Batterienachfrage treibt 750-Millionen-R$-Investition in Brasiliens Graphit an
Brasilien verfügt über rund 25 % der weltweiten Graphitreserven, stellt aber nur etwa 4 % der Produktion. Graphcoa und Atlas Critical Minerals treiben Projekte voran, da die Nachfrage aus Batterien, Energiespeichern und Strominfrastruktur steigt.
Große Reserven, geringe Produktion
Brasilianische Graphitprojekte ziehen neues Kapital an, weil Elektrofahrzeuge, Energiespeicher und Strominfrastruktur die Nachfrage nach dem Mineral erhöhen. Brasilien verfügt laut Valor Econômico über rund 25 % der weltweiten Graphitreserven und liegt damit hinter China mit 28 % an zweiter Stelle. An der globalen Produktion hat das Land jedoch nur einen Anteil von etwa 4 %, während China 79 % des Angebots stellt.
Die Differenz zwischen Brasiliens geologischer Basis und seiner tatsächlichen Förderung eröffnet Chancen für Bergbau- und Verarbeitungsunternehmen, die Alternativen in einem stark konzentrierten Markt suchen. Gereinigter Naturgraphit wird in Batterieanoden eingesetzt, die Energie speichern und abgeben und den größten Gewichtsanteil einer typischen Lithium-Ionen-Batterie ausmachen. Aufgrund seiner thermischen und elektrischen Leitfähigkeit kommt Graphit zudem in Verteilnetzen, Windkraftanlagen, Photovoltaiksystemen und weiterer Energieinfrastruktur zum Einsatz.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur nahm die Graphitnachfrage in den vergangenen Jahren durchschnittlich um rund 10 % pro Jahr zu. Bei Basismetallen wie Aluminium, Blei und Zink waren es dagegen etwa 1 %. Der Energiesektor erzeugte 2025 rund 75 % des Nachfragewachstums bei Graphit, nach 70 % im Jahr 2024.
Graphcoa baut eine integrierte Batteriekette auf
Graphcoa will 750 Millionen R$ in das Graphitprojekt Jordânia im Jequitinhonha-Tal des Bundesstaates Minas Gerais investieren. Das Unternehmen leitete 2025 das Umweltgenehmigungsverfahren ein und führte eine öffentliche Anhörung mit der lokalen Bevölkerung durch. Der Abbau soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen, der kommerzielle Betrieb in der zweiten Jahreshälfte 2029.
Graphcoa wird von Appian Capital Brazil kontrolliert. Die Zusage für Jordânia kommt zu bereits investierten 70 Millionen US$ hinzu, umgerechnet etwa 400 Millionen R$. Dieses Kapital floss in den Bau einer Anlage in Itagimirim im Bundesstaat Bahia und in technische Studien. Die Investitionen sollen den brasilianischen Abbau und die Verarbeitung mit der nachgelagerten Herstellung von Batteriematerialien in den USA verbinden.
Graphcoas wichtigster Kunde ist die in den USA ansässige Schwestergesellschaft Allied Graphite. Graphcoa produziert in Brasilien hochreines Graphitkonzentrat, während Allied Technologie und industrielle Kapazitäten für beschichteten, sphärischen und gereinigten Graphit, kurz CSPG, entwickelt. Das Material ist ein zentraler Ausgangsstoff für Lithium-Ionen-Batterien. Graphcoa-Geschäftsführer Ricardo Alves sagte Valor Econômico, das Unternehmen exportiere kein Roherz und führe den größten Teil der Verarbeitung in Brasilien durch.
Atlas setzt auf Batterien und Kerntechnik
Auch Atlas Critical Minerals baut seine brasilianische Graphitposition aus. Das an der Nasdaq notierte Unternehmen bündelte im März durch den Erwerb eines zusätzlichen Abbaurechts bestehende Konzessionen zu einem durchgehenden mineralisierten Korridor von mehr als 11 km in Minas Gerais. Das Projekt erstreckt sich nun über 2.822 ha. Atlas teilte im Juli mit, dass alle bisher 20 Bohrungen des ersten Diamantbohrprogramms oberflächennahen Graphit durchschnitten hätten.
Aufbereitungstests erhöhten die Reinheit des Konzentrats nach Unternehmensangaben auf 5N und damit auf Kerntechnikqualität. Gründer und Vorstandschef Marc Fogassa bezeichnete Fahrzeugbatterien als größten Graphitmarkt. Atlas prüft jedoch auch die mögliche Nachfrage aus kleinen modularen Kernreaktoren, die Rechenzentren für künstliche Intelligenz mit Strom versorgen könnten. Die Projekte könnten Brasilien helfen, seine Reserven in verarbeitete Produkte für Batterie- und industrielle Spezialmärkte umzuwandeln. Ihr Beitrag zum Weltmarkt hängt allerdings von Genehmigungen, Baufortschritt und dem erfolgreichen Beginn der kommerziellen Produktion ab.