Auslandsnachfrage treibt Auftragseingang im deutschen Maschinenbau
Die Bestellungen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau stiegen im ersten Halbjahr um 5%, getragen von einem Plus von 16% außerhalb Europas. In Europa sanken die Aufträge um 8% und in Deutschland um 2%, sodass die Erholung vorerst vom Ausland abhängt.
Überseemärkte tragen das Wachstum
Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer verbuchten im ersten Halbjahr 5% mehr Aufträge als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen Zahlen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, VDMA, über die Tagesschau berichtete. Ausschlaggebend waren die Märkte außerhalb Europas, auf denen die Bestellungen um 16% zulegten.
Im näheren Marktumfeld blieb die Lage dagegen schwach. Die Aufträge aus Europa gingen um 8% zurück, in Deutschland betrug das Minus 2%. Damit sind Kunden außerhalb Europas zur wichtigsten Wachstumsquelle einer Branche geworden, die unter der allgemeinen Schwäche der deutschen Industrie leidet.
Produktion dürfte zeitversetzt reagieren
VDMA-Konjunkturexperte Florian Scholl verwies darauf, dass sich bereits im letzten Quartal 2025 mit einem leichten Plus eine positive Entwicklung gezeigt habe. Dieser Trend setze sich nun fort. Da die Produktion den Bestellungen üblicherweise mit Verzögerung folgt, könnte sich ein Teil der besseren Auftragslage in den kommenden Wochen in den Fabriken bemerkbar machen.
Jürgen Matthes, Außenhandelsexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft, sieht in einem anhaltend stärkeren Auslandsgeschäft eine mögliche Stütze für einen Aufschwung in Deutschland. In der Vergangenheit veranlasste eine gute Auslandsnachfrage Unternehmen dazu, zunächst mehr zu produzieren und anschließend mehr zu investieren. Ob ein solcher Kreislauf bereits begonnen hat, lässt sich aus den aktuellen Zahlen jedoch noch nicht ableiten, zumal die europäische Nachfrage schwach bleibt.
US-Geschäft sendet bessere Signale
Der Präzisionswerkzeughersteller Paul Horn GmbH zeigt, wie unterschiedlich sich die Märkte entwickeln. Das Familienunternehmen produziert auf 30.000 Quadratmetern in Tübingen vor allem Hochpräzisionswerkzeuge und beschäftigt weltweit 1.500 Menschen. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie dem Maschinenbau. Geschäftsführer Markus Horn sagte der Tagesschau, das Geschäft in Deutschland und Europa bleibe schwach, während das Unternehmen außerhalb Europas Wachstum sehe.
Besonders in den Vereinigten Staaten läuft das Geschäft von Paul Horn wieder besser. Matthes führte die Nachfragebelebung auf eine anziehende US-Konjunktur und die teilweise Rücknahme von Zöllen auf Maschinenbauprodukte zurück. Die geringere Zollbelastung habe die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter verbessert. Paul Horn nutzt seine internationale Ausrichtung, investiert aber zugleich weiterhin Millionenbeträge am Standort Tübingen.
Kosten und chinesischer Wettbewerb bleiben Belastungen
Die Branchenvertreter warnten davor, die stärkeren Auslandsbestellungen mit einer bereits abgeschlossenen Erholung gleichzusetzen. Matthes bezeichnete die Bürokratie bei der Umsetzung der Energiewende als großes Hindernis. Scholl kritisierte die Personalkosten und nannte Sozialabgaben von mehr als 40% zu hoch. Horn forderte weitere Fachkräftezuwanderung, Entlastungen für die Bürger und umfassendere Reformen des Bundes, damit Unternehmen und Haushalte mehr investieren können.
Hinzu kommt der Wettbewerb aus China. Matthes zufolge gelangen chinesische Produkte zu Dumpingpreisen auf den deutschen und europäischen Markt, begünstigt durch eine unterbewertete Währung und umfangreiche Subventionen. Er sprach sich für Ausgleichszölle aus. Die Halbjahreszahlen markieren somit eine mögliche Wende, aber noch keine vollständige Erholung: Steigende Auslandsaufträge können die Produktion ankurbeln, während schwache europäische Nachfrage, hohe Standortkosten und internationaler Preisdruck den Ausblick weiter begrenzen.
Vollständige Marktanalyse