Australiens Stromerzeugung wird mit dem Ausstieg alter Kohlekraftwerke teurer
Modellrechnungen von CSIRO und AEMO erwarten bis 2050 durchschnittliche Erzeugungskosten von 125 $ je Megawattstunde, während Australien alte Kohlekraftwerke ersetzt. Erneuerbare Energien sollen das Netz dominieren, doch steigende Anlagenpreise und eine zu langsame Projektpipeline erschweren den Umbau.
Kohlestilllegungen verändern die Kostenkurve
Australiens Stromerzeugungskosten dürften nach 2030 deutlich steigen, wenn alternde Kohlekraftwerke das System verlassen. Das zeigen Modellrechnungen der nationalen Wissenschaftsbehörde CSIRO und des Australian Energy Market Operator, AEMO. Der Bericht erwartet in diesem Jahrzehnt Kosten zwischen 80 und 90 $ je Megawattstunde. Auf einem Netto-null-Pfad steigen sie anschließend schrittweise auf durchschnittlich 125 $ je Megawattstunde im Jahr 2050.
Für 2025 veranschlagt das Modell rund 104 $ je Megawattstunde. In den nächsten Jahren sollen sinkende Preise für Batteriespeicher, Wind- und Solarenergie zunächst Entlastung bringen. Später kehrt sich die Entwicklung um: Bestehende Kohlemeiler werden stillgelegt und müssen durch neue Erneuerbaren-Projekte, Speicher sowie regelbare Technologien ersetzt werden, die bei geringer Wind- und Solarproduktion Strom liefern.
Ersatzkapazitäten brauchen Speicher und Gas
Paul Graham, leitender Energieökonom bei CSIRO, erklärte, die bestehenden Kohlekapazitäten hielten die Erzeugungskosten unter den vollständigen Kosten ihres Ersatzes. Ihre Laufzeit könne jedoch nicht unbegrenzt verlängert werden. Bis 2050 dürfte jede größere neue Erzeugungstechnologie im Modell mehr als 100 $ je Megawattstunde kosten, da ältere Infrastruktur das Ende ihrer Betriebsdauer erreicht.
Große Solarparks und Windkraftanlagen an Land sollen bis zur Mitte des Jahrhunderts den größten Teil des australischen Stroms liefern. Batterien und Gaskraftwerke sollen die Versorgung absichern. Gas bleibt trotz höherer Baukosten Teil des erwarteten Systems. Die Kosten für den Bau von Gaskraftwerken stiegen im Finanzjahr 2025-26 um 32%, vor allem weil die weltweite Nachfrage nach Gasturbinen die Fertigungskapazitäten übertraf.
Globale Anlagennachfrage erhöht den Druck
CSIRO führt einen großen Teil des Drucks am Turbinenmarkt auf den raschen Ausbau von Infrastruktur für künstliche Intelligenz und Cloud-Computing in den Vereinigten Staaten zurück. Die Kosten der Stromerzeugung mit Steinkohle stiegen 2025-26 um 13%. Große Solaranlagen verteuerten sich nach zwei rückläufigen Jahren um 9%. Windkraft an Land gehörte zu den wenigen günstigeren Technologien; ihre Kosten sanken im selben Zeitraum um 5%.
Parallel zum Kostenanstieg droht ein Defizit bei neuen Erneuerbaren-Kapazitäten. Laut dem 20-Jahres-Plan von AEMO würden Projekte bei einem Ausbau ungefähr im heutigen Tempo bis 2030 rund 75% der australischen Stromerzeugung liefern. Das liegt unter dem Ziel der Bundesregierung von 82%. Selbst wenn sämtliche Wind- und Solarprojekte im laufenden Netzanschlussverfahren fertiggestellt werden, entstünden laut AEMO nur etwa drei Viertel der zusätzlich benötigten Erzeugungskapazität. Für stromintensive Importeure, Exporteure und Hersteller wächst damit nach 2030 das Risiko höherer Energiekosten. Anbieter von Turbinen, Batterien und Erneuerbaren-Technik können dagegen mit anhaltender Nachfrage aus dem Ersatzprogramm rechnen.