BAT fordert deutsche Regeln für Nikotinbeutel und stellt neues Werk in Aussicht
British American Tobacco will bei einer Legalisierung von Nikotinbeuteln und verlässlichen Langzeitregeln ein Werk in Deutschland eröffnen. Der Konzern schätzt den bestehenden Nutzerkreis auf rund 1,5 Millionen Menschen und das mögliche Steueraufkommen auf 500 Millionen Euro.
Werk an verlässliche Regulierung geknüpft
British American Tobacco will ein neues Werk in Deutschland eröffnen, wenn Nikotinbeutel legalisiert und langfristig verlässlich reguliert werden. BAT-Deutschlandchef Blagoje Jovanovic sagte t-online, Pläne für eine Fabrik lägen bereits vor. Über deren Größe und die mögliche Zahl neuer Arbeitsplätze könne das Unternehmen jedoch noch keine Angaben machen.
BAT darf seine Nikotinbeutel der Marke Velo derzeit nicht in Deutschland verkaufen. Laut Jovanovic gelangen solche Produkte dennoch über den Onlinehandel zu deutschen Kunden und werden unter anderem in Berliner Spätverkaufsstellen inoffiziell angeboten. Nach Schätzung von BAT nutzen bereits rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland Nikotinbeutel.
Durch einen legalen Verkauf könnten Behörden nach Darstellung des Managers Produktvorgaben einführen, Altersgrenzen durchsetzen und Steuern erheben. BAT beziffert das potenzielle Steueraufkommen auf rund 500 Millionen Euro. Sowohl die Nutzerzahl als auch die Steuerprognose sind Unternehmensschätzungen, über die t-online berichtet, und keine Berechnungen der Bundesregierung.
Regulierte EU-Märkte als Vorbild
Jovanovic verwies auf Polen und Österreich als Beispiele für EU-Staaten, in denen der Verkauf von Nikotinbeuteln geregelt ist. Ein Verbot beseitige die deutsche Nachfrage nicht, sondern begrenze die Kontrolle über Produkte und den Zugang Minderjähriger, argumentierte er.
Der Vorstoß dient zugleich den geschäftlichen Interessen von BAT. Eine Legalisierung würde dem Konzern mit Velo den Zugang zu einer deutschen Produktkategorie eröffnen, von der die Marke bisher ausgeschlossen ist. Die Größe eines heimischen Werks hinge vom Umfang des regulierten Marktes ab; Zahlen zu Investitionen, Kapazität, Produktionsmenge und Beschäftigung nannte Jovanovic nicht.
Nikotinbeutel machen abhängig, was Jovanovic im Gespräch mit t-online einräumte. Die Debatte geht daher über Steuereinnahmen und Industrieinvestitionen hinaus. Die deutsche Politik muss abwägen, ob ein legaler Markt mit Alters- und Produktkontrollen eine bessere Aufsicht ermöglicht als der bestehende inoffizielle Vertrieb.
BAT verlagert Investitionen auf neue Produkte
Die Forderung ist Teil des größeren BAT-Plans, die Abhängigkeit von klassischen Zigaretten zu verringern. E-Zigaretten, Tabakerhitzer, Nikotinbeutel und andere neue Kategorien sollen bis 2035 die Hälfte des weltweiten Umsatzes liefern. Bis 2030 strebt BAT weltweit 50 Millionen Konsumenten dieser Produkte an, nennt aber kein Datum für das Ende des Zigarettenverkaufs.
In Deutschland fließt derzeit der größte Teil der Segmentinvestitionen in die E-Zigarette Vuse. Die Ausgaben für den Tabakerhitzer Glo hatte BAT deutlich reduziert. Jovanovic zufolge verschaffte der frühere Marktstart von Iqos dem Konkurrenten Philip Morris einen Vorteil. BAT will die Glo-Investitionen wieder erhöhen und ein verbessertes Produkt anbieten, nannte aber weder Zeitplan noch Budget.
Der Konzern bereitet sich außerdem auf Einschränkungen bei Einweg-Vapes vor. Ab Februar 2027 dürfen Produkte mit fest eingebautem Akku in ihrer heutigen Form laut t-online nicht mehr neu auf den Markt kommen. Einweggeräte machten nach BAT-Angaben vor einigen Jahren noch 80 bis 85 Prozent des E-Zigaretten-Geschäfts aus, heute sind es etwa 30 Prozent; rund 70 Prozent entfallen auf wiederaufladbare geschlossene Systeme mit austauschbaren Pods. BAT will seine Geräte bis zum Stichtag mit wechselbaren Batterien anbieten.