Argentinien ist zur neuen Saison eine begrenzte Markteinführung mit rund 1.000 Saatgutsäcken und 20 Erzeugern vorgesehen. Zunächst zielt Bayer dort auf spät gesäten Mais, langfristig soll das System jedoch im gesamten Maisanbau eingesetzt werden.
Sojatechnologien für Nord- und Südamerika
Vyconic, eine Sojatechnologie mit Toleranz gegenüber fünf Herbiziden, soll im kommenden Jahr in den USA und Kanada starten. Bayer will das Merkmal in Elitesorten integrieren, die höhere Erträge gezeigt haben, und anschließend die Plattform HT5 einführen.
In Südamerika konzentriert sich Bayer zunächst auf Brasilien und Intacta 5+. Die Technologie kombiniert die Toleranz gegenüber fünf Herbiziden mit einem erweiterten Schutz gegen neun Raupenarten und ist für die Saison 2027/2028 geplant. Bayer erwartet für Vyconic und Intacta 5+ zusammen Umsätze von mehr als 3 Milliarden €. La Nación zufolge hängt eine breitere Einführung neuer Sojatechnologien in Argentinien weiterhin von der Klärung der Anerkennung geistigen Eigentums ab.
Das Unternehmen entwickelt außerdem eine genomeditierte Sojabohne mit veränderter Pflanzenarchitektur. Sie soll das Lagerrisiko bei hoch ertragreichen, höher wachsenden Sorten verringern und zu Beginn des kommenden Jahrzehnts verfügbar werden. Für Brasilien entsteht zudem mit IP4 die vierte Generation eines Soja-Insektenmerkmals gegen wichtige Schädlinge wie Sojaeule und Falsche Spannerraupe.
Neue Moleküle gegen Resistenzen und hohen Mitteleinsatz
Icafolin ist laut Bayer das erste Herbizid seit mehr als 30 Jahren mit einem neuen Wirkmechanismus gegen bereits aufgelaufene Unkräuter in Flächenkulturen. Bis Mitte der 2030er-Jahre sieht der Konzern ein Umsatzpotenzial von 750 Millionen €. Das Mittel soll Landwirten ein weiteres Werkzeug gegen schwer bekämpfbare resistente Unkräuter geben und Resistenzzyklen durchbrechen.
Nach Angaben von Bayer hat die durch künstliche Intelligenz unterstützte Forschungsplattform CropKey zu einer Pipeline mit mehr als 15 neuen Wirkmechanismen in der Erforschung beigetragen. Das System bewertet Wirksamkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit bereits zu Beginn des Moleküldesigns. Ein mit CropKey entdecktes Breitbandfungizid für Sojabohnen hat Phase II erreicht und gilt dem Unternehmen als weiterer potenzieller Blockbuster.
Plenexos soll ein breites Schädlingsspektum kontrollieren und den Einsatz von Wirkstoff um bis zu 75 % senken. Nach der Einführung in Kolumbien plant Bayer Markteintritte in Mexiko, Brasilien und den USA. Zum Portfolio gehören außerdem die fünfte Generation der Herbizidtoleranz bei Mais und Sojabohnen, einschließlich einer neuen PPO-Herbizidtoleranz, sowie CRW4 als vierte Merkmalsgeneration gegen den Maiswurzelbohrer.
Pipeline reicht bis zu Weizen und Flugkraftstoff-Pflanzen
Bayer will Hybridweizen zu Beginn der 2030er-Jahre in Europa und Nordamerika vermarkten. Zudem arbeitet der Konzern mit Leindotter, Raps und CoverCress als Rohstoffen für nachhaltigen Flugkraftstoff. CoverCress ist eine Winterölsaat, die durch Züchtung und Geneditierung einer invasiven Pflanze entwickelt wurde.
Die Investitionen stammen von einem Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von mehr als 45 Milliarden € erzielte. Crop Science steuerte 21,6 Milliarden € bei, die Pharmasparte 17,8 Milliarden € und Consumer Health 5,8 Milliarden €. Bayer sieht künstliche Intelligenz als zentralen Faktor für schnellere Entdeckungen und die Überführung biologischer Forschung in marktfähige Produkte. Die Marktwirkung der Pipeline wird jedoch von Zulassungen, der Akzeptanz der Landwirte und den Feldergebnissen in unterschiedlichen Anbauregionen abhängen.